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Cursive - I am Gemini

Cursive - I am Gemini

Saddle Creek / Cargo
VÖ: 24.02.2012

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

1 und 1 ist 1

Die Geschichte birgt ja prinzipiell schon mal viel Potenzial: Ein Zwillingspaar wird bei der Geburt getrennt, findet später wieder zusammen und erkennt erst in diesem Moment, dass sie mehr als zwei genetisch identische Wesen sind. Einer der beiden symbolisiert das Gute, während der andere das Böse in Reinform darstellt. Folglich gestaltet sich das Aufeinandertreffen als Clash der Polaritäten. Noch dazu in einem unheimlichen Haus, voller doppelter Böden und quietschender Falltüren. Ausgedacht hat sich diese irre Geschichte die amerikanische Indie-Band Cursive, die bereits in der Vergangenheit auffällig geworden ist: "Happy hollow" war schon ein Roman in Albumform, handelte von einem einsamen US-Dorf und den verrückten Dingen, die sich dort tagtäglich zutragen. Bei jeder neuen Veröffentlichung der Burschen um Tim Kasher sollte man also mit dem Wahnsinnigsten rechnen. Jetzt also ein Zwillingspaar und eine verhexte Bude, vereint in einer Story, die sich gemütlich zwischen David Lynch und Disney platziert.

Das Fundament des Plots bilden die 13 Songs des neuen Cursive-Albums. Jedes Stück treibt die Geschichte etwas voran, wirft ein anderes Licht auf Cassius und Pollock, die beiden Zwillinge. Auf Gut und Böse, also. Verpackt wurde die Story in grundsolidem Indierock, wie ihn Cursive nun seit sieben Alben spielen. Dynamisch, brutal, wahnwitzig und immer am Rande des Nervenzusammenbruchs agieren Tim Kasher und Co. ohne Rücksicht auf die eigene Person. Nervös brodeln die neuen Songs, doch nicht immer sind sie absolut zwingend. So übertreibt es das Quartett manches Mal zu sehr, wirkt dadurch zu exaltiert und gefangen in den eigenen Hirnwindungen. "I am Gemini" lässt in all seiner Hektik und Verschachtelung jedenfalls kaum Raum zum Atmen, einen klaren Gedanken können weder die Musiker, noch die Protagonisten fassen. Der Hörer schon gleich dreimal nicht.

Der versierte Opener "This house alive" startet zaghaft und leise, bäumt sich gen Schluss jedoch auf und endet mit einem instrumentalen Feuerwerk. Nach dem druckvollen Beginn wird es merklich verwirrender: Im zerstreuten "Warmer warmer" hinkt ein schiefes Piano durch die Anfangssequenz, der Song beginnt stoisch zu pulsieren, irgendwann schreit Kasher kurz, ehe das Piano vom Anfang wieder in die Szenerie stolpert und das Lied zum Schweigen bringt. Eine trügerische Stille. Dasselbe Spiel wiederholt sich bei späteren Songs und klar wird nur, dass hier nichts klar ist. Cursive gehen nicht immer den direkten Weg, verlaufen sich im eigens errichteten Irrgarten, haben aber sichtlich Spaß dabei. Der Faden der Ariadne ist definitiv was für Anfänger. Für ebensolche gibt es auf "I am Gemini" nicht viel zu lachen, wobei sie sicherlich mit der Catchyness von "The sun and moon" oder "Gemini" in Cursives verrücktes Schneckenhaus gelockt werden.

Zu viele verschlungene Pfade aber führen ins Nichts auf "I am Gemini". Hinzu kommt der konzeptionelle Überbau, der dem Ganzen ein zusätzliches Gewicht verleiht: Cursive fahren schwere Geschütze auf und machen es dem Hörer mit der ausgefeilten Verwirrtheit nicht gerade leicht. Und obwohl etwas weniger Kopflastigkeit der Platte zugute käme, ist "I am Gemini" ein anständiges, vielseitiges und gutes Album, welches mit jedem Hördurchgang neue Facetten offenbart. Gewährt man der Platte diesen Anlauf, darf man anschließend auch an den Honigtöpfen naschen. Auch wenn man schlussendlich vielleicht erkennen muss, dass der eigene böse Zwilling bereits dort war und ein bißchen Arsen beigegeben hat. Ein Happy End erwartet bei solchen Geschichten ja sowieso niemand.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • The sun and moon
  • Gemini
  • The cat and mouse

Tracklist

  1. This house alive
  2. Warmer warmer
  3. The sun and moon
  4. Drunken birds
  5. Lullaby for no name
  6. Double dead
  7. Gemini
  8. Twin dragon / Hello skeleton
  9. Wowowow
  10. This house a lie
  11. The cat and mouse
  12. A birthday bash
  13. Eulogy for no name

Gesamtspielzeit: 43:19 min.

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