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Sisterkingkong - She sees wolves

Sisterkingkong - She sees wolves

Vier Sieben
VÖ: 20.04.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Und heute die ganze Welt

Manchmal muss man einfach nur sein Leben leben, und schon springt als Mehrwert eine nette Bandbiographie dabei heraus. So bei dem Dortmunder Vierergespann Sisterkingkong. Sie sind eine echte Thekentruppe, denn Sänger/Songwriter Dirk Geisler betrieb nach jahrelanger Musikerexistenz zunächst eine Kneipe in der Heimatstadt, entdeckte irgendwann seine Kochleidenschaft, rüstete zum Restaurant auf, hatte als Wirtsherr aber immer noch Zeit genug für manch beschwipste "Prost! So machen wir's!"-Verplanung. Wenn dann auch noch die Musik derart exakt auf Silberblick und Wolkenkuckucksheim passt wie bei Sisterkingkongs Debüt "She sees wolves", dann eiert es zwar vehement über die Gitarren, wird genau deshalb aber zu einer mehr als runden Sache.

Denn Sisterkingkong verhaften so ziemlich alles aus den 1990ern und minimieren es so lange, bis es umso größer aufgehen kann. Country und Folk sind die Schmiedeeisen, Indie ist der Lebenssaft, den dicksten Köder wirft jedoch ein wahrer Wahn von Melodien aus. Auch die klingen ebenso altbekannt wie heißgeliebt, nur selten werden sie jedoch mit derartiger Präzision und Begeisterung in Songs umgesetzt - damals wie heute. Die Gitarren jammern, sliden und schielen genau dann, wenn sie es müssen, Drums und Bass humpeln hinterher, ziehen aber für die großen Momente passgenau in den Takt. Und das Beiwerk aus Streichern, Flöten, Glockenspielen und Rhodes Piano schiebt ab und an eine Tonfolge aus dem Gewusel, bleibt ansonsten aber bei seinen Leisten.

Auch Geisels Leiergesang ist eher eine sachte, wohlplatzierte Referenz, keinesfalls ein nachträgliches Dekonstruktions-Element wie beim Pavement-Original. Die Fuzz-Gitarren von "Coast" regeln J Mascis ebenfalls aufs Normalmaß, mucken nie wirklich auf, sitzen vielmehr sattelfest im Arrangement. Die Melodien bedienen sich bei Slowcore und Folkrock gleichermaßen, der Schunkelrhythmus bei Buffalo Tom, Yo La Tengo oder den Lemonheads. Im Video zum mit fluffig hintergründigem Beat versetzten "The glory is lost" geht es mit Drahteseln voran wie einst bei Motorpsychos "Wearing yr smell", nicht nur, weil auch die zur Abwechslung mal wieder ein wenig Entspannung üben dürften. Und die schief gestimmten, genau dadurch aber umso besser sitzenden Gitarren von "Marie" bringen die besten und bekanntesten Momenten der Pixies und Foo Fighters an einen, natürlich, Kneipen-Tisch.

Als wäre all das noch nicht genug, schimmert dann noch teils der im Detail knackende, doch rhythmisch fließende Vibe der späten June Of 44 durch, etwa wenn "Hardihood" allerlei Getröte und Gefiedel als Schmierseife über sein Country-Bett schliddern lässt. Oder wenn sich Bass und Gitarren von "Miss Brown" kongenial ineinander verschieben, um einen der betörendsten Auftakte der Indie-Historie daraus zu entwickeln. Getoppt wird das nur noch von dem dispergierenden Satzgesang, der das Finale des folgenden "For the family" aufgehen lässt wie Fern-, Heim- und Herzeweh zugleich. Oder vielleicht noch, wenn Geisel und Kollegen das Motto von "The best is yet to come" ausgerechnet gegen ein Song skandieren, der alle genannten Elemente zu einer wahren Euphorie-Bombe verdichtet - wider besseres Wissen, gegen jede Vernunft, eben genau so, wie es sein sollte.

So macht es allein schon eine Menge Spaß, dieser Platte beim Ausspielen all ihrer Trümpfe zuzuhören. Zuletzt waren wohl Yuck auf einem derart beglückenden Nostalgietrip, blieben dabei aber im Genre eher beschränkt. Sisterkingkong nehmen hingegen alles, was sie brauchen könnten - glückliches Produzentengespür inklusive: BluNoise-Chef Guido Lucas empfahl ihnen die Live-Aufnahme, und schon schwuppt und rutscht alles auf "She sees wolves" wie ein angetüddertes Bierbank-Gespräch in der ersten Frühlingssonne. "Who'll support ideas that've been?", fragt "Down the drain" gänzlich ohne Grund. Denn wenn jedes Luftschloss derart eindringlich umgesetzt werden würde, wäre die Welt zwar trotzdem nicht leicht zu retten - aber nur eine Welt auch wahrlich kaum genug.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Miss Brown
  • Hardihood
  • For the family
  • Down the drain
  • The best is yet to come
  • Marie

Tracklist

  1. Nighttime
  2. The port that we like
  3. Miss Brown
  4. Hardihood
  5. The glory is lost
  6. For the family
  7. Down the drain
  8. Coast
  9. Sightseeing in New York
  10. The best is yet to come
  11. Beast burn please burn
  12. Henk
  13. Marie

Gesamtspielzeit: 42:01 min.