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Hannah Cohen - Child bride

Hannah Cohen - Child bride

Bella Union / Cooperative / Universal
VÖ: 20.04.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Deine Stimme zählt

Weinst Du?

Nicht jeder Schlagzeuger ist taktvoll. Hannah Cohens Vater zum Beispiel, ein professioneller Jazz-Drummer, äußerte, nachdem er "Child bride", das Debütalbum seiner Tochter, zum ersten Mal gehört hatte, diesen wenig aufbauenden Satz: "Well, you're not Tina Turner or Ella Fitzgerald!" Vielleicht erklärt diese Anekdote auch, warum Cohen nach der High School ihr Elternhaus in San Francisco verließ, um in New York das Leben zu studieren. Als Model, Muse diverser renommierter Künstler, Fotografin und seit knapp vier Jahren auch als Musikerin. Während eines Brasilien-Urlaubs hatte sie sich einfach mal die Akustikgitarre ihres damaligen Lovers Jesse Harris geschnappt - das ist der Typ, der 2003 für sein von Norah Jones gesungenes Lied "Don't know why" einen Grammy bekam - und Gefallen an dem Instrument gefunden. Ob der Albumtitel "Child bride" auf den deutlichen Altersunterschied zwischen den beiden anspielt, ist allerdings nicht bekannt.

Mittlerweile ist Cohen, übrigens nicht mit Leonard verwandt, 25 und hat sich in den letzten Jahren mit nahezu allen wichtigen Musikern der gepflegten New Yorker Indieszene bekannt gemacht. Es überrascht also nicht, dass auf ihrem Debüt Instrumentalisten beteiligt sind, die regelmäßig mit Antony & The Johnsons, The National oder auch Bon Iver zusammen musizieren. Dass das Album seinem Titel "Child bride" mehr als gerecht wird und gleichzeitig niedlich unschuldig, erfrischend natürlich und trotzdem prachtvoll ausstaffiert klingt, ist vor allem jenem Mann zu verdanken, der zu den besten jungen Produzenten zählt, die New York zu bieten hat: Thomas Bartlett. Auch auf Rufus Wainwrights neuem Werk "Out of the game" hat er mitgemischt und nun für Cohen ganz zauberhafte Arrangements geschrieben - angenehm zurückhaltend und doch stets präsent, federleicht und doch wie eine starke Schulter zum Anlehnen.

Diese Schulter ist auch nötig, denn in den zehn melancholiegetränkten Stücken wird mehr als nur einmal geweint: "Don't say that this didn't hurt / I cried all night / And now it's your turn", verkündet Cohen schon im ersten Lied, zu sanfter Akustikgitarre, sachte federndem Besenschlagzeug, Kontrabass, Piano und Doug Wieselmans weise kommentierender Klarinette. Im wunderbar fragilen "Sorry" wird mit einer betörenden Melodie im Ohr, aber mit Tränen in den Augen aufgewacht und dann die Entschuldigung ins Taschentuch geschnäuzt: "I'm sorry that everything wasn't enough." Nur zwei Songs später, im bluesigen "Carry you under", stellt Cohen "Something isn't right behind those eyes" fest, um schließlich direkt ins außerordentlich hübsche, von akribisch gezupfter Klampfe und würdevollen Streichern begleitete "The crying game" überzugehen.

Immerhin gibt es auf "Child bride" auch ein paar Lieder, die nicht ganz so traurig sind. Da wären beispielsweise die beschwingte Popnummer "California", das einem malerischen Naturschauspiel gleichende, beinahe hypnotische "Sunrise" oder die charmante Coverversion von "Boy + angel", im Original von Bartletts eigenem Musikprojekt Doveman. Alle neun anderen Stücke hat Cohen aber ganz alleine geschrieben, und spätestens jetzt dürfte klar sein, dass die junge Dame nicht nur das Aussehen und die Kontakte hat, sondern vor allem auch das Talent. Ihre Melodien sind zarte, feine Kunstwerke, die sich zielsicher in den Gehörgang weben und gar nicht daran denken, so schnell wieder rauszukommen. Dabei haucht Cohen mehr, als dass sie singt - als hätte sie sich heimlich nachts ins Studio geschlichen, um ganz leise und andächtig ihre Lieder einzusingen. Bestimmt war es auch so. Und vermutlich hatte sie dabei sogar das eine oder andere Freudentränchen in den Augen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Don't say
  • California
  • Sorry
  • The crying game

Tracklist

  1. Don't say
  2. The simplest
  3. Shadows
  4. California
  5. Boy + angel
  6. Sorry
  7. Say anything
  8. Carry you under
  9. The crying game
  10. Sunrise

Gesamtspielzeit: 34:03 min.