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Lou Reed & Metallica - Lulu

Lou Reed & Metallica - Lulu

Mercury / Universal
VÖ: 28.10.2011

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Deine Stimme zählt

Eine Kunst für sich

Die Frage, was wohl herauskäme, wenn Lou Reed sich mit Metallica zusammentäte, um ein Album über ein Werk des Dramatikers Frank Wedekind aufzunehmen, wurde bis vor Kurzem noch nie gestellt. Was kaum verwundert. Denn das Szenario erschien noch vor wenigen Monaten ähnlich wahrscheinlich wie ein gemeinsamer Film von Michael Haneke und Roland Emmerich über die Jugendjahre Angela Merkels. Doch nun ist es passiert - und das Internet steht Kopf. Schon das vorab veröffentlichte "The view" sammelte auf YouTube binnen Stunden nach unten gereckte Daumen im fünfstelligen Bereich, und seit das fertige Album komplett gestreamt werden kann, wird das Netz von frustrierten, wütenden und auch amüsierten Kommentaren überschwemmt. Fast alle stammen von Metallica-Fans. Denn vor allem ihnen muss das Kind dieser ganz und gar ungewöhnlichen musikalischen Liebschaft einfach zu abstrus erscheinen. Trotzdem sollte man beiden Seiten zunächst einmal Respekt zollen.

Genauer gesagt Metallica dafür, dass sie sich in diesem Stadium ihrer Karriere als eine der erfolgreichsten Rockbands des Planeten, an etwas derart Avantgardistischem wie "Lulu" beteiligen. Auch dafür, dass sie durchaus einige inspirierte Riffs und Grooves in die von Reed entworfenen Songs hineinpacken. Dem 69-jährigen Veteranen hingegen, der sich seit dem Ende von The Velvet Underground als schwer greifbares Chamäleon durch den Musik-Untergrund schlängelt, darf man dafür auf die Schulter klopfen, dass er 87 Minuten lang die Rolle des wirr vor sich hin brabbelnden Straßenpredigers durchzieht. Dass er fast durchgehend Intonierung, Harmonien und Refrains verweigert und so den Kunst-Aspekt des Gesamtpakets betont. Aber wie der Internet-Tumult im Vorfeld zeigt, lässt sich über Kunst ja vortrefflich streiten. Ganz besonders über so abgedrehte wie diese.

Zugegeben: die Mixtur aus monotonem Geriffe, bizarrem Sprechgesang und zuweilen eingestreuten Shout-Parts von James Hetfield ist gewiss nicht darauf ausgelegt, sofort zu gefallen. Hinzu kommen noch Reeds Texte, die einen Kosmos zwischen amüsant, verstörend und pervers bekleiden. "I want so much to hurt you / Marry me / I want you as my wife", schlussfolgert er beispielsweise in "Frustration", das extrem anstrengende "Pumping blood" stellt hingegen die Frage aller Fragen: "If I waggle my ass like a dark prostitute / Would you think less of me?" Man könnte noch dutzende weitere, oft noch seltsamere Textzeilen anführen, um zu belegen, dass "Lulu" wirklich verdammt harte Kost ist.

Und doch kann es passieren, dass einen dieses Album auf dem falschen Fuß erwischt. Dass es einen einsaugt in seine düstere, verstörende Welt voller schiefer Töne, martialischer Riffs und körperlich beeinträchtigter Huren. So lächerlich manche Augenblicke bei Tageslicht betrachtet auch klingen mögen, beim nächsten Durchgang entfalten sie gleich eine ganz andere Wirkung. Der feiste Hardrock-Groove von "Iced honey" klingt plötzlich wütend, das verhuschte Feedback von "Little dog" entwickelt eine bedrohliche Ader. Und sogar das viel gescholtene "The view" weiß plötzlich zu gefallen. Zumindest bis zu dem Punkt, an dem Hetfield voller Inbrunst brüllend versichert, er sei ein Tisch. Und genau da liegt das Dilemma: Selten lagen Plus und Minus, Genialität und Peinlichkeit, Poesie und Dadaismus näher beieinander als auf "Lulu". Über dieses Kunstwerk dürfte in der Tat noch lange gestritten werden. Ebenso darüber, ob sich beide Parteien damit einen Gefallen getan haben. Wenigstens die eingangs gestellte Frage ist jetzt beantwortet - viel schlauer wird man dadurch jedoch nicht.

(Mark Read)

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Highlights

  • Iced honey

Tracklist

  • CD 1
    1. Brandenburg Gate
    2. The view
    3. Pumping blood
    4. Mistress dread
    5. Iced honey
    6. Cheat on me
  • CD 2
    1. Frustration
    2. Little dog
    3. Dragon
    4. Junior dad

Gesamtspielzeit: 87:04 min.

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