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I Heart Sharks - Summer

I Heart Sharks - Summer

AdP / Laserlaser / Rough Trade
VÖ: 28.10.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Neue Geschichte

Lärm muss Spaß machen. Laut sein. Weh tun. Das Pfeifen in den Ohren gehört nicht nur zum guten Ton, es ist dessen eigentliche Frequenz. Sobald nämlich Kopfschmerzen auftreten, wenn es scheppert, wummert und brummt, sind das Zeichen dafür, dass Du alt wirst. Igitt! Doch mit Anfang zwanzig hat die Welt Dir die Lautstärke noch nicht abtrainiert. Du nimmst Deine Unbedarftheit überall mit hin, weil die Party ruft. In den Club, ins Web, in irgendeinen Keller in Berlin. Und weil Du der Generation Touchscreen angehörst, drückt Dein Spieltrieb auf allem herum, was Du in die Finger bekommst. Wenn Du Glück hast, kommt sogar Musik dabei heraus. Herrlicher Lärm!

So oder eigentlich völlig anders war das ja auch bei I Heart Sharks. Drei Typen aus London, New York und dem bayerischen Nirgendwo, die sich in der deutschen Hauptstadt treffen und einfach mal machen: Electroclash, Nu Rave, Postpunk, House, Britpop, NDW, Synthpop, Indierock. Das ist Post-Eigentlichalles, weil diese Musik Spaß am billigen Bleep und am geilen Groove hat. I Heart Sharks glitzern digital, funkeln analog, und ihre Gitarren sind von der ganzen Elektronik ganz wuschig geworden. Mit keifenden Hymnen wie "Aerobics" verpassen die Wahl-Berliner ihrem Publikum jetzt schon seit drei Jahren butterweiche Gelenke und austrainierte Hüpfmuskulatur. Und weil es vom vielen Springen so warm wird, heißt ihr Album natürlich "Summer".

Schon auf der schicken "Wolves EP" fiel auf, dass I Heart Sharks nicht nur Übermut können. Weil deren fünf Songs auch hier mit dabei sind, legt auch das Debütalbum gleich gut los. "Animals" hält nämlich gleich nach dem ersten Scheppern inne, damit sich weiches Moll ausbreiten kann. Dass es bei "Monogamy" um Exklusivverträge für Körperflüssigkeiten geht, fällt zwischen abgehackten Ahs und Ohs und Sägezahnbässen erst mal nicht auf. Doch dann leuchtet die Discokugel: Der Synthesizer flirrt, die Gitarre macht den Helikopter, und alles wird zur trashigen Hochzeitshymne. Der Text ist sich nicht ganz einig, wie er das findet: "We're getting married today" vs. "Monogamy / Is monotony". Pop ist eben das mit den zwei Herzen in der Brust.

"Summer" hat ein Rezept: In der Strophe warten stoische Tanzbefehle, der Refrain geht feiern, und zwischendurch bricht allgemeine Hektik aus. Unter drei verschiedenen Grooves pro Song machen es I Heart Sharks nicht. Denn warum sollen sie sich auf eine gerade Linie beschränken, wenn ein Dutzend Zickzackstriche viel hübscher aussieht? Die Melodien haben trotzdem beschlossen, es sich hier ungemütlich zu machen. Sie lassen sich auch von den Kuhglocken und Zickenriffs von "Kino", dem flackernden "Wolves" oder dem oszillierenden Titelstück nicht mehr verscheuchen. In diesen hyperaktiven Ohrwürmern überschlägt sich Pierre Bees Stimme zwar mehr, als dass er singt. Aber er stellt wichtige Fragen: "Why must we kiss with the lights out?" Und beantwortet sie mit dem flackernden Stroboskop, das diese zwölf Songs ausleuchtet. "Lies", "NY BLN", "The world is yours" – alle knackig, alle gut. Und in der Single "Neuzeit" kommt Bees südbritische Hochnäsigkeit am besten: Biegsamer Drei-Akkorde-Pop steuert mit Ahaha und Zwitschersynths auf eine herrliche Sprachpanscherei zu. "Hurt duzz eest / Dee noi uh, geshish duh." ("Hört das ist / Die neue Geschichte.") Ein Engländer mit französischem Vornamen singt tatsächlich deutsch. Oder eben etwas Ähnliches. Und dann macht dieses aufreizende "Neuzeit" auch noch einen Heidenspaß. Genau wie das Album. Schampus mit Lachsfisch für alle.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Monogamy
  • Kino
  • Wolves
  • Neuzeit
  • Rien ne vas plus

Tracklist

  1. Animals
  2. Monogamy
  3. Kino
  4. Wolves
  5. Lies
  6. Neuzeit
  7. Summer
  8. Suburbia
  9. Rien ne vas plus
  10. Golden Gate
  11. NY BLN
  12. The world is yours

Gesamtspielzeit: 51:05 min.

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