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Dark Dark Dark - Wild go

Dark Dark Dark - Wild go

Melodic / Indigo
VÖ: 29.04.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Dreimal schwarzer Kater

"Invie" wird man in keinem französischen Wörterbuch finden. Nur im Personalausweis einer gewissen Nona Marie, ihres Zeichens Frontfrau beim amerikanischen Kammerfolk-Sextett Dark Dark Dark. Man muss allerdings kein promovierter Linguist sein, um zu entschlüsseln, welche Worte sich in diesem klangvollen Nachnamen vereinigen: envie (die Lust) und invité (eingeladen). Wären nicht unverzüglich zehn Euro für die Floskelkasse fällig, könnte man nun glatt behaupten, dass nomen hier tatsächlich omen ist - denn die zehn Lieder auf "Wild go" heißen den Hörer voller Hingabe willkommen, in ihrer Kathedrale aus Vaudeville, osteuropäischen Folkklängen, Chanson, Indie Gipsy Folk, New Orleans Jazz und Americana. Zusammengefasst lässt sich also in jedem Fall behaupten, dass Dark Dark Dark in der Tradition des New Weird America stehen.

Und so beginnt der Nachfolger ihres Debüts "The snow magic" auch mit einer beschwingten, von polterndem Schlagzeug angetriebenen Dissonanz, kommentiert von einem leicht angetrunkenen Balkan-Chor und einem Akkordeon, das im Laufe der folgenden 38 Minuten immer wieder außerordentlich präsent ist. Das Klavier klimpert herausfordernd, und Nona Marie singt in beinahe beschwörendem Tonfall "Lay your head down / Lay your head down" - wer könnte es wagen, diesem Wunsch nicht nachzukommen? Vorher aber noch einen schönen schweren Rotwein eingießen. Kein Getränk passt besser zu diesem Album. Das Cello legt in einem eindrucksvollen Solo seinen äußerst interessanten Standpunkt dar, es wird mit den Fingern geschnipst, und der Zauber ist sowieso schon längst aktiviert. Das hört man vor allem, wenn der Chor, der plötzlich viel größer und sakraler klingt, an Nona Maries Seite Licht ins traumverlorene Dunkel bringt.

Dass der nächste Song "Daydreaming" heißt, kann natürlich kein Zufall sein. Sachte federndes Jazz-Schlagzeug bildet ein zuverlässiges rhythmisches Fundament, ein ebenso gefasstes wie unheilvoll sinnierendes Piano zieht seine Kreise, und Nona Marie klagt leise "Oh, if you knew what it meant to me". So herzzerreißend wie das klingt, ist es aber nur fast, denn parallel zu ihrer beträchtlichen emotionalen Tiefe besitzen die Lieder der Dame und Herren aus Minneapolis nicht selten eine wunderbar entdramatisierende Schunkelkompatibilität - die jedoch nie trivialisierend wirkt. Auch stimmlich hält Madame Invie stets die sympathische Balance zwischen Chansonette und girl next door. Banjo-Spieler und Klarinettist Marshall LaCount klingt dafür, als würde er nur gelegentlich singen - aber auch ihm fehlt es keineswegs an Leidenschaft. In "Heavy heart" und "Right path" darf er dann auch ausnahmsweise mal die Lead-Vocals übernehmen.

Spannend ist an "Heavy heart" allerdings weniger der Gesang, sondern vor allem, wie das Banjo im dezenten Balkan-Modus nach nur einer halben Minute plötzlich in ein beinahe filmisch-bombastisches Szenario mit grollendem Bass, sich aufbäumender E-Gitarre und marschierenden Drums hineinstolpert. So klingt also majestätische Melancholie. Nona Marie im Hintergrund, aber nicht minder berührend, das Klavier treibend, die Frage berechtigt: Können die restlichen sieben Lieder halten, was die ersten drei versprechen? Ja, sie können - was insbesondere den süffigen Melodien und den cleveren Arrangements zu verdanken ist. "Celebrate" feiert die Faszination Folklore aufs Herrlichste, natürlich wieder mit dem omnipräsenten Heimwehkompressor, während "Robert" und "Say the word" sich im Schummerlicht der einmal sanft pianierten, einmal rustikal vorgetragenen Nostalgie widmen. Den krönenden Abschluss dieses herausragenden Albums beschert der Titeltrack "Wild go", mit schwebenden Chören, brokatschwer walzerndem Klavier und einer sehnsüchtig mäandrierenden Melodie. Und am Ende besteht kein Zweifel mehr daran, dass Dark Dark Dark Thomas-Bernhard-Fans sein müssen: In der Finsternis wird alles deutlich.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Daydreaming
  • Heavy heart
  • Celebrate
  • Robert
  • Wild go

Tracklist

  1. In your dreams
  2. Daydreaming
  3. Heavy heart
  4. Celebrate
  5. Nobody knows
  6. Something for myself
  7. Right path
  8. Robert
  9. Say the word
  10. Wild go

Gesamtspielzeit: 38:27 min.

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