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Dear Reader - Idealistic animals

Dear Reader - Idealistic animals

City Slang / Universal
VÖ: 02.09.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Der Klammer-Blues

Eine Trennung kann schon ein ziemliches Miststück sein. Schleichend und plötzlich, heimtückisch hintenrum oder volle Breitseite ins Gesicht - solange man sich selbst nicht trennen will, ist es so oder eine vertrackte Situation. Der gemeinsame Haushalt wird aufgeteilt, Fotos zerrissen, Briefe verbrannt. Freunde, die man eh nie mochte, schiebt man demjenigen zu, der sich getrennt hat, während man hofft, dass sich die Freunde, die man mochte, für einen selbst entscheiden. Am Samstagabend sucht man sich einen neuen Club, um bloß nicht den oder die Ex mit der neusten Errungenschaft zu treffen, am Sonntagmorgen einen neuen Flohmarkt, um sich nicht den Blicken derer stellen zu müssen, die einen überhaupt nur zu zweit kennen. Aus "Wie geht es Euch?" wird "Wie geht es Dir?", und das ist noch vergleichsweise harmlos.

Nun neigen Musiker merkwürdigerweise dazu, gleich ein ganzes Album über Trennungen aufzunehmen. Schon Marvin Gaye tat das auf erstaunlich ehrliche Weise mit dem grandiosen "Here, my dear", dessen Einnahmen vor allem an seine Ex-Frau gingen, und auch Noah And The Whale sorgten mit "The first days of spring" für vertonten Herzschmerz auf Trauerbasis. Cherilyn MacNeil, die Frau hinter dem südafrikanischen Projekt Dear Reader, hat gleich mehrere Trennungen hinter sich, seit ihr 2009er Debüt "Replace why with funny" unter Kennern für den einen oder anderen tiefen Atemzug sorgte. Da wäre das emotionale Loslassen unmöglicher Wünsche, alter Wertvorstellungen und des irreführenden Glaubens, dass sich auch ohne eigenes Zutun schon alles zum Guten wenden wird. Tiefer noch greift die persönliche Trennung, die zumindest große Auswirkungen auf Dear Reader hat: MacNeils (musikalischer) Partner Darryl Torr zog einen Schlussstrich unter die Zusammenarbeit und verweilt lieber in der südafrikanischen Heimat, um sich fortan allein aufs Produzieren zu verlegen. Folglich hat MacNeil das zweite Album "Idealistic animals" im Alleingang aufgenommen.

Und zumindest hier zeigt sich, dass trotz des Auseinandergehens nicht alles schlechter sein muss. Denn die 28-Jährige hat ihren Glauben wiedergefunden. Dieser habe ihr geholfen, zu akzeptieren, dass alles, was sein sollte, eben auch passiert und sie die Dinge dennoch in die eigene Hand nehmen kann. So reihen sich auf "Idealistic animals" elf Songs aneinander, die denen des Debüts kaum nachstehen. Auffallend ist, dass jedes Songtitel-Tier in Klammern einen zur Stimmung des jeweiligen Stücks passenden Zusatz enthält. Der Opener "FOX (Take your chances)" etwa versteckt die großen Gefühle hinter einer minimal gehaltenen Melodie, wobei MacNeil zunächst noch wie eine kühle Beobachterin wirkt. Muss sie aber gar nicht. Schon das stampfende "MONKEY (You can go home)" zeigt Zähne und sorgt mit der Fusion von Dschungelbeats, Klavierklängen und Streichern früh für einen netten Überraschungseffekt.

Auch "WHALE (Boohoo)" wirbelt gewaltig auf, die Harmonika erfüllt ihren Zweck und versetzt den Hörer irgendwo ans Wasser, wo sich MacNeil im Text als riesige Welle über New York legt. Noch nicht verrückt genug? Die Ballade "GIRAFFE (What's wrong with us)" ist trotz lauter Bläser einer der zartesten Songs des Albums, während man bei "ELEPHANT (Hearter)" das Gefühl kaum los wird, dass es sich um eine Zusammenarbeit mit Emilíana Torrini handelt. Doch MacNeil wäre dumm, wenn sie den Titel des Albums nicht allzu genau nehmen würde. Und so steht das merkwürdigste und streitbarste Tier einfach versteckt in der Mitte des Albums: "MAN (Idealistic animal)", ist dem Zerrbild des Menschen gleich ein düsteres, schweres Monster, das alles Leben um sich herum zu zertrampeln droht, auf dass kein anderes Leben neben seinem stehen soll. Ganz schön viel für ein zweites Album. Und doch mag man sich danach nun gar nicht mehr trennen. Zumindesst nicht von dieser komischen MacNeil.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • MONKEY (You can go home)
  • MOLE (Mole)
  • GIRAFFE (What's wrong with us)
  • MAN (Idealistic animals)

Tracklist

  1. FOX (Take your chances)
  2. MONKEY (You can go home)
  3. MOLE (Mole)
  4. EARTHWORM (All hail our ailing mother)
  5. GIRAFFE (What's wrong with us)
  6. MAN (Idealistic animals)
  7. CAMEL (Not black or white but camel)
  8. WHALE (Boohoo)
  9. BEAR (Young's done in)
  10. ELEPHANT (Hearter)
  11. KITE (Soon we'll light up)

Gesamtspielzeit: 39:32 min.

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