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Bloodgroup - Dry land

Bloodgroup - Dry land

AdP / Al!ve
VÖ: 19.08.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Tanzmusik im Bollerwagen

Ganze zwei Jahre hat es gedauert. Wenige Exemplare gelangten mittlerweile mit dem Ruderboot von Reykavík über den atlantischen Ozean bis nach Norwegen, mit der Pferdedroschke quer über das Festland und durch Schweden bis hinunter in den Süden. Weiter über die Öresundbrücke von Malmö nach Kopenhagen und von dort ohne Zwischenstopp bis nach Deutschland. Warum es - im Zeitalter von MySpace und digitalem Datenaustausch - so lange gedauert hat, bis die Kunde von Bloodgroups "Dry land" auch in unsere Breitengrade drang, weiß wahrscheinlich nur die Band selbst. Normalerweise ist ja jeder isländische Act ohne Umschweife mit einem dicken Ausrufezeichen und Vorschusslorbeeren fix in allen Ecken der Welt. Zumal "Dry land" 2009 bereits mit dem Kraumur Award, einem der wichtigsten einheimischen Musikpreise, ausgezeichnet wurde. Aber nun hat das Warten ein Ende, und Bloodgroup bescheren uns mit ihrer zweiten Studioplatte zwei astreine Pophits und neun weitere schrummelige Blubber-Elektro-Stücke zwischen atmosphärischem Minimal und hibbeligem Discosound.

Die beiden Hits holen die vier gleich zu Beginn raus und zeigen, wie Pop klingen kann, ohne dass man ihm gleich jeglicher Seele beraubt. Bloodgroup sind sich dabei nicht zu schade, den schweren Weg zu nehmen, und umschiffen damit galant das Risiko, auf der aktuellen Disco-Welle mitzureiten und unterwegs zu verenden. "My arms" und "This heart" sind zwar Achtziger-infizierter Elektro, wahren dabei aber immer Stil und Größe und werden nicht auf dem Altar des in den letzten Jahren erneut so prominent gewordenen Trash-Elektro-Pop geopfert. I Blame Coco lässt grüßen. "My arms" übernimmt hier den Part des Anheizers, der sich in ganzer Ruhe und stickiger Atmosphäre nach und nach steigert, ohne seine schwelgerische Melancholie vollends aufzugeben. Das fiebrige "This heart" hingegen erinnert an The Faints "Paranoiattack" und will nur eines: bis in die frühen Morgenstunden tanzen, tanzen, tanzen.

Dieser joviale Beginn von "Dry land" mag zunächst etwas in die Irre führen, denn Bloodgroup sind in der Folge wenig partytauglich. Mit bescheidenen Mitteln, aber trotzdem mitreißendem Output lassen die Isländer die Großraumdisco links liegen und kümmern sich um die Zeit nach der Party. Tanzen ist erstmal nicht mehr - stattdessen heißt es schwelgend, aber auch etwas wehmütig in der Ecke herumliegen und den Kater auskurieren. Die Beats tropfen, die Synthesizer legen behutsam ein weiches Tuch um die wunderschönen Vocals von Janus Rasmussen und Sunna Margret Thorisdottir, hier und dort mischen sich noch von Ólafur Arnalds arrangierte Streicher ins Soundbild. Dazu schrummelt und schrammelt es munter im Hintergrund, was den oft sowieso nicht ganz so einfachen Songs noch eine prächtige Kantigkeit verleiht.

Der Sound bleibt trotzdem immer weich und warm. Aggressive Beats finden sich auf "Dry land" bis auf wenige Ausnahmen kaum, und der feinfühlig becircende Gesang von Rasmussen und Thorisdottir trägt seinen Teil dazu bei. Wer sich nach stumpfem Elektro sehnt, ist bei Bloodgroup fehl am Platze. Hier gibt es nur intelligenten, aber trotzdem verschwitzten Art-Elektro, der trotz aller künstlerischen Hochnäsigkeit fast immer durch einen Touch Pop glänzt. Nur ganz selten verliert sich "Dry land" in sich selbst, doch auch zwei Jahre nach seinem ursprünglichen Release hat dieses Album nichts von seiner Intensität und seinem sirenenhaften Reiz verloren. Die elf Songs, an denen man sich so wunderbar berauschen kann, sind jeden Award dieser Welt wert. Nun ist nur noch Geduld und Warten angesagt: Der Mann mit dem Bollerwagen voll Platten für den freien Handel braucht noch etwas, bis er es aus Island bis zu uns geschafft hat. Aber es lohnt sich.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • My arms
  • This heart
  • Buried in sand

Tracklist

  1. My arms
  2. This heart
  3. Wars
  4. How do we know
  5. First to go
  6. Buried in sand
  7. Overload
  8. Pro choice
  9. Moonstone
  10. Battered
  11. Dry land

Gesamtspielzeit: 50:21 min.