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Josh Ritter - So runs the world away

Josh Ritter - So runs the world away

Pytheas / Cargo
VÖ: 27.08.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Deine Stimme zählt

Keine Jahresringe

Als Kind zweier Neurologieprofessoren steht man vor der elementarsten aller Fragen: Trete ich in die akademischen Fußstapfen meiner Eltern oder verlasse ich den angestammten Pfad und suche mir eine völlig nonkonforme Berufung? Gern gewählte Optionen sind die brotlosen Künste: Malen, schreiben, inszenieren, vielleicht sogar musizieren, Ausdrucksformen gibt es reichlich. Allerdings entschied sich Josh Ritter damals, als er die Wahl hatte, zunächst einmal für beides. Biologie und Kunst - in seinem Fall selbstredend fleißiger Folkrock - müssen sich nicht ausschließen, Punkrock-Grandseigneur Greg Graffin ist hierfür wohl das beste Beispiel. Doch im Endeffekt schlug Ritters Herz deutlich lauter für die Musik. Sein mittlerweile sechstes Album "So runs the world away" erschien bereits im Sommer und wurde von vielen Kritikern als seine bis dato beste Platte bezeichnet.

Und irgendwie stimmt das ja auch: So intim, beinahe zärtlich der Rotschopf beim schillernden "The curse" oder dem besonders schüchternen "See how man was made" zu Werke geht, so bedingungslos stapft er im fast achtminütigen "Another new world" durch kniehohen Schnee, vertraut auf Annabelles Liebe, nur um am Ende eisbedeckt das Universum zu verlassen. Hier ist ein Geschichtenerzähler am Werk, der seine Musik als zusätzliches Alphabet einzusetzen weiß, da ihm die herkömmlichen 26 Buchstaben schlicht nicht ausreichen. Die schwelgende Gitarre und die verhaltenen Drums, manchmal eine redselige Orgel und entzückende Pianotupfer - diese Elemente bilden die Grundlage von Ritters klassischen Mörderballaden, seiner abgrundtiefen Gemütsentblößungen und wahnwitzigen Ideen.

"So runs the world away" ist überdies ein Hort für die umsichtigsten Alt.Country-Stücke des sich zu Ende neigenden Jahres: Zu "Southern Pacifica" etwa darf die bittere Außenwelt vergessen werden. Dieser Song ist das massive Floß, das den Hörer über die turbulenten Wasser eines Wilco-Stroms in Richtung rettendes Ufer trägt. Dass Ritter auch ganz anders kann, zeigt das zickige "Rattling locks", das einen Nick Cave direkt aus Ritters Lungenflügeln gebiert. Und den Geburtsschmerz dabei keineswegs vergisst.

So eignet sich "So runs the world away" durch seine ockergelbe Stimmungslage perfekt für Herbstspaziergänge durch laubbedeckte Parks: Ritter stiftet kleine, wärmende Brände im Inneren, ohne je gefährlich zu werden. Seine Songs wandern zwischen Folk, Country und Rock und klingen dabei immer wie aus der Zeit gefallen. Doch kluge Zeilen kennen keine Jahresringe, und eine Geschichte wie die von Louis und Delia aus dem schaurig-traurigen "Folk bloodbath" ist ziemlich kostbar: "Louis said to Delia / That's the sad thing with life / There's people always leavin' / Just as other folks arrive." Den Nobelpreis wird Ritter hiermit nicht gewinnen, aber berührte Herzen zählen ohnehin doppelt.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Southern Pacifica
  • Folk bloodbath
  • Long shadows

Tracklist

  1. Curtains
  2. Change of time
  3. The curse
  4. Southern Pacifica
  5. Rattling locks
  6. Folk bloodbath
  7. Lark
  8. Lantern
  9. The remnant
  10. See how man was made
  11. Another new world
  12. Orbital
  13. Long shadows

Gesamtspielzeit: 53:39 min.

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