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Dels - GOB

Dels - GOB

Big Dada / Rough Trade
VÖ: 29.04.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Deine Stimme zählt

Die Welt von heute

London ruft. Hört nur niemand. Alle Leitungen belegt. Die englische Hauptstadt ist längst nicht mehr Mittelpunkt der englischen Szene um Grime und Rap. Zwar sitzt mit Big Dada immer noch die Instanz in Sachen schräger Beats dort, doch zahlreiche EmCees aus dem ganzen Land laufen ihren Kollegen aus der britischen Weltmetropole den Rang ab. Und landen dann bei Big Dada. So wie Dels aus Ipswich. Der bastelte seit einiger Zeit an seinem Debüt "GOB", und schon der Vorbote "Shapeshift" sorgte letztes Jahr für gespitzte Ohren. Bei der Nummer baute Joe Goddard von Hot Chip den Unterbau und bombt da mal eben einen dicken Bass und allerlei Zeug aus den Zwischenräumen der Tastatur rein. Ein paar Zeilen gibt Goddard auch gleich noch zum Besten. Kieren Dickins, der sich hinter Dels verbirgt, flowt nicht ab, sondern speist Zeile für Zeile auf den Beat. Überhaupt ließ die Sache vermuten, dass der Rapper mal eben alle Schalter aus der Leiste knallen könnte. Nun rollen die vierzig Minuten von "GOB" an, und es surrt, wummt und ächzt an allen Ecken und Enden.

Besonders bei der Produktion hat Dels den richtigen Leuten vertraut. Wo besonders amerikanische Kollegen zur musikalischen Promiskuität neigen und ihre Knöpfchendreher schneller wechseln als ihre Schweißbänder, bietet "Gob" gerade einmal drei Leute auf. Dabei remixte sich schon etwa Dave Sitek durch einen Track von Dels. Neben Joe Goddard fummelten nur noch Michachu und Kwes an den Tracks rum. Dabei kam ein Sound zustande, der Grime noch durch die Takte bläst, aber sich längst von Konventionen verabschiedet hat. "Melting Patterns" hobelt sich weit hinten die Finger stumpf, entlässt nur eine rudimentäre Melodie durch den Rhythmus. Der Druck ist da genau dosiert. Roots Manuva, der neben Dels als Einziger noch Rhymes auf "GOB" drücken darf, eröffnet dann "Capsize" zusammen mit ein paar Fanfaren aus der Konserve, bevor Goddard den Beat entlässt. Die Hook nimmt er auch gleich selbst in die Hand, während Dels und Manuva den pumpenden Rhythmus bändigen mit ihren kantigen Flows. Stetig zieht die Nummer stoischer an und zieht in diesen düsteren Kern, der in "GOB" schlummert. "Where is the heart and soul? / We need to come together." Was sich zuvor nur in surrealen Lyrics niederschlug, wandelt sich in die Realität, in die bittere Welt mit Problemen wie sexueller Gewalt und Obdachlosigkeit.

Der Himmel, der auf "GOB" lastet, sackt in diesen Minuten ein ganzes Stück nach unten. Erst der Titeltrack hebelt die Depression aus. "I won't get swallowed by the GOB, swallowed by the darkness, swallowed by the fog." Die Nummer steigert sich zur Rhyme-Katharsis, die ihr Mantra stetig vor dem mechanischen Chor und den Schlägen der Drums erinnern muss. Die letzte Schale ist gesprengt. Alle Stränge gehören auf "GOB" zusammen. Der tanzbare Beat von "Hydronenburg" schlüsselt sich erst im weiteren Verlauf auf. Muster verschieben sich und bieten Lücken, zwischen die sich verschiedene Teile mischen. Dels geht in seinem Sound auf. Das Surreale kann nur aus der Wirklichkeit heraus entstehen und eben auf jene wieder wirken. Nie franst "GOB" in Zerrissenheit aus, sondern folgt der Spur der sauberen Produktion. Dass Dels dabei Grime durchkreuzt, ist fast nur eine Randnotiz, denn hinter der Platte verbirgt sich weit mehr als Genickbrecher wie "Shapeshift" und "Trumpalump". Ein unglaublich abgeklärtes Debüt von einem jungen Künstler, der genau um seine Stärken weiß.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Shapeshift
  • Capsize (feat. Joe Goddard & Roots Manuva)
  • GOB

Tracklist

  1. Hydronenburg
  2. Trumpalump (feat. Joe Goddard)
  3. Shapeshift
  4. Moonshining
  5. Eating clouds
  6. Melting patterns
  7. Capsize (feat. Joe Goddard & Roots Manuva)
  8. Violina / Bread before bed
  9. DLR (feat. Elan Tamara)
  10. Droogs
  11. GOB

Gesamtspielzeit: 38:56 min.

Threads im Plattentests.de-Forum

  • DELS - GOB (21 Beiträge / Letzter am 10.05.2011 - 13:56 Uhr)