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Locas In Love - Winter

Locas In Love - Winter

Sitzer / Broken Silence
VÖ: 28.11.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Warm ums Herz

Spuren im Schnee verraten alles, was man über das Leben wissen muss. Zum Beispiel, dass auch ein schlauer Fuchs tief sinken kann. Oder dass Weiß doch nicht die Farbe der Unschuld ist. Und nicht zuletzt, dass der Weg durch die Kälte nur ein einziges Ziel hat: Nahrung finden. Für das hungrige Herz. Die Spuren von "Saurus" verrieten vor knapp zwei Jahren alles, was man über Locas In Love wissen musste. Zum Beispiel, dass ihnen ein erstaunlich internationaler Sound gelingt, der so viel mehr aus dem Ärmel schüttelt, als herkömmlicher deutscher Indiepop auf dem Spickzettel stehen hat. Oder dass sie deutschsprachigen Liedern gerne englische Titel geben. Und nicht zuletzt, dass ihre Texte nicht bloß nach Suchmaschinenergebnis, sondern nach Bekennerschreiben und Vertrauensbeweis klingen.

Daran hat sich auch auf ihrer neuen Platte - die allerdings nicht als offizielles drittes Studioalbum, sondern als Konzeptalbum zum Thema "Winter" verstanden werden möchte - nichts geändert. In einem Punkt unterscheiden sich die elf Songs dann aber doch deutlich von ihren Vorgängern: Sie sind wesentlich filigraner. Liebevolle Häkelarbeiten, die klingen, als wären sie in einem Puppenhaus aufgenommen worden. Tatsächlich wurde "Winter" ausschließlich in Wohnzimmern eingespielt, und das Geld, das andere Bands für einen Produzenten ausgegeben hätten, lieber in Glühwein, Spekulatius und Teelichter investiert. Und in das eine oder andere Instrument: Vibraphon, Lap Steel Guitar, Korean Banjo, Mandoline, Mundharmonika, Toy Piano, Glockenspiel - eine unüberschaubare Anzahl weitgehend akustischer Klangkörper stapelte sich zwischen Schrankwand und Couchtisch. Man hätte damit locker zwei Adventskalender bestücken können.

Und doch spielt die Musik auf "Winter" nur die Rolle eines formschönen Kerzenständers, in dem Worte lodern, die auf wundersame Art und Weise leise Vereistes wieder auftauen, mit jeder Silbe. Die emotionalen Aggregatzustände bleiben nun einmal die interessantesten: "Vergrab mich im Packeis / Und hol mich erst wieder raus / Wenn die Forschung weit genug ist / Um meine Wunden zu heilen", singt Björn Sonnenberg (ausgerechnet!) mit einer Melancholie, die so tapfer und gefasst ist, dass sie jeden Gefrierbeutel zum Platzen bringen würde. Streicher wiegen sich im Takt gezuckerter Baumwipfel, Saiten werden sachte gezupft und das Tamburin klingt wie ein würdevoll sich nähernder Rentierschlitten. Über all dem thronen erhaben die "Eulen", denen Stefanie Schrank ihre angenehm unprätentiöse Stimme leiht.

Locas In Love haben verstanden, dass man sich mit dem Winter verbünden muss, wenn man den Schnee von gestern aus der Einfahrt zur Zukunft räumen möchte. Andererseits bietet Kältestarre durchaus Gelegenheit zur Rebellion: "Ich bin keine Maschine / Ich werde nicht funktionieren" heißt es im besten Lied der Platte, bei dem Kyle Resnick, der bereits mit Sufjan Stevens, The National und Spoon kollaborierte, meisterlich trompetet. Man wird ihn in dieser halben Stunde noch öfter hören - so auch bei dem großartigen "Wintersachen", einer Ode an die still und starr ruhende Stadt. Der "ICE Wilson Bentley" schließt sich spontan der Entschleunigung an und fährt im Bummelzugtempo - dafür aber mit Ukulelenantrieb, clever integriertem Freizeichen-Getute und fulminanten Paukenschlägen. Ähnlich engagiert hüpft das Piano im "Christmas No. 1 hit", während die Cover-Version des "Twin Peaks"-Themas "Falling" seine bittersüße Eiskristall-Ästhetik zelebriert. Dieser "Winter" wird Spuren hinterlassen. Und sie werden alle in hungrige Herzen führen.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Maschine
  • ICE Wilson Bentley
  • Wintersachen
  • Christmas No. 1 hit

Tracklist

  1. Packeis
  2. Eulen
  3. Maschine
  4. ICE Wilson Bentley
  5. Roder
  6. Wintersachen
  7. Christmas No. 1 hit
  8. Bushwick
  9. Falling
  10. Eissturm
  11. Packice (feat. LD Beghtol)

Gesamtspielzeit: 30:18 min.

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  • Locas In Love (120 Beiträge / Letzter am 20.04.2012 - 00:17 Uhr)