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Moddi - Floriography

Moddi - Floriography

Propeller / Soulfood
VÖ: 28.01.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

The Moddi Blues

Eines kann man den frisch gebackenen Pop-Pensionären von A-Ha nun wirklich nicht vorwerfen: Dass sie ihr Vermögen in Rentnerquatsch oder süße Sinnlosigkeiten investieren würden. Denn die Norweger haben sich für eine ebenso zukunftsträchtige wie lobenswerte Geldanlage entschieden - sie vergeben hochdotierte Stipendien an talentierte Landsleute. Mit anderen Worten: 125.000 Euro für den guten Zweck. Pro Künstler, wohlgemerkt. Diese hübsche Summe floss auch auf das Konto des 24-jährigen Pål Moddi Knutsen von der im hohen Norden gelegenen Insel Senja. Ein Ort, an dem man aus gutem Grund Norwegerpulli trägt. Dort ist die Kälte eisiger und die Nacht dunkler als anderswo. Und in genau diesen Nächten, in denen man seine eigene kalte Hand nicht vor Augen sieht, entstanden die Songs auf Moddis Debütalbum "Floriography".

Schon Anfang 2010 wurde das Werk in Norwegen veröffentlicht, noch vor dem unverhofften Geldsegen. Eine Zusammenarbeit mit Produzent Valgeir Sigurðsson (Björk, Bonnie 'Prince' Billy, Ane Brun) konnte Moddi sich allerdings auch damals schon leisten, wobei man fast wetten möchte, dass Sigurðsson mit so einem Naturtalent auch ohne finanzielle Gegenleistung gemeinsame Sache gemacht hätte. Moddi zuzuhören ist stets ein Ereignis - ob nun aus der heimischen Stereoanlage, als Bühnenspektakel, wie vor ein paar Monaten im Vorprogramm von Angus & Julia Stone, oder aber in Sigurðssons Studio in Reykjavik. Zu jedem faszinierenden Künstler gehört natürlich auch eine Legende, und die geht in diesem Fall so: Moddi fand mit 18 im Keller das alte Akkordeon seiner Mutter und gab nur zwei Wochen später sein erstes Konzert. Kurz darauf nahm er ein Demo auf, von dem nur 20 Kopien existierten, das ihm aber trotzdem den Weg ins Radio und auf Festival-Line-ups ebnete.

Obwohl zunächst alles sehr schnell ging, dauerte es dann doch ein halbes Jahrzehnt, bis Moddis Debütalbum fertig war. Nur neun Stücke sind es geworden, die sich allerdings Zeit für 14 nehmen. Der Opener "Rubbles" beginnt mit mysteriösen Geräuschen, aus dem Nichts erscheint ein Cello, danach besagtes Akkordeon; man hört seine Knöpfe und Tasten, das Luftpumpen, alles noch ganz schüchtern und sachte. Und dann wird der Klang von einer Sekunde auf die andere merklich voller, die skandinavische Schwermut hörbar, die Melancholie spürbar, der emotionale Ausbruch unaufhaltbar. Eben noch wirkte Moddi wie eine Mischung aus Damien Rice und Teitur, jetzt klingt er, zumindest ein paar Takte lang, wie ein brechender Damm inmitten eines Jahrhundert-Unwetters. Nur um sich dann in Obhut eines wasserdichten Cellos wieder zu beruhigen und gefasst "Kiss me farewell / And give me peace" zu bitten.

Nein, ein fröhliches Album ist "Floriography" wahrlich nicht. Es ist eher das genaue Gegenteil - aber in seinen traurigschönsten und berührendsten Nuancen. "Magpie eggs" bringt mit Akustikgitarre, Klavier und Streichern schon wieder Damien Rice ins Gedankenspiel, "Ardennes" betört mit federnder Percussion und einer weiteren herzzerreißend intonierten Melodie und "A sense of grey" kann, von Violinen getragen, gut auf einen Refrain verzichten. Alles klingt hier behutsam entschleunigt und schwelgend gefühlsecht - nur "Smoke" fällt mit einem beinahe beschwingten Cello-Motiv, das sich mit Kontrabass, Mandoline und Piano in bester Gesellschaft befindet, etwas aus der Reihe. Das wunderbar wortreiche "Poetry" braucht kaum mehr als ein Akkordeon als Begleitung, im beinahe schon opulent ausufernden "7!" wird endlich die Sieben-Minuten-Marke überschritten, und abschließend gibt es sogar noch eine Nummer auf Norwegisch. Schon Moddis Gönner A-Ha wussten: "Dark is the night for all." Aber ihr so schöne Lieder zu entlocken, wie es auf "Floriography" gelingt - das können nur ganz wenige.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Rubbles
  • A sense of grey
  • Smoke
  • 7!

Tracklist

  1. Rubbles
  2. Magpie eggs
  3. Ardennes
  4. A sense of grey
  5. Smoke
  6. Poetry
  7. Stuck in the waltz
  8. 7!
  9. Krokstav-emne

Gesamtspielzeit: 48:13 min.

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