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Ghostpoet - Peanut butter blues & melancholy jam

Ghostpoet - Peanut butter blues & melancholy jam

Brownswood / Rough Trade
VÖ: 25.02.2011

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Einen Gang runter

Elton John nannte das ja mal "Circle of life": Man hat keine Möglichkeit sich dem Lebenszyklus zu entziehen, die Erde dreht sich auch nach dem Exitus unaufhörlich weiter. Altes Leben vergeht, neues Leben entsteht. Diese Regel gilt natürlich auch für das Musik-Business. Erst kürzlich äscherte Großbritanniens Vorzeige-Rapper Mike Skinner The Streets ein, ging in Altersteilzeit und wird sich künftig die Mikros von unten anschauen. Oder so. Jedenfalls steht sein potenzieller Thronfolger schon bereit: Ghostpoet ist ein äußerst charismatischer Wortjongleur, der mit seinem astreinen Debüt "Peanut butter blues & melancholy jam" dem UK-HipHop frischen Aufwind verpasst. Ursprünglich aus dem eher öden Coventry stammend, siedelte der 24-Jährige nach London über, wie es in Großbritannien eben Usus ist, wenn man ganz nach oben möchte und nicht zufälligerweise Fußballprofi bei ManU oder den Citizens ist.

Ghostpoet umschifft auf dem Dutzend Songs glücklicherweise die dümmlichen 08/15-Rap-Klischees und generiert eine ureigene Soundästhetik, die hier mal dem feschen Hipster-Genre Dubstep huldigt, dort dann Pop-Beats abfrühstückt und auch ansonsten gerne zwischen den Stühlen Platz nimmt. Grenzenlose Freiheit wird hier zum Selbstzweck: Sowohl in textlicher als auch in kompositorischer Hinsicht scheint sich Ghostpoet mit den großen Innovatoren der Pop-Neuzeit auseinandergesetzt zu haben. Gonjasufi und sein murmelnder Nebelschwadensumpf dürften ebenso Einfluss auf den britischen Rapper gehabt haben wie der junge Post-Genre-Architekt James Blake. Freilich sind derlei Elemente nur in homöopathischen Dosen wahrzunehmen, schließlich ist "Peanut butter blues & melancholy jam" kein Copy-Shop. Das Amalgam aus HipHop, Electro, Indie, Dub und einer Schultüte voller Experimentierfreude ist jedenfalls reichlich spannend, selbst wenn es vielleicht etwas Zeit benötigt: Die zwölf Tracks halten den Hörer an der langen Zündschnur. Doch schließlich knallt es.

Eine wichtige Grundfähigkeit eines jeden Rappers sollte eine gewisse Variabilität sein. Andernfalls verheddern sich die besten Beats und Rhymes im Spinnennetz der Redundanz. Gottlob fährt Ghostpoet nicht nur im sechsten Gang durch die Straßen Londons: Mit Argusaugen saugt er die Geschichten auf, die sich im urbanen Großbritannien des dritten Jahrtausends abspielen - insbesondere natürlich nach Einbruch der Dämmerung: "Longing for the night" ist ein relaxter Schleicher, der die Vorfreude auf nächtliche Aktivitäten - nicht: schlafen - mit einem bübischen Grinsen thematisiert. Höchst ekstatisch gerät vor allem die zweite Albumhälfte, die einen hitzig-coolen Bombentrack nach dem anderen ausspuckt. Die Balance zwischen aufreibenden Uptempo-Nummern und ruhigeren Downern stimmt auf "Peanut butter blues & melancholy jam" und sorgt demnach für eine innere Ausgewogenheit, die vielen Rap-Alben abgeht. Mit dem Tripel aus "Cash & carry me home", "Garden path" und "Liiines" gelingt dem Briten dazu der lässigste Abgang seit langem. Mutig, die drei besten Songs ans Ende zu stellen. Nun ja, vermutlich tickt Ghostpoet einfach nur anders. Und bringt damit etwas Bewegung ins starre Korsett, das sich Leben nennt.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Survive it
  • Cash & carry me home
  • Garden path
  • Liiines

Tracklist

  1. One twos
  2. Run run run
  3. Us against whatever ever
  4. Finished I ain't
  5. Longing for the night
  6. Yeah pause
  7. I just don't know
  8. Survive it
  9. Gaaasp
  10. Cash & carry me home
  11. Garden path
  12. Liiines

Gesamtspielzeit: 41:17 min.

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