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Lykke Li - Wounded rhymes

Lykke Li - Wounded rhymes

Warner
VÖ: 04.03.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Raureif

Im Jargon der Musik-Journaille ist der häufig verwendete Begriff des "gereiften" Künstlers ohne Zweifel ein Euphemismus für Abnutzungserscheinungen, Relevanzverlust und Kreativitätslosigkeit. All diese Urteile treffen auf Lykke Li und ihre zweite Veröffentlichung "Wounded rhymes" nicht zu: Trotz des entwickelten, umsichtigen Sounds ist die junge Schwedin ein sprudelnder Quell feiner Pop-Skizzen, die mit perkussiver Wucht und dem stets entrückten Gesang ihre Alleinstellungsmerkmale längst gefunden haben. Ihr wundervolles Debüt-Spektakel "Youth novels" zeichnete mit rabenschwarzer Tusche sensible Bilder von Lust, Liebe und Einsamkeit, "Wounded rhymes" setzt diesen Gedanken fort: Intime Betrachtungen und laszive Stücke wechseln sich ab, reichen sich die Hand, verzaubern und berauschen.

Li war in den letzten drei Jahren umtriebig, sammelte jede Menge Live-Erfahrung und kollaborierte mit so unterschiedlichen Künstlern wie Röyksopp, Drake oder Amanda Blank, wobei sie sich als weitsichtige Künstlerin mit Chuzpe, Selbstironie und abseitigem Sex-Appeal profilierte. So richtig niedlich war Li noch nie, doch mit "Wounded rhymes", diesem fragilen Album zwischen Selbstaufgabe und Selbstbewusstsein, ist sie zu einer Frau geworden, die geflissentlich mit ihrem Image kokettiert, wie der Text der Vorab-Single "Get some" beweist: "Don't pull your pants, before I get down / Don't turn away, this is my time / Like a shotgun needs an outcome / I'm your prostitute, you gon' get some".

Im Opener lässt Li eine Orgel erklingen, schlägt semantisch eine Brücke zu "Youth novels" und spielt dann mit sich selbst Ringel-Ringel-Reihe, während der Song eifrig weiter stampft. Das leicht abgedunkelte "I follow rivers" ist tanzbar, beschwörend und beweist ein weiteres Mal, dass Li Lykke Timotej Zachrisson - so ihr bürgerlicher Name - ein Händchen für fantastische Singles hat, die ohne übermäßigen Krimskrams auskommen und daher geerdeter wirken als die Stücke vieler Genre-Kolleginnen. Wie bereits auf dem Erstlingswerk regieren auch auf "Wounded rhymes" die stillen, heimlichen Momente: Das sehnsuchtsvolle "Love out of lust" ist eine entrückte Fast-Ballade, die man in ihrer Zerbrechlichkeit immer wieder hören möchte, um hinter das Geheimnis zu kommen.

"Unrequited love" versteht sich als schüchterner Walzer, der seine seidene Aura nur sehr zaghaft entfaltet, bevor mit dem bereits angesprochenen "Get some" nervöses Zittern und Tanzbarkeit das Zepter übernehmen. In der zweiten Albumhälfte verliert Li etwas den roten Faden, schwimmt mit ihrem kleinen Boot in deutlich unaufgeregteren Gewässern und unterstreicht damit in gewisser Weise ihre Entwicklung. Auch wenn sie mit den neuen elf Stücken nicht die schlichte und pure Eleganz des Vorgängers erreicht, überzeugt Li mit ihrem zweiten Album: Diese junge Frau hat ein feines Gespür für die Bedürfnisse eines Songs. Und mit dem traumhaften "I know places", welches mit Akustikgitarre und viel Hall auf der Stimme vorgetragen wird, macht Li zum Ende hin ein weiteres zuckersüßes Versprechen, dem man sich gerne hingibt. Solange sie solche Blüten treibt, öffnen wir gerne unsere Hände. Und lassen sie weiter reifen. Wie einen guten Wein.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • I follow rivers
  • Love out of lust
  • I know places

Tracklist

  1. Youth knows no pain
  2. I follow rivers
  3. Love out of lust
  4. Unrequited love
  5. Get some
  6. Rich kid blues
  7. Sadness is a blessing
  8. I know places
  9. Ladies love
  10. Jerome
  11. Silent my song

Gesamtspielzeit: 41:00 min.

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