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Thurston Moore - Demolished thoughts

Thurston Moore - Demolished thoughts

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 20.05.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Monochrom

Der Zug fährt ein. Zu Gast in Köln. Durch den Bahnhof geschlendert. Die zwei Domspitzen in den Blick genommen. Treppe hoch. Links herum am altehrwürdigen Bauwerk vorbei. Menschenmassen geschickt umgangen. Die Augen richten sich auf ein Museum. Eintritt bezahlt. Tradition und Moderne kritisch beäugt. Stehen geblieben vor einem Sog in reinem und doch fremdem Blau. Yves Kleins "Monochrom Blau". Kleingeister bezeichnen es als langweilig, im schlimmsten Fall behaupten sie, dass sie selbst zu dieser Glanztat fähig wären. Aber egal. Nach kurzem Umherirren zurückgekehrt und sich fortführend beeindrucken lassen.

Der Prozess der Begutachtung von "Demolished thoughts" fordert seinen Hörern einen ähnlichen Entscheidungsprozess ab wie der zu Yves Kleins konsequenter Einfarbigkeit. Umdrehen, abdrehen, gehen oder vertiefen, versinken, ertrinken. Wer eine reine simpel-mathematische Rechnung am Objekt "Demolished thoughts" durchführt, wird Ähnlichkeiten, Überschneidungen und einen unbeirrbaren Minimalismus in hohen Dosen vorfinden und möglicherweise daraus den Schluss ziehen, dass der Vorsteher der New Yorker Institution Sonic Youth an Einfallslosigkeit erkrankt sein mag. Das von Beck produzierte "Demolished thoughts" ist aber alles andere als ein Monstrum in Stagnation, sondern nur eine rhythmisch komplexe, aber gleichzeitig hochmelodiöse Herausforderung an seine Hörer.

Die Suggestion der vermeintlichen Eintönigkeit liegt in erster Linie an Moores akustischem Gitarrenspiel, das sich gerade in den letzten Jahren, trotz feststehender Reife und Erfahrung, weiterentwickelt und hin zu freieren Strukturen perfektioniert hat. Das Interesse an der einschneidenden Tiefenwirkung durch eine minimale Veränderung in einem weitflächigen Feld an einheitlichen Rhythmen und immergleichen Melodienlinien wurde zwar schon auf seinem letzten Soloalbum "Trees outside the academy" in den Fokus gehoben, nun aber wurden jegliche Störgeräusche und allzu offensichtliche Sonic-Youth-Referenzen hinter dieser Grundhaltung angestellt. "Demolished toughts" ist "Demolished thouhts" ist "Demolished thoughts".

Die Gitarre stolpert los, wandert auf dem schmalen Grat zwischen Harmonie und Disharmonie. Töne kreischen hell, durchschreiten tiefe Täler. Das auf dem gesamten Album brillierende Cello von Moores langjähriger Alliierten Samara Lubelski stimmt mit ein in diesen leidenschaftlichen Kraftakt, der ohne Verstärkung nahe einem bissigen Noise ist. Beide im Einklang schaffen ein Szenario, das zerspringende Gläser herbeiassoziiert. Aus der Verwirrung entsteht ein eingängiges, indisch anklingendes Mantra. Moores Gesang ist mystisch, brüchig, nebelverhangen, weit entfernt von jeglicher schleimig-blubbernden Esoterik. Weiter im Hintergrund vereinnahmt der windschief sägende Rhyhtmus, der sich für Sekundenbruchteile in Wohlgefallen auflöst, um dann wieder seiner Spur hinterherzueilen - "Mina Loy", ein psychedelisches Meisterstück, steht wie kein zweiter Track für die liebliche und ebenso schroffe wie fordernde Essenz von "Demolished thougts". Ein Album, das mit Geduld, Sinn und Reflexion zu dekodieren und offenzulegen sein wird, ohne sich damit selbst die Faszination zu nehmen. Hinter einem tiefblauen, monochromatischen Mantel ein weitflächiges Kaleidoskop.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Benediction
  • Blood never lies
  • Mina Loy
  • January

Tracklist

  1. Benediction
  2. Illuminine
  3. Circulation
  4. Blood never lies
  5. Orchard street
  6. In silver rain with a paper key
  7. Mina Loy
  8. Space
  9. January

Gesamtspielzeit: 47:46 min.

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