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Erland And The Carnival - Nightingale

Erland And The Carnival - Nightingale

Full Time Hobby / PIAS / Rough Trade
VÖ: 11.03.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Die Keingeistigen

Nüchternes Faktum: Erland And The Carnival setzen sich gerne Schafsbockmasken auf. Gut gemeinter Ratschlag: Anlässlich "Nightingale" sollte sich die Band besser anders verkleiden. Nein, nicht als kleines Vögelchen. Eher als Gespenst. Das Cover zeigt nämlich nicht etwa ein Mädel, das ausgelassen durch ein mit Postern vollgepflastertes Kinderzimmer hüpft, sondern eine - wenngleich in puncto Wahrheitsgehalt höchst umstrittene - Poltergeist-Heimsuchung, die Ende der siebziger Jahre Großbritannien in Atem hielt. Gitarrist Simon Tong läuft es beim Anblick des Fotos heute noch kalt den Rücken runter. Perfektes Artwork für die unbehaglichen Lieder von "Nightingale" - ein Album, das mehr als bloß schrummelig-folkigen Britpop mit kleinen Zugeständnissen ans 21. Jahrhundert enthält.

Zwar beziehen sich Erland And The Carnival wie beim selbstbetitelten Debüt auf musikalische Altvordere wie Jackson C. Frank, führen inzwischen aber auch brodelnde Keyboards und Hofknickse in Richtung etwas entlegenerer Gebiete in ihre Musik ein. "So tired in the morning" lässt verkrustete Synthies unter einem Stakkato-seligen Indie-Hopser hervorlugen, und wo im zurückgelehnt schaukelnden "Map of an Englishman" früher eine Bläsersektion hätte herhalten müssen, sorgt nun ein elektronisch unterfütterter Chor für den Singalong-Faktor. Dazu zitieren die Breaks von "This night" immer wieder vorwitzig die Leadgitarre aus Televisions "Marquee moon".

Und wenn der Mond voll ist, hat Erland Cooper womöglich auch Durst - man würde es ihm jedenfalls nicht verübeln bei all dem Unrat, den der alte Widersacher - die Liebe - dem Sänger hier wieder unterjubelt. "The saddest thing in life is to love and not be loved", verkündet er im Opener ein ums andere Mal, als wolle er sich die unbequeme Wahrheit selbst ausreden, wenig später leugnet er gar ihre Existenz: "Love itself has gone." Und der Tunnel, durch den er im verpeilten Hit "I'm not really here" stolpert, hängt voll glühender elektronischer Spinnweben. Immerhin scheint irgendwann ein Licht am Ende zu schimmern: "This night has opened my eyes / Now I see you for the first time / Not for the last time." Erlösung etwa?

Ein Begriff, den man im Kontext von "Nightingale" allerdings mit Vorsicht genießen sollte - fürs erste müssen Lichtblitze der Erleichterung im geradezu sonnigen Rumpler "Springtime" genauso reichen wie die preziös gezupfte Folk-Ballade "East & west". Dass dieses Album sich mehr Brüche leistet als sein Vorgänger, macht es zwar weniger transparent - aber kaum schwächer. Doch es heißt alert sein: Immer besteht die Gefahr, dass ein Song, der nichts als ein straighter Sixties-Rocker sein will, sich selbst zu einem im Dunkeln leuchtenden Mantra ausbremst und dann auch noch "Wealldie" heißt. Trau, schau, wem. Erst recht keinen Leuten, die einem erzählen wollen, dass es Poltergeister wirklich gibt. Dieses Ungemach ist ganz und gar von dieser Welt. Und der Spuk trotzdem nicht vorbei.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • So tired in the morning
  • I'm not really here
  • This night
  • Springtime

Tracklist

  1. So tired in the morning
  2. Map of an Englishman
  3. Emmeline
  4. I'm not really here
  5. I wish, I wish
  6. This night
  7. Nightingale
  8. East & west
  9. Springtime
  10. Wealldie
  11. Dream of the rood
  12. Nothing can remain
  13. The trees they grow so high

Gesamtspielzeit: 47:40 min.

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