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Gemma Hayes - Let it break

Gemma Hayes - Let it break

Gemma Hayes / Fullfill / Al!ve
VÖ: 20.04.2012

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Die Schnittstelle

Zu den unverständlichsten Dingen in dieser globalisierten und digitalisierten Welt gehören Veröffentlichungstermine. Was an einer Stelle des Globus veröffentlicht ist, ist prinzipiell binnen Sekundenbruchteilen auch überall sonst erhältlich. Mit dem künstlichen Hinauszögern der Verfügbarkeit in einem bestimmten Markt drängt die Industrie die willigen Kunden zu anderen Erwerbsmöglichkeiten. Wenn der potentielle Käufer nur die Wahl zwischen überteuertem Import und illegalem Download hat, dürfte zum Beispiel dem deutschen Musikmarkt der eine oder andere Euro entgehen.

Nehmen wir als Beispiel Gemma Hayes. Die Irin hatte mit 2002 ein grandioses Debüt namens "Night on my side" veröffentlicht. Den damals vorherrschenden Folkhäschen setzte sie maßvollen Knarz entgegen und verzauberte so diverse Indiejungs. Seitdem war sie nicht untätig und nahm Platte um Platte auf, doch das Debüt blieb das einzige in Deutschland regulär erhältliche Album. Dass Hayes in ihrer Heimat mit Preisen überschüttet wurde und zahlreiche Songs in hippen Ami-Serien platzierte, kümmerte hiesige Labels nicht. Mangels Angebots mussten die Fans ihre akustischen Bedürfnisse jenseits des hiesigen Marktes befriedigen. Doch, Wunder über Wunder, für "Let it break" gibt es einen deutschen Release. So ganz echt mit physischem Tonträger. Oder eben als völlig legaler Download. Geschenkt, dass das vierte Album knapp ein Jahr für den Weg über den Ärmelkanal brauchte.

Als hätte sie gewusst, dass dies ein feierlicher Anlass ist, spendiert Hayes nicht nur eine überholte Tracklist, sondern auch gleich noch jede Menge ganz wunderbare Musik. Statt sich lediglich auf den Gegensatz aus zierlichem Folk und schmackhaftem Krach zu verlassen, probiert sie sich an trickreichen Arrangements. Und diese gelingen ihr, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Ist der Opener "Don't let them cut your hair" noch ein leichtes Unterfangen, schwebt "There's only love" sogar schwerelos davon. Weiche Klänge kitzeln im Ohr, und die gehörige Gänsehaut ist nur die erste folgerichtige Reaktion. Und dann übernimmt ein stoischer Groove die Kontrolle, damit Hayes verträumt auf der Stelle tanzen kann.

Hayes hat natürlich noch weit mehr zu bieten: Da wäre der reduzierte Vorwärtsdrang des fantastischen "Keep running", das sich mit New-Order-Bass in die Ferne sehnt. Da wäre das subtile Prickeln von "Ruin", bei dem Hayes an Verletzungen und Schmerz ihre eigene Menschlichkeit erkennt: "You need the darkness, if you wanna see the stars." In der Single "Shock to my system" irritiert Hayes die lagerfeuerige Gitarre mit isländischen Koboldklängen. Klavier und Pizzicato von "All I need" wechseln sich im raffinierten Offbeat ab. "Fire" steigert sich über elektronische Perkussion und fließender Emotionen in schmerzhafte Verliebtheit: "You are the melody I can't get out / Gets caught in my ribcage / Turning me inside out". Und wenn die qualvolle Stille von "Noise" diesem Titel alle Ehre macht, ist man ohnehin schon hin und weg. "Let it break / You'll feel better." Klavier, Hall und ein ganz tief gestrichener Kontrabass halten gemeinsam den Atem an. Für diese kreative Explosion hat sich das lange Warten gelohnt. Wen kümmern da noch überholte Geschäftsmodelle?

(Oliver Ding)

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Highlights

  • There's only love
  • Keep running
  • Ruin
  • All I need
  • Noise

Tracklist

  1. Don't let them cut your hair
  2. There's only love
  3. Sorrow be gone
  4. Keep running
  5. Ruin
  6. Shock to my system
  7. Brittle winter
  8. That sky again
  9. All I need
  10. To be beside you
  11. Waiting for you
  12. Fire
  13. Noise

Gesamtspielzeit: 52:34 min.

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