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The Phantom Band - The wants

The Phantom Band - The wants

Chemikal Underground / Rough Trade
VÖ: 15.10.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

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Robohops

Den musikalisch umtriebigen Jahrtausendwechsel beschallten die Bands von Chemical Underground ja quasi im Alleingang. Arab Strap, Mogwai, Aereogramme, Magoo und natürlich The Delgados: Jede Band ein Alleinstellungsmerkmal, jede Veröffentlichung ein Meilenstein. Seither ist es zwar nicht eben ruhiger, aber doch eine Portion bescheidener geworden um das richtungsweisende Glasgower Label. Eine der wenigen Gruppen, die neben routiniertem bis großartigem Indiepop noch wirklich ihr ganz eigenes Süppchen kocht, ist The Phantom Band. Eine Art Gotik-Kraut-Folk strömte zum Debüt "Checkmate savage" durch Körper und Seele des Hörers und schüttelte beides in aller Ruhe so lange durch, bis weiche Knie von weichem Keks nicht mehr wirklich zu unterscheiden waren. "The wants", Album Nummer zwei, klärt nun ein wenig den Kopf und die Verhältnisse.

Denn hier präsentieren The Phantom Band ihre Musik als keinesfalls waschechten oder gar tief verwurzelten, dafür aber umso intensiveren Gospelverschnitt. Die Intonationen von Rick Anthony mahlen als Gebetsmühlen ganz feines Korn für seine voluminösen, vollmundigen Gesangsfiguren. Schifferklaviere, Marimbas, Akustikgitarren, Banjos und Harmonikas treffen sich mit elektronischem Blubbern und Flirren zum Ringelpiez mit Aufstampfen. Die Beats trippen und schaukeln nach wie vor, wirken aber kompakter und konzentrierter als noch auf dem Vorgänger. Und was von der klassischen, immerhin sechsköpfig aufspielenden Rockformation erwartbar ist, verbindet die Songs zu einer dichten Materialität.

Zwischen Einlullen und Wachrütteln haben Stücke wie "The none of one" und "Into the corn" deshalb immer dreimal mehr zu bieten, als simultan aufgenommen werden kann. "A glamour" marschiert zunächst in bestechendem Schritt wie Battles' "Atlas", transzendiert sich aber in allerlei Delay- und Slidegitarren sowie in einen mehrstimmigen, schwärmerischen Refrain hinein - bis der rhythmische Druck von Percussion- und Klavierkaskaden langsam abgeregnet wird. Ein wenig Achtziger-Pop zuckt noch in den Eingeweiden von "O", stoisch, durchdringend und akzentuiert, wird aber vom immer weiter aufquellenden Songkörper zum Ende hin innerlich zerdrückt. Und der stotternde Beat von "Walls" taut erst ganz behutsam auf Anthonys Gesang an, bevor er mit allem anderen verschmilzt und schließlich hymnisch auf und davon fließt.

Der maschinelle Vibe, der trotz aller Wärme und Reichhaltigkeit "The wants" durchzieht, macht die Platte dann vollends zum schizophrenen Wunderland. Irgendwo zwitschert, pluckert oder zirpt immer irgendetwas. Kommt als Robotergrille durch den Takt gesurrt, streift als ferngesteuerter Platzregen die Harmonien oder gibt die passgenau betonte, periodische Unwucht im voranzuckelnden Rhythmus-Dampfross. Sollten diese Songs, wie von der Band behauptet, tatsächlich die Apokalypse vertonen, so wäre diese eine mystische Fabelwelt, bevölkert von allerlei mechanischem Getier - das allerdings ausnahmslos bloß spielen will.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • A glamour
  • Everybody knows it's true
  • The none of one
  • Into the corn

Tracklist

  1. A glamour
  2. O
  3. Everybody knows it's true
  4. The none of one
  5. Mr. Natural
  6. Come away in the dark
  7. Walls
  8. Into the corn
  9. Goodnight arrow

Gesamtspielzeit: 47:59 min.

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