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Fenster - Bones

Fenster - Bones

Morr / Indigo
VÖ: 02.03.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

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Ab in die Cloud

Nein, es geht nicht. Dabei sollte ein Verzicht gar nicht so schwierig sein. Man könnte zum Beispiel über den seltsamen Namen schreiben. Fenster kommt daher, dass sich die Sängerin ihren Schädel an einem solchen gestoßen hat. Aber der Aufhänger muss anders sein: So ziemlich jeder, der über Fenster schreibt, lässt irgendwann "The Xx" fallen. Und jetzt ist es also auch in diesem Text passiert. Denn die der Eigenbezeichnung nach "dekonstruierte Popmusik", die Jonathan Jarzyna und Exil-New-Yorkerin JJ Weihl in Berlin machen, ist durchaus mit dem Minimalismus der blassen Briten zu vergleichen. Doch wenn "Bones" gleich mit schrammelnden Folkgitarren loslegt, merkt man schnell, dass auch dieses Mal Vergleiche vor allem dazu da sind, um kräftig zu hinken.

Doch es ist nichts verkehrt daran, sich mit ein paar Querverweisen auf die Attitüde des transatlantischen Duos mit drei Leuten einzulassen. Um das unnötige Namedropping durch die Jahrzehnte zu treiben, sind nämlich auch Velvet Underground, Mazzy Star oder Animal Collective zu nennen. Und während sich The Xx als unwahrscheinliche Konsensband unterwegs in Richtung Club sind, entfalten Fenster ihren Zauber im Berliner Wohnzimmer. Sie brauchen dafür nicht viel: übersichtliches Instrumentarium aus schwebenden Gitarren, wackelnder Orgel und singenden Sägen hier, nebenan Geräuschfetzen aus raschelndem Metall, deutschen Reportagen und jenseitigen Verkehrsgeräuschen, und mittendrin der verhallte Gesang zweier Seelen, die sich nahestehen, aber unterschiedlicher kaum sein könnten. Sie huscht dahin wie ein bleicher Vamp, und es ist nicht nur seine Sehnsucht nach akzentfreiem Gesang, die ihn sehnsuchtsvoll resignieren lässt.

Das flotte Schrammeln, mit denen der zwiespältige Opener "Oh canyon" noch Vorwärtsdrang vortäuscht, bleibt natürlich die Ausnahme und taucht erst in "Spring break" wieder auf. Es sind doppelte Böden, denn weder lauert in "Oh canyon" die Prärie, noch ist "Spring break" der Partysong für rudelvögelnde Sonnenbank-StudentInnen. Die schnellen Songs sind ebenso zerbrechlich wie das düstere Pulsieren von "Blue to white", die laszive Rezitation "White to red" oder das abschließende Wimmern von "Gespenster". Man könnte das Gothic Country nennen, wenn es nicht so falsch wäre.

Die prächtigsten Momente dieses absichtlich unprächtigen, unfertigen, unbequemen Albums finden sich im Mittelteil. "The hunter" puzzelt sich mit zarten Obertönen eine kristalline Hülle für das gebrochene Herz und bricht zu Banjozittern dann gleich selbst entzwei. "Fisherman" könnte mit seinem elektrifizierten Groove sogar beinahe als Aufforderung zum Tanz missverstanden werden, aber hier leuchtet höchstens das fahle Mondlicht. All das versteht man nicht recht unter Pop, und doch steckt "Bones" voller trauriger, verzauberter und entrückter Melodien. In den Sechzigern hätte man das Psychedelik genannt, in den Neunzigern LoFi. Und in den Zehnern ist es eben Dekonstruktion. Pop mal anders.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • White to red
  • The hunter
  • Fisherman
  • Spring break

Tracklist

  1. Oh canyon
  2. Fantasy II
  3. White to red
  4. Blue to white
  5. Gravediggers
  6. The hunter
  7. Fisherman
  8. 2.7 X0 17
  9. Spring break
  10. Killer surf walker
  11. Golden boy
  12. Gespenster

Gesamtspielzeit: 43:16 min.

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