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Klez.E - Vom Feuer der Gaben

Klez.E - Vom Feuer der Gaben

Loob / Vertigo / Universal
VÖ: 30.01.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Asche zu Asche

Wer wie Klez.E von der Metaebene kommt, darf sich nicht über Missverständnisse beschweren. Sie benannten die Band nach einem Computerwurm und widmeten sich auf ihrem Zweitling "Flimmern" der Medien- und Konsumkritik. Das hätte schnell verkniffen wirken können, wäre da nicht Tobias Sieberts Gespür für Harmonie gewesen. Zwischen Metaphern und Fußnoten machten vor allem die nachhaltigen Melodien den subtilen Pop von "Strandlied", "Werbefläche Mond" oder "Center" aus.

Auch auf "Vom Feuer der Gaben" greifen die Berliner nach der ganz großen Geste. Der Postpop ist sakral geworden, es geht um Gebete und den Tod. Schon der Opener "Wir ziehen die Zeit" verhandelt einen bevorstehenden Abschied. Die Laptops klackern und knistern, Gitarren seufzen und drehen sich im Kreis, während Siebert das Raum-Zeit-Kontinuum ausbremst. "Was wäre, wenn wir reisen / Immer gegen die Drehung der Welt?" Es wird nicht funktionieren, der Versuch ist dennoch grandios. So wird der Schmerz spürbar und lässt bis zum Ende von "Vom Feuer der Gaben" nicht mehr nach.

Dabei lassen Klez.E reichlich Platz für andere Emotionen. Durch "Der Saal" wandern Akustikgitarren, die an allerlei Klingeling vorbeimüssen, weswegen ihnen der Blutdruck ansteigt: "Kein Gott, kein Krieg, kein Held, kein Leid." Doch diese angefressene Verweigerungshaltung weicht auf, als aus allen Richtungen Stimmen hinzukommen und Vokalkathedralen auftürmen. "Ich vermiss Eure Worte", immer wieder "Ich vermiss Eure Worte". Da droht die Versöhnung. "Madonna" hingegen eckt in Wort und Tat an, wenn es mit Stimmen und Synthesizern Klangwände baut. Hier wird nämlich geliebt - unter festgelegten Bedingungen. "Und liebst Du mich, dann liebe ich Dich." Einer einfachen Gleichung hört man hier dennoch nicht zu.

Das klassische Rockgeschehen wird dadurch aufgebrochen, dass die Spielführer permanent die Rollen tauschen, elektronisch nachgebaut werden oder einfach alle gemeinsam Puzzle spielen. Eckige Grooves, sphärische Texturen, kantige Riffs, Kirchenorgeln und bittersüße Melodien umarmen sich. Diese Eintracht spendet Trost und Zuversicht bei den Niederlagen und Enttäuschungen aus Sieberts Texten. "Hier verbringen wir unsere Zeit / In öffentlicher Einsamkeit." Alles muss entblößt werden, um Katharsis zu ermöglichen. So erkämpft sich selbst verzagtestes Winseln seine Substanz und sorgt so in den Verzerrungen zwischen Glück und Verzweiflung für manchen Radiohead-Moment.

Selbst im Verlust lauert daher fühlbare Euphorie: "Das, was hier fehlt / Wird langsam klar / Ist die Balance / Die um uns war." Immer wieder drehen sich die Texte um die Vergänglichkeit - Gefühle, Bindungen, das Dasein. Solcher Existentialismus eignete sich inhaltlich vortrefflich für den nächsten Schwarzkittel-Treff, bekommt aber durch seine warme Erhabenheit eine völlig andere Qualität. "Mein Herz sucht Dein Licht", und man hört sein Schlagen noch, wenn am Ende aller Gebete das Orchester verstummt. So erzählt "Vom Feuer der Gaben" vom Leben. Vom schönen, vom hässlichen, vom schönen, vom traurigen. Vom Anfang und vom Ende. Auf dem Debüt sang Sieberts bereits: "Wir sind alle nur zum Leben hier." Dieser Kreis hat sich geschlossen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Wir ziehen die Zeit
  • Der Saal
  • Madonna
  • Hier, wo Du strahlst
  • Gebet für mehr

Tracklist

  1. Wir ziehen die Zeit
  2. Der Saal
  3. Die große Einfachheit
  4. Madonna
  5. Hier, wo Du strahlst
  6. Der Garten
  7. Vom Feuer der Gaben
  8. Im Raum mit Toten
  9. In Gold
  10. Am Grund der tiefgrünen See
  11. Der Welt ein Ort
  12. Gebet für mehr

Gesamtspielzeit: 52:13 min.

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