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Sufjan Stevens - The BQE

Sufjan Stevens - The BQE

Asthmatic Kitty / Soulfood
VÖ: 23.10.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Kein Drumherum

Dinge, die sich einfach so erklären ließen, sind noch nie Sufjan Stevens' Sache gewesen. Also aufgepasst: "The BQE" ist nicht bloß sein sechstes Album, sondern auch sein erster Film, vermutlich zweiter Comic und circa sechstausender Aufsatz. Es geht darauf/darin um den Brooklyn-Queens-Expressway, eine Schnellstraße in New York, auf der besonders viele Unfälle passieren und den Rest der Zeit normalerweise Stau ist. Stevens hat über sie geschrieben, weil ihm ein Musikinstitut in Brooklyn eine Platte bezahlen wollte, solange sie irgendwie von New York handelt, und während das Projekt immer fröhlicher aus dem Ruder lief, kamen eben auch all diese anderen Sachen und ein paar Hula-Hoop-Tänzerinnen dazu. Ansonsten geht es ihm sehr gut, der Familie auch, und alle sind superzufrieden, danke der Nachfrage.

Vergessen wir aber nicht das Wichtigste an dieser Geschichte, den Teil, der eigentlich gar nicht dazugehört: Der wahrscheinlich begabteste Songwriter der Gegenwart hat keine Lust mehr, Songs zu schreiben, er will keine Geschichten mehr erzählen, und auch das Singen macht ihm immer weniger Spaß. Stattdessen passiert auf "The BQE" so etwas ähnliches wie klassische Musik, ordentlich aufgeteilt in Sätze, Pre-, Inter-, und Postludes. Zum Einsatz kommen dabei alle erdenklichen Streicher, Bläser und Percussioninstrumente, ein Klavier, vereinzelte Gitarren, mindestens ein Computer, kein Banjo und mehr als 20 Menschen, die sich an all dem abarbeiten. Und trotz des ganzen Aufwands ist "The BQE" natürlich alles außer der Platte, die Sufjan-Stevens-Fans von Sufjan Stevens hören wollen.

So egoistisch muss man schon sein dürfen, obwohl sich "The BQE" als erstaunlich zugängliches und problemlos hörbares Album entpuppt, wenn man ein bisschen Arbeit reinsteckt. Viele Dinge hier - die allgemeine Hektik, die Gleichzeitigkeit der Ereignisse, die kurvenreiche Melodieführung, der Spaß am Größenwahn, die hirnverbrannten Tracknamen - sind unverkennbare Stevens-Bausteine; Dinge, die so auch auf "Michigan" oder Illinois" hätten passieren können, wenn drumherum noch ein Folk-, Rock- oder Popsong stattfinden würde. Nur gibt es hier halt kein Drumherum, genau wie mit dem BQE selbst. Da muss man durch, da muss man drüber und - huch, da ist ja ein Technoteil in "Traffic shock"!

Erstaunlich ist am Ende des Tages natürlich wieder, wie gut hier alles zusammenpasst, souverän eines zum anderen führt und Stevens quasi aus dem Stand eine Klangästhetik entwirft, die mit Sicherheit an den fortschrittlicheren unter den klassischen Komponisten geschult wurde, aber auch selbstbewusst genug ist, um für sich allein zu stehen. Das Flöten-Crescendo von "Linear tableau with intersecting surprise" strahlt eine Erhabenheit aus, die auch vom nahtlosen Übergang in das bereits erwähnte "Traffic shock" nicht kleinzukriegen ist. "Self-organizing emergent patterns" hat fast schon was von einem Narrenmarsch, punktet aber auch mit wilder Free-Jazz-Trompete, und "In the countenance of kings" steht all dem gut organisierten Chaos mit unverrückbarer Klavier- und Streicher-Ruhe entgegen. Wie Stevens es schafft, da immer am Ball zu bleiben, ist eine Frage, die sich jeder von seinem ehemaligen Musiklehrer beantworten lassen muss. Weil, wie gesagt: Einfache Erklärungen interessieren ihn nicht.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Movement I: In the countenance of kings
  • Movement III: Linear tableau with intersecting surprise
  • Movement IV: Traffic shock

Tracklist

  1. Prelude on the esplanade
  2. Introductory fanfare for the Hopper Heroes
  3. Movement I: In the countenance of kings
  4. Movement II: Sleeping invader
  5. Interlude I: Dream sequence in subi circumnavigation
  6. Movement III: Linear tableau with intersecting surprise
  7. Movement IV: Traffic shock
  8. Movement V: Self-organizing emergent patterns
  9. Interlude II: Subi power waltz
  10. Movement VI: Isorhytmic night dance with interchanges
  11. Movement VII (Finale): The emperor of centrifuge
  12. Postlude: Critical mass

Gesamtspielzeit: 40:08 min.

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