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Bored Man Overboard - Rogue

Bored Man Overboard - Rogue

Hazelwood / Rough Trade
VÖ: 21.01.2011

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Wein nicht

Ein Unglück kommt manchmal zu siebt. Wie im Falle von Bored Man Overboard, denen zudem mit Sänger David Khan ein schwermütiger Bariton vorsteht. Da kann man manchmal nur noch zu einem Glas Wein greifen, wenn es zu melancholisch wird und selbst die eigenen Freunde an einem vorbeilaufen. Ach, das kommt Ihnen bekannt vor? Und in einem Vorort wohnen Sie auch noch? Das kann kein Zufall sein. Denn wer auf dem ersten Album der Schweden nicht zumindest Versatzstücke von The National oder Arcade Fire wiedererkennt, ist entweder ahnungslos oder ein Schelm. Wobei dieser Begriff dem wolkenverhangenen, gegen maximale Trauer strebenden Indie-Folkrock auf "Rogue" mehr als widerspricht. Zu sehr lassen Bored Man Overboard alle Hoffnung fahren, als dass ihnen noch zum Scherzen zumute wäre.

Doch wenigstens die Songs des Septetts sind weitestgehend über jeden Zweifel erhaben. Tief wühlen die Gitarren, hymnisches Gebläse und auf dem letzten Loch pfeifende Strings schwirren durch die Luft - und Khan ist ohnehin meist untröstlich. Rette ihn, wer kann. Auch wenn das nicht einfach wird bei all den gestrandeten Beziehungen, der gähnenden seelischen Leere und den bedauerlichen Unzulänglichkeiten armer Sünder. Der Opener "Abigail" klagt über nie gesagte Dinge, und erst die pompöse Melodiewendung von "Wealth and cry" lässt zwischen einem "Twin Peaks"-Thema und "Neighborhood #1"-Grandezza die Sonne herein. Doch wer dachte, damit sei das Schlimmste überstanden: Es kommt noch viel schlimmer.

Ein Titel wie "The optimist" wirkt jedenfalls wie blanker Hohn, denn auf "Rogue" macht nur wenig Hoffnung. Die Zeile "I pressed you hard against the wall and kissed your neck" im ausladenden "There's no room in this evil heart" klingt mehr wie eine körperliche Bedrohung denn wie ein Liebesbeweis, dazu schwellen Gitarren und Streicher zu unheilvollem Theaterdonner an. Nur gelegentlich entkommt ein vergleichsweise swingender Rocker wie der hervorragende "Sinner song" aus dem Getümmel unter der emotionalen Grasnarbe. Aber auch dieser endet furchtbar: "I got you pregnant, I killed your child / I said it didn't matter how much you cried." Die Ausweglosigkeit scheint unendlich. Alles wird Blut.

Und doch liegt auch in dieser Finsternis ein merkwürdiges Quantum Trost - als wüsste man genau, dass "Rogue" nur die Dinge auszusprechen wagt, die man sich selbst nicht eingestehen will. Dass das Leben kurz aber ungerecht ist, Herzen trügerisch sind und sich die Sache mit der Liebe spätestens am nächsten Morgen erledigt hat. Alles verpackt in elegisch schwelgende Songs, die einem in ihren besten Momenten auch die desolatesten Gefühlszustände versüßen können. Ein anderes Mal zieht man sich wiederum lieber zur Robert-Frost-Vertonung "Stopping by woods" mit einem Gedichtband in den Ohrensessel zurück, und wenn gar nichts mehr geht, hilft vielleicht wie im abschließenden "Wine" ein Schluck aus der Pulle - der hat bei Matt Berninger schließlich auch funktioniert. Doch Verlieben geschieht auf eigene Gefahr: "We'll fall in love / And then we'll fall." Bei diesem Album wird einem das egal sein.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Wealth and cry
  • There's no room in this evil heart
  • Sinner song

Tracklist

  1. Abigail
  2. A wedding dress
  3. Wealth and cry
  4. The optimist
  5. There's no room in this evil heart
  6. Cardcastle
  7. Vanishing slow
  8. 9th grade
  9. Stopping by woods
  10. Sinner song
  11. Wine

Gesamtspielzeit: 48:53 min.

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