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Graham Coxon - A+E

Graham Coxon - A+E

Parlophone / EMI
VÖ: 30.03.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

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Nix wie weg

Eins zu null für Graham Coxon. Hat er seinem Blur-Kollegen doch ein Schnippchen geschlagen: "A+E" erscheint rund einen Monat vor der ersten Platte von Damon Albarn unter eigenem Namen. Auf acht zu eins wollen wir an dieser Stelle einmal nicht bestehen, obwohl die erkleckliche Anzahl von Coxons Soloalben auch dieses Ergebnis rechtfertigen würde. Aber sowas macht ja nur der FC Barcelona mit Bayer Leverkusen. Naja, fast. Statt mit wiederholt heraufbeschworenen Gerüchten über ein Blur-Comeback auf Tonträger sollte man sich also lieber mit dem Schaffen des Gitarristen auseinandersetzen. Der spielte nämlich zuletzt mit "The spinning top" ein vorzügliches, psychedelisches Folk-Album ein und war weit entfernt vom "Bittersweet bundle of misery" mit der Lieblingsbeschäftigung "Freaking out".

Doch auch am Lagerfeuer wird es eben irgendwann langweilig. Also nichts wie ab in die Stadt, sich einige Drinks genehmigen und dann ordentlich die Sau rauslassen - selbst wenn am Ende die Notaufnahme vom Albumtitel steht. Zwar weiß man nicht genau, was der Brite in seiner Abendfreizeit so anstellt - auf "A+E" gibt er sich aber alle Mühe, eine derbe Party mit Lärm bis zum Anschlag, viel Hochprozentigem und wenig Hemmungen zumindest zu simulieren. Herzige Akustikballaden wie "In the morning" sind erst einmal vergessen, wenn Coxon sich mit Produzent Ben Hillier im Studio verrammelt. Gitarren schreddern, malträtierte Riffs jaulen, die schrottreife Drum Machine feuert präzise Dauersalven ab, der Bass lässt die Eingeweide rumoren. Gestatten: Punkrock!

Und da das Interesse der Zielgruppe solcher Musik an feinsinnigen Alleinstellungsmerkmalen traditionell gering ist, kann Coxon auf "A+E" alles scheißegal sein. Der grobe Opener "Advice" erinnert mit seiner Ascheimergitarre verteufelt an Blurs "Crazy beat", einen Song, der seinerzeit erst entstand, als man Coxon längst aus der Band gekickt hatte. Ihm doch schnuppe. Und außerdem ein schönes Revanchefoul, bevor er ungeniert den ultrastumpfen Rammler "City hall" raushaut und im nächsten Stück die Meute mit "What it'll take to make you people dance?" anmault. Recht hat er: Wer hier nicht (slam-)tanzt, ist eine Spaßbremse. Und dank New-Order-Brummelbass im krautig rotierenden Stampfer "Meet and drink and pollinate" kriegt man sogar die Mädels rum. Distinktionsgewinn gleich null. Moment - was für'n Ding? Kann man das trinken?

Da fällt es kaum ins Gewicht, dass ein gelegentlich reinstolperndes Saxophon schmerzfrei auf dem letzten Loch trötet und "Seven naked valleys" sich in einem zerrenden Krachfinale gleich selbst abmurkst. Schade, dass die meisten bei "Running for your life" bereits den polnischen Abgang gemacht haben, weil ihnen sonst die Rowdies mit den messerscharfen Gitarren auf den Fersen gewesen wären: "In a town where you're never going home / And the boys wanna cut you to the bone". Doch was soll's - viel verpasst haben sie bei den zwei eher gemäßigten Langweilern zum Schluss ohnehin nicht mehr. Zuvor aber war es ein rauher, spaßiger Abend - auch wenn dieser ausgestreckte Mittelfinger von einem Album gegen seinen Vorgänger musikalisch klar den Kürzeren zieht. Coxon wird's egal sein: Lieber Stilbruch als Schädelbruch.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Advice
  • Meet and drink and pollinate
  • Running for your life

Tracklist

  1. Advice
  2. City hall
  3. What it'll take
  4. Meet and drink and pollinate
  5. The truth
  6. Seven naked valleys
  7. Running for your life
  8. Bah singer
  9. Knife in the cast
  10. Ooh, yeh yeh

Gesamtspielzeit: 48:01 min.

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