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John K. Samson - Provincial

John K. Samson - Provincial

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 27.01.2012

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Erdkunde mit Herz

In stürmischen Zeiten ist Kontinuität und Beständigkeit etwas Schönes. Dies gilt nicht nur für die private Lebensführung, sondern auch für die Musik. Und so macht auch Schlauberger John K. Samson auf Solopfaden da weiter, wo The Weakerthans 2007 mit "Reunion tour" aufgehört haben. Die anarcho-punkigen Wurzeln hört man schon längst nicht mehr, das Politische rückt zugunsten der eigenen Gefühlswelt in den Hintergrund. Mit glorreichen Metaphern wird Liebe beschrieben und Sehnsucht erklärt, wird Traurigkeit illustriert und Hoffnung skizziert. Wenn man gemein wäre - was wir ja eigentlich gar nicht sind - dann ließe sich "Provincial" prima als Kuschelrock für Menschen mit abgeschlossenem Hochschulstudium beschreiben. Was ja eigentlich gar nicht schlimm ist: Auch Magister brauchen Streicheleinheiten, Samson liefert sie auf seinem Solo-Debüt in zwölffacher Ausführung. Passt so weit.

Ähnlich wie sein befreundeter Kollege und Labelmate Thees Uhlmann macht Samson nun also einen Schritt zur Seite, die angestammte Hauptband kann warten. Logischerweise klingt "Provincial" persönlicher, intimer, wenn auch weniger spektakulär als die Weakerthans-Alben. Und doch weisen die überwiegend ruhigen Stücke einige bekannte Charakteristika auf, die das Herz eines jeden Anhängers von "Reconstruction site" höher schlagen lassen: So erinnert der akustische Beginn des schüchternen "Heart of the continent" an "One great city!", nur dass Samson hier ohne Zynismus und Abrissbirne auskommt. Vielmehr nimmt er den Hörer mit auf eine Erkundung, sowohl geografisch, als auch emotional. Im mondscheinschönen "Grace general" zeigt der ehemalige Propagandhi-Bassist seine melancholische Seite, die Violine im Hintergrund seufzt einsam und wird später durch Bläser ergänzt. Samson steht derweil alleine im Dunkeln, reflektiert über das Drama und stellt sich mehrmals die sehnende Frage: "What will I do now?" Kurz darauf ist der Song zu Ende, doch dieser Satz hallt nach.

Etwas flotter gerät das sinnig betitelte "When I write my Master's thesis", in dem Samson dann doch betont, dass die Straßen von "Grand Theft Auto San Andreas" mehr Vergnügen bereiten als das ewige Wälzen von Monographien. Prokrastination macht eben vor niemandem halt, das wäre ja noch schöner! Die besten Songs der Platte verstecken sich jedoch an wenig prominenter Stelle, kurz vor Schluss, bevor in Kanada die Sonne schon wieder untergeht: Da wäre das traurige "The last and", welches bezeichnenderweise ziemlich niederschmetternd endet: "At the last conjunction, after every other and / I was just your little ampersand." Das Tempo wird komplett herausgenommen, alles ist staatstragend und schlimm. Und irgendjemand hat irgendwas im Auge. In dem an Why? erinnernden Zweiminüter "Ipetitions.com/petition/rivertonrifle" fordert Samson hingegen die Aufnahme des ehemaligen kanadischen Eishockey-Spielers Reggie Leach in die Hockey Hall Of Fame und formuliert so wieder eine sympathisch-bekloppte Idee. Jetzt gilt es nur noch zu unterzeichnen: die Petition für Reggie und den Dankesbrief an John K. Samson. Für diese Erdkundestunde mit Herz.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Heart of the continent
  • Ipetitions.com/petition/rivertonrifle
  • The last and

Tracklist

  1. Highway 1 East
  2. Heart of the continent
  3. Cruise night
  4. Grace general
  5. When I write my Master's thesis
  6. Letter in Icelandic from the Ninette San
  7. Longitudinal centre
  8. Ipetitions.com/petition/rivertonrifle
  9. The last and
  10. Stop error
  11. Highway 1 West
  12. Taps reversed

Gesamtspielzeit: 37:19 min.

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