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Kanye West - My beautiful dark twisted fantasy

Kanye West - My beautiful dark twisted fantasy

Roc-A-Fella / Def Jam / Universal
VÖ: 19.11.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Mit sich selbst in Reimen

Das Lineal, das Kanye West angemessen auf die Finger haut, muss erst noch erfunden werden. Und er hätte es verdient, keine Frage. Es verging eine Zeitlang ja kaum eine Woche, in der das Enfant Terrible des Rap-Biz nicht mit irgendeinem hanebüchenen Ein- oder Ausfall auf sich aufmerksam machte. Selbst die Schelte von Obama half da nichts. Doch West lässt sich nicht irritieren. Überzeichnung und Überspitzung gehören zum Konzept und zu seinem Selbstverständnis wie auf der anderen Seite der Selbstzweifel und das komische Nachspüren des eigenen Egos. Dabei ist "My beautiful dark twisted fantasy" erst sein fünfter Streich, obwohl die Publicity für dreieinhalb Lebenswerke gereicht hätte. Große Dinge werfen ihre Schatten voraus, denn West stellt sich einfach vor die Sonne. Schon die ersten Klänge von "Dark fantasy" verweisen auf die Plätze, die es für die kommende Stunde Größenwahn einzunehmen gilt. Irgendwie verstümpert sitzen die einzelnen Teile ineinander, lösen sich nur mit kantigen Brüchen ab - und trotzdem leitet das den Flow ein, der die komplette Platte begleiten wird.

Bei "Power" foppt West seine Zeilen und jagt sie über den dicken Sound, der an jeder Ecke noch mehr aus dem Stück rausholt. Die Samples hocken an den Säulen des Beats, der unter den Lyrics surrt: "I'm livin' in the 21st century / Doin' something mean to it / Do it better than anybody, you ever seen do it / Screams from the haters, got a nice ring to it / I guess every hero need his theme music." Auch sonst sitzen die Rhymes perfekt: Die Zerbrechlichkeit von "Runaway", die Fanfaren von "All of the lights" - alles findet sich in den Zeilen wieder. "Monster" packt dann den Feature-Knüppel aus: Rick Ross' dicker Bass spült sich zu Beginn über den trockenen Takt, bevor Nicki Minaj ihre Mörderlines droppt. Wie von Sinnen presst und drillt sie ihre Stimme und kassiert dafür ordentlich Credits. Jay-Z setzt Akzente in "So appalled", das sich über einen dröhnenden Abgrund aus Sample und Sounds spannt. Die Tracks forden das Namedropping förmlich heraus, denn auch Elton John, Alicia Keys und John Legend kommen unter die Wogen. Und es bleibt trotzdem eindeutig Wests Baby.

Auch hinter dem gesamten Beat-Kostüm von "My beautiful dark twisted fantasy" steckt viel Arbeit und Detail. Abwechslungsreich schälen sich die unterschiedlichen Rhythmen und Metronome aus Tracks wie "Gorgeous", in dem West sinniert, Kid Cudi die Hookline beisteuert und auch Raekwon ans Mic darf. Die Impulse unter der Platte sind ihre unterschiedlichen Facetten, die auch die Produktion verbindet: unterkühlte, ins Ohr gehende Gitarren und von West astrein eingepflegte Samples. Gil Scott-Heron fügt sich genauso selbstverständlich ein wie King Crimson und Bon Iver, wobei Letzterer sich sowieso nicht lange bitten ließ und selbst im Studio erschien. Und so braucht es einige Durchgänge, um das Spektrum an Ideen von "My beautiful dark twisted fantasy" zu erfassen. Den Pop hat West bis zur Unkenntlichkeit ausgeblasen, denn auch wenn viele Tracks eingängig sind, lassen sie sich kaum in ein Schema pressen.

Mit jeder Sekunde türmt sich Wests Egowahn ein wenig mehr auf. Erwartungshaltungen werden zerstäubt, im Mittelpunkt steht sein unverkennbarer Sound, der sich bisher in seinen einzelnen Bestandteilen nie so fokussiert präsentierte. Der Bogen wird von den ersten Klängen an geschlagen und reicht bis zu "Who will survive in America". Die Platte und Wests Ego bedingen sich hier gegenseitig, "My beautiful dark twisted fantasy" schöpft aus seinem gesamten Spektrum und bringt sich so in Position. "Honeymoon on the dancefloor / And got divorced by the end of the night / That's one hell of a life." Dieses Album tilgt alles unter sich und erweist sich als Moloch der Popkultur. West braucht keine Auszeichnung. Die Krone setzt er sich einfach selbst auf. Diesmal endlich wieder durch Musik.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • POWER
  • Monster (feat. Jay-Z, Rick Ross, Nicki Minaj & Bon Iver)
  • So appalled (feat. Jay-Z, Pusha T, Prynce Cy Hi, Swizz Beatz & The RZA)
  • Runaway (feat. Pusha)
  • Lost in the world (feat. Bon Iver)

Tracklist

  1. Dark fantasy
  2. Gorgeous (feat. Kid Cudi & Raekwon)
  3. POWER
  4. All of the lights (Interlude)
  5. All of the lights
  6. Monster (feat. Jay-Z, Rick Ross, Nicki Minaj & Bon Iver)
  7. So appalled (feat. Jay-Z, Pusha T, Prynce Cy Hi, Swizz Beatz & The RZA)
  8. Devil in a new dress (feat. Rick Ross)
  9. Runaway (feat. Pusha)
  10. Hell of a life
  11. Blame game (feat. John Legend)
  12. Lost in the world (feat. Bon Iver)
  13. Who will survive in America

Gesamtspielzeit: 68:44 min.

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