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We Were Promised Jetpacks - These four walls

We Were Promised Jetpacks - These four walls

Fat Cat / PIAS / Rough Trade
VÖ: 19.06.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Düse im Sauseschritt

Du möchtest für unwiderruflich übergeschnappt gehalten werden? Dann probier doch einfach folgendes: Setze einen möglichst irren Blick auf und murmel dabei irgendetwas, das sich anhört wie "Ihr seid ja alle nur neidisch, weil die leisen Stimmen nur zu mir sprechen." Ob Adam Thompson derartiges im Sinn hatte, als er mit seiner Band den Song "Quiet little voices" schrieb, der seit einiger Zeit auf gut informierten Tanzböden Flächenbrände verursacht? Ob des sperrigen Namens könnte man We Were Promised Jetpacks aus Glasgow ja durchaus für nicht ganz dicht halten. Andererseits: Wenn man schon das Glück hat, einen der Rucksäcke mit Gasantrieb in Aussicht gestellt zu bekommen, mit denen bei olympischen Eröffnungsfeiern durch die Luft geflogen wird, muss das natürlich irgendwie verewigt werden. Egal, ob das jetzt stimmt oder nicht.

Ein schöner Treppenwitz ist es außerdem, dass das Quartett bei einem seiner ersten Auftritte ausgerechnet "Are you gonna be my girl?" coverte. Man stelle sich vor: Wir wollten Jetpacks - und bekamen Jet. Aber nur einen Song lang. Denn weiter könnte "These four walls" von handelsüblichem Rock'n'Roll gar nicht entfernt sein. Wir befinden uns nun einmal in Schottland. An einem Ort, wo man beim morgendlichen Blick aus dem Fenster eher Lust bekommt, eine Bibel zu drucken als eine Fahrt ins Grüne zu unternehmen. We Were Promised Jetpacks kennen den Umstand und tragen ihm mit schwermütigem, zerklüftetem Sound Rechnung. Mit dem Unterschied, dass sie Produzent Peter Katis aufgetragen haben, einen Sack Speed mehr mit ins Studio zu bringen als bei den befreundeten Landsleuten Frightened Rabbit. Ein wenig getanzt werden soll nämlich auch.

Allerdings nicht sofort. "It's thunder and it's lightning" pirscht sich zunächst verhalten durch die Hintertür, macht dann mit Thompsons vernuscheltem Dialekt den Halblauten und zerbirst erst spät in Splitter aus rohen Schlagzeugsalven und Stakkato-Riffs. Der perfekte Geräuschpegel aus dunkelgrauem Indie-Irgendwas und erweiterter Raserei Marke Forward, Russia!. Und viel einfacher wird es auch im weiteren Verlauf nicht, obwohl "Ships with holes will sink" und die zweite Single "Roll up your sleeves" planvolles Uptempo vorlegen. "These four walls" kratzt und beißt beständig um sich und gönnt den Songs höchstens vorübergehende Ruhepausen, bevor Instrumente und Stimme wieder mit Wucht vor den Briefkasten laufen. Als nächstes im stetig anschwellenden "This is my house, this is my home", das sich in einem finalen Krachinferno auflöst.

Dabei wissen die vier in jedem Moment dieses Albums, was sie da gerade machen. Ziehen den Hörer an, nur um ihn im nächsten Moment wieder abzustoßen und in gebrochenen, unwirtlichen Klanglandschaften zurückzulassen. Wie beim achtminütigen "Keeping warm", das sämtliche Instanzen des Bandsounds durchläuft und am Ende unter einem Haufen stachligem Bombast begräbt - da kann "An almighty thud" als akustischer Schlusspunkt ruhig so tun, als wäre gar nichts gewesen. Nach "These four walls" gibt es trotzdem keinen Zweifel: We Were Promised Jetpacks sind die Daniel Düsentriebs des unsauberen Knurr-Indie und mehltaubesetzten Post-Punk. Mit Schrammen im Gesicht, aber auch von Inspiration und Größe beseelt. Und wahrscheinlich genauso genial. Sagen jedenfalls die leisen Stimmen. Und die haben öfter Recht, als man wahrhaben will.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • It's thunder and it's lightning
  • Roll up your sleeves
  • Quiet little voices
  • Keeping warm

Tracklist

  1. It's thunder and it's lightning
  2. Ships with holes will sink
  3. Roll up your sleeves
  4. Conductor
  5. A half built house
  6. This is my house, this is my home
  7. Quiet little voices
  8. Moving clocks run slow
  9. Short bursts
  10. Keeping warm
  11. An almighty thud

Gesamtspielzeit: 49:41 min.

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