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Glacier (Of Maine) - Above and beside me

Glacier (Of Maine) - Above and beside me

Richard Arthur McPhail
VÖ: 25.03.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Deine Stimme zählt

Epic Phail

Nein, Rick McPhail hat keinen Vogel. Auf dem Cover von "Above and beside me" ist er nebst ebendiesem nicht einmal selbst zu sehen. Dafür macht der Exil-Amerikaner aber viele andere tolle Sachen: Er spielt Gitarre bei Tocotronic, verkauft auf seiner Website Pinguin-Eiskratzer und schickt jedem Interessenten gegen ein paar nette Worte und eine E-Mail-Adresse - also umsonst - einen Link zum Download seines neuen Albums. Zwar ist dieses nun doch auch in physikalischer Form erhältlich, erscheint aber "under exclusive license to no one". Selbst ist nun einmal der Mann, den alle rauchen sehen wollen. Auch wenn seine Band Glacier (neuerdings mit Klammerzusatz, der auf McPhails Heimat verweist) inzwischen zum Sextett angewachsen ist.

"Above and beside me" tut diese personelle Aufstockung gut. Die Synthesizer, die auf dem Vorgänger einen Großteil der fröstelnden Atmosphäre ausmachten und "A sunny place for shady people" in die Nähe gepflegter Post-Punk-Schwermut rückten, mussten Piano, Mellotron oder Wurlitzer weichen. Der Sound ist größer, die Arrangements komplexer. McPhail stellt dabei einmal mehr unter Beweis, dass er bei Tocotronic schon lange ein Wörtchen in Sachen Songwriting und epische Melancholie mitzureden hat. Trotzdem steckt hinter alledem nach wie vor mehr lakonischer Humor, als es zunächst den Anschein hat. Angefangen beim knuffigen Eisbären im Logo bis hin zur Zeile "I'm young and creative / I lied when I told you the truth."

Doch so sehr McPhail sein Licht scheinbar unter den Scheffel stellt, wenn er Dinge wie "I'm not prepared to take the lead / Already shown I can't compete" singt, erstrahlt es direkt zu Beginn umso heller. Der Opener "Third place" bewegt sich im Spannungsfeld von eigener Unzulänglichkeit und musikalischer Brillanz und wartet gleich zu Anfang mit einem eindrucksvollen Piano auf. In der Folge steigert sich der Song zu einem Drama im Kammerspielformat und verglüht schließlich in respektablem Tempo zu spitzen, die Wolkendecke aufreißenden Gitarrenriffs und McPhails sonorer Stimme.

"The code" bestimmt ein Fluss aus glasklarem Schlagzeugspiel und dezenter Rhythmusgitarre, während das halbakustische "Athens to roam" eingefahrene Verhaltensmuster mit cleveren Wortspielen hinterfragt. Die Antwort kommt prompt: "Flanders revisited" ist der erste Glacier-Song, den McPhail nicht alleine, sondern zusammen mit Gitarrist Sven Janetzko geschrieben hat. Aber auch der vermag trotz Komplexität und fast sieben Minuten Spielzeit die intime Grundstimmung dieses hinreißend warmherzigen Albums ebensowenig zu sprengen wie der Shoegaze von "The practice". Nur eine Frage bleibt: Warum ermutigt der Mann notleidende Journalisten, nach der Besprechung ihre Promo-CD zu verhökern? Das könnte ihm nämlich so passen. Zum Glück wissen wir ja jetzt, dass er keinen Vogel hat.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Third place
  • The code
  • Athens to roam

Tracklist

  1. Third place
  2. The code
  3. Remote
  4. Athens to roam
  5. The practice
  6. Distance = time
  7. Flanders revisited
  8. King and country
  9. Wakes

Gesamtspielzeit: 39:38 min.