Archivsuche

Listen

Suche bei Amazon

Partnerangebote

eXTReMe Tracker

Yeah Yeah Yeahs - It's blitz!

Yeah Yeah Yeahs - It's blitz!

Polydor / Universal
VÖ: 03.04.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Proteinshaker

Jesus wurde dreimal von Petrus verleugnet, aber darüber können die Yeah Yeah Yeahs natürlich nur lachen. Seit fast zehn Jahren gibt es sie jetzt, auch bei ihnen haben die Hähne stets sehr laut gekräht, und doch war diese Band quasi immer schon damit beschäftigt, sich selbst zu verleugnen. Oder andersherum betrachtet: Die Yeah Yeah Yeahs sind seit jeher mehr gewesen, als ihnen zugetraut und -geschrieben wurde; natürlich sind sie auch die künstlerisch wertvollen NYC-Cops mit der Stilikonenfrontfrau - aber das ist eben nur eine Seite der Geschichte. Man kann das jetzt, wo "It's blitz!" erscheint, an drei Alben und drei EPs mit jeweils explizit eigener Identität ablesen: Unter den so genannten Hype-Bands des neuen Jahrtausends gehören die Yeah Yeah Yeahs locker zu den beweglichsten und belastbarsten.

"It's blitz!" also hat: Ein fantastisches Coverfoto, einen Riesenfuhrpark voller Synthesizer, weniger Nick-Zinner-Zickzack-Gitarren und Karen O., die endgültig und vollständig hinter ihrer Riot-Grrrl-Bühnenfigur hervortritt, um sich als selbstbewusste, aber verletzliche Frontfrau zu offenbaren. 24 verschiedene Worte reichen ihr, um aus "Skeletons" den bisher nacktesten und rührendsten Yeah-Yeah-Yeahs-Song zu machen. Dieser ist eine typische David-Sitek-Produktion mit minimalistischem Leitmotiv und dick eingepackter Drumbeat-Verweigerung - nur dass O.s Stimme eben über allem steht (und fällt), statt à la Scarlett Johansson zweckmäßig versteckt zu werden. Ob die Yeah Yeah Yeahs nun in Siteks Richtung wollten oder mit sanfter Gewalt auf den Weg gebracht wurden, spielt dabei keine Rolle. Sie haben jedenfalls scheinbar mühelos das Album gemacht, an dem die mittleren Goldfrapp immer wieder gescheitert sind.

O. ist dabei die eine große Stärke, die die Platte hat und braucht, weil ihre Songs letztlich nicht die gleiche Explosivität und Unberechenbarkeit erreichen wie vor drei Jahren auf dem ausgezeichneten "Show your bones". Dementsprechend gibt es kaum Fauchen und Beißen diesmal - lediglich "Dull life" steht mit borstigen "Know myself"-Vocals und altem Gitarrenantrieb als Abgesang auf 2005 in der Albummitte. Die Platte kann das aber nicht kippen; "Runaway" greift die losen Enden von "Skeletons" wieder auf, lässt ein dramatisch aufgeplustertes (Fake-)Orchester zu und reserviert die Songmitte doch für eine einleuchtende Klavier-Warmmachübung, ganz unbehandelt. "Not so strong without these open arms", singt O. dazu, eher angeschlagen als angefressen. Es ist die bisher synthetischste Yeah-Yeah-Yeahs-Platte, auf der sie am menschlichsten klingt.

Aus dieser Perspektive ergibt der versöhnliche Ton von "Hysteric" samt seiner "Lover's day"-Bläser natürlich genauso viel Sinn wie der discokugelnde Einstieg ins Album mit "Zero" - erst jetzt, wo dieser Song und seine unverbrauchbare Synthie-Schleife da sind, wird einem klar, dass die Yeah Yeah Yeahs noch nie einen richtigen Clubhit hatten. Weil das nun aber geklärt ist, behagen natürlich auch die Hercules-And-Love-Affair-Verrenkungen aus "Dragon queen" mit Tunde Adebimpes leider verschenktem Gastgesang und noch mehr Schwere-Sessel-Produktionstricks, die das Album schließlich im offenen Traumtagebuch von "Little shadow" beschließen. Dass es hier gar nicht Sitek ist, der alles im analogen Soundnebel versenkt, sollte auch noch den Leuten das Segel zusammenfalten, die "It's blitz!" als Labortrakt für TV-On-The-Radio-Mitglieder runterspielen wollen. Andere Bands haben ähnliche Songs natürlich noch stichhaltiger geschrieben - aber man muss noch immer lange suchen, um jemanden zu finden, der einen so entschlossen bei den Eiern packt wie die 2009er Edition der Yeah Yeah Yeahs.

(Daniel Gerhardt)

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Zero
  • Skeletons
  • Dull life
  • Runaway

Tracklist

  1. Zero
  2. Heads will roll
  3. Soft shock
  4. Skeletons
  5. Dull life
  6. Shame and fortune
  7. Runaway
  8. Dragon queen
  9. Hysteric
  10. Little shadow

Gesamtspielzeit: 41:45 min.

Anzeige

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum