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The Acorn - No ghost

The Acorn - No ghost

Bella Union / Cooperative / Universal
VÖ: 04.06.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Deine Stimme zählt

Die Waldmeister

Da war sie wieder, die allseits beliebte Isolation. Wie so viele Folkloristen vor ihnen zogen sich die kanadischen The Acorn für ihr drittes Album "No ghost" in die Natur zurück. Die Wahl fiel auf ein Cottage in Nord-du-Québec. Gerade einmal 40.000 Menschen leben hier auf 800.000 Quadratkilometern. Viel Raum und Zeit also für Lagerkoller und Rucksacktourismus gleichermaßen. Mit dem Doppeldecker zum Brötchenholen, mit dem GPS zur nächsten öffentlichen Toilette - es sei denn, man nimmt die große. Und ob es hier überhaupt einen Baum gibt, dessen ungeschickter Bauchklatscher die Hermeneuten dieser Welt zum Schläfenkratzen animieren könnte, fragt man besser den Wind persönlich. Macht das "Kawumm", "Hupps" oder doch eher gar nichts? Na, das kann ja ein Album werden.

Allerdings schaffen es The Acorn, ihre Musik unter der porösen Einsamkeit von "No ghost" ordentlich zum Wuseln zu bringen. Das Riff von "Crossed wires" etwa streckt sich zickig über ein paar Takte zuviel, bevor es sich zum stampfenden Indie-Beat doch noch harmonisch abrundet. The Acorn nutzen diesen Trick, um allerlei Abweichungen und Möglichkeiten durch den Song zu schleusen, Welten zu öffnen und wieder zu schließen. Und verhindern so den einfachen Hit derart spielerisch, dass es einfach eine Menge Spaß macht, dem Arrangement bis ins Kleinste hinterherzuhören.

Auch sonst gibt es auf "No ghost" viel zu entdecken. "Cobbled from dust", "I made the law" und der Titelsong spielen mit klareren Strukturen, brechen die Folk-Pickings und Beats aber durch in Prog-Schleifen dröhnende Gitarren wieder auf. Zu "Bobcat gold wraith" oder "Misplaced" konzentriert sich die Rhythmik hingegen auf ein dekonstruiertes Rütteln und Schütteln. Es klickt über die Snare-Kanten, es rappelt über die Toms, Congas, Bongos und Handclaps, elegische Trompeten versinken im Schlagzeugstrudel, schaffen es aber dennoch, einen quasi imaginären Vierviertelbeat aufscheinen zu lassen. Ein simpler, nicht wirklich hörbarer Herzschlag in einem Kosmos aus knackenden Ästen, raschelndem Laub und Rissen in der Wahrnehmung. Es muss wirklich lange dauern, um solch eine Flatterhaftigkeit in diesem Doppelsinn zu komponieren.

Somit ist die Krümmung, das Aufplatzen und das Wiedereinfangen von Melodik, Genres und eben Rhythmik das hauptsächliche Bauprinzip von "No ghost". Das macht die Erzählungen von The Acorn zu einem sehr körperlichen Etwas im Lagerfeuerschein oder auch in dunkelster Nacht. Alle Versatzstücke dieses kulturellen Gedächtnisses sind bekannt, werden aber moduliert, umarrangiert, geknickt und tönen dabei doch nie fern der Welt. Stattdessen sind sie unheimlich nah am flackernden Puls einer fragilen, stets vom simplen Aussetzen bedrohten Zeit. Rolf Klauseners wogende, wehmütige Stimme wird hierbei zum aufrechten Streiter in all dem schwankenden Schilf. "This is how you pass the time away", singt er zur Album-Coda "Kindling to cremation". In der Tat: "No ghost" ins Gesicht zu schauen bedeutet, sein Innerstes als äußerst brüchig wahrzunehmen. Doch voller Gewimmel und Leben im Mikrokosmos unter der rissigen Haut. Von wegen Isolation.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Misplaced
  • Crossed wires
  • Bobcat gold wraith
  • Kindling to cremation

Tracklist

  1. Cobbled from dust
  2. Restoration
  3. Misplaced
  4. I made the law
  5. Crossed wires
  6. On the line
  7. Bobcat gold wraith
  8. No ghost
  9. Slippery when wet
  10. Almanac
  11. Kindling to cremation

Gesamtspielzeit: 37:06 min.

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