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Piebald - We are the only friends we have

Piebald - We are the only friends we have

Big Wheel / Defiance / Zomba
VÖ: 18.02.2002

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Grün und blau

Wer sich für sein Albumcover mit Hometrainer, Hanteln, Mülltonne, künstlichem Grafitti-Lagerfeuer, einer Packung Cracker, einem Kuscheltier mit Karnevalshut, einem Autorücksitz, einer flammenden Autotür und tonnenweise undefinierbarem Krimskrams ablichten läßt, kann so normal nicht sein. Wenigstens schließen Piebald damit schon auf den ersten Blick jedweden Zweifel aus, mit wem wir es hier zu tun haben: Mit vier vollkommen durchgeknallten Typen, die ihrem Bandnamen, der so viel bedeutet wie "bunt" oder "scheckig", alle Ehre machen und nichts - aber auch gar nichts - ernst nehmen. Sich selbst am allerwenigsten.

Der köstliche Opener bringt zumindest teilweise Klarheit ins scheckige Durcheinander des Albumcovers. "King of the road" ist als Nachruf dem verblichenen Tour-Van der Band gewidmet: "Can't believe I love something as yellow as you" gedenken Piebald ihrer geliebten Schrottkiste, bangen "Maybe we'll see you in a junkyard soon / Oh man, I really hope not" und schlagen in Gedanken drei Kreuze, wenn sie ihr ein langes Leben nach dem Tod im "auto heaven" wünschen. Damit wären die karierte Rückbank und die rostige gelbe Tür als Erinnerungsstücke hochoffiziell zum Heiligtum erklärt und alle verfügbaren Taschentücher durchnäßt, während sich der Hörer einen Schenkel wunder klopft als den anderen.

Und nachdem die vier Jungs aus Boston gemäß Albumtitel ohnehin keine Freunde mehr haben, können es sich mit keinen mehr verscherzen und sich hemmungslos über alles lustig machen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Über den fettleibigen Stubenhocker aus "Just a simple plan" beispielsweise, dessen geplatzten Gedärme sie eines schönen Tages über sein Bettlaken verteilt sehen. Über Stammgäste im Beauty-Salon. Und nicht zuletzt über Alex, der nach seiner Operation als Alex Van Halen auf die Menschheit losgelassen wird.

Doch auch mit scharfsinnigen Statements, die man am liebsten in jede Klotüre ritzen würde, gehen Piebalds auf ihrem dritten Album nicht gerade sparsam um. Die vier hätten Weisheit und Cracker schließlich umsonst mit Löffeln gefressen, wenn sie den klebrigen Brei nicht ordentlich durchgekaut an Hörer und Mitmenschen weitergeben würden. Dem Fensterputzer aus "American hearts" werfen sie ein überlegtes "History continues itself / And I did not create the rules" entgegen, ehe sie zu seinen Worten "Hey, you're part of it!" in wildes Gehüpfe ausbrechen. Man kann sich geradezu bildlich vorstellen, wie Produzent Paul Q. Kolderie (Radiohead, The Pixies, Hole) bei dieser Chaotentruppe um sein teures Studio besorgt gewesen sein mußte und schon mal sicherheitshalber Feuerwehr, Polizei und die Männer mit den weißen Mäntelchen vor die Tür bestellt haben könnte.

Man muß sie einfach in sein Herz schließen, diese vier albernen Gesellen, die scheinbar ganz aus Versehen schon mit den drei ersten Songs "King of the road", "Just a simple plan" und "American hearts" drei absolute Volltreffer landen, für die Weezer ihr kleines Grünes verworfen und ihr großes Blaues zumindest um ein paar Minütchen verlängert hätten. Und natürlich verklingt auch nicht der letzte Song, das sinnige "Sex sells and (unfortunately) I'm buying", ohne dem Hörer ein paar weise Zeilen mit auf den Weg zu geben: "I heard some rapper once say there's a message in everything / It's just like liquor stores, mailboxes and pay phones / Whenever you need them they are impossible to find." Und in einer ohnehin bedeutungslosen Welt wächst die Bedeutung einer knallgelben Autotür mit beknacktem Flammenmuster ins Unermeßliche. "Makes a good ending to the story."

(Armin Linder)

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Highlights

  • King of the road
  • American hearts

Tracklist

  1. King of the road
  2. Just a simple plan
  3. American hearts
  4. Long nights
  5. Fear and loathing in Cape Cod
  6. The monkey versus the robot
  7. Karate chops for everyone but us
  8. Rich people can breed
  9. It's going to get worse before it gets better
  10. The stalker
  11. Look, I just don't like you
  12. Sex sells and (unfortunately) I'm buying

Gesamtspielzeit: 44:03 min.

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  • Piebald (24 Beiträge / Letzter am 05.06.2013 - 05:01 Uhr)