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The Faint - Fasciinatiion

The Faint - Fasciinatiion

blank.wav / Cooperative / Universal
VÖ: 05.09.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Deine Stimme zählt

Diie Skeptiiker

Chronische Zweifler neigen dazu, stets das Beste zu verpassen. Sie zappen so lange unentschlossen vorm Fernseher rum, bis alle guten Filme vorbei sind. Oder sitzen Menschen gegenüber, die sie vielleicht gerade ins tollste Gespräch ihres Lebens verwickeln wollen, grübeln aber lieber angestrengt darüber nach, welche Pizza sie bestellen sollen. Die Band um Todd Fink ist mit ihrem pessimistischen Electro-Rock auch so ein Fall. Da erscheint es fast schon als tollkühnes Wagnis, dass The Faint ihrer Homebase Saddle Creek den Rücken gekehrt und tatsächlich ein eigenes Label gegründet haben. Dass dieses in deutlicher Anlehnung ans zweite Album "Blank-wave arcade" benannt ist, wird dem aufmerksamen Hörer nicht entgangen sein - und während der Spielzeit von "Fasciinatiion" immer mehr zur selbsterfüllenden Prophezeihung in Sachen Rückwärtsgewandtheit. Oder anders gesagt: Das Quintett aus Omaha war schon einmal deutlich weiter als hier.

Obwohl außer der Schreibweise wenig bis nichts verkehrt ist an "Fasciinatiion". Man nehme nur den Opener "Get seduced": Der Bass prengelt böse Richtung Magengrube, verstimmte Gitarren pfeifen auf dem letzten Loch, und zu allem pocht ein ungeniert nach vorne gemischtes elektronisches Grundgerüst irgendwo zwischen Eingängigkeit und ADHS. Noch toller treibt es "The geeks were right", in seiner Eigenschaft als Single immerhin mit Strophe, Bridge und Refrain versehen. Debiler Hyperventilationstanz zu flackernden Neonröhren. Auch textlich sieht es kaum aufgeräumter aus: Beziehungen implodieren, weil man immer schon am ersten Abend zusammen ins Bett muss. Die doofen Streber von damals sind inzwischen Multimilliardäre, während man selbst seine Miete nicht zahlen kann. Und streicht man aus dem Titel die überflüssigen Vokale, könnte man ihn genauso gut als "Fasci-Nation" lesen. Und wäre wieder bei der auf dem Vorgänger diagnostizierten "Paranoiattack" Marke USA-Eigenbau angelangt. Skepsis allerorten, alles beim Alten.

Und genau das ist das Problem: Bestand die Stärke von The Faint bisher stets darin, bei jedem Anlauf noch etwas nachzulegen, Sound und Substanz zu verfeinern, bis ein so tolles Album wie "Wet from birth" entstehen konnte, begnügt sich die Band auf "Fasciinatiion" mit Wiederkäuen auf hohem Niveau. Die beweglichen Songs sind allesamt katastrophenresistent, gelungen und zuweilen gar richtig gut, die experimentellen Merkwürdigkeiten hinterhältig lauernde Bremsklötze, die einen allzu reibungslosen Fluss verhindern. Aber es fehlt eben etwas, an dem man sich festhalten kann. Ein anrührendes musikalisches Tagebuch des Vermissens wie "Southern belles in London sing" zum Beispiel. Oder ein alles mit Karacho wegtrampelndes Zwei-Minuten-Ei wie "Dropkick the punks". Gewiss: Ihren Status als mutwillig faulender Zahn in der anachronistischen Kauleiste der Elektronik verteidigen The Faint mit diesem Album souverän. Sie sollten aber Acht geben, dass sie vor lauter Selbstgenügsamkeit nicht auch musikalisch irgendwann mal das Beste verpassen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • The geeks were right
  • I treat you wrong
  • Forever growing centipedes

Tracklist

  1. Get seduced
  2. The geeks were right
  3. Machine in the ghost
  4. Fulcrum and lever
  5. Psycho
  6. Mirror error
  7. I treat you wrong
  8. Forever growing centipedes
  9. Fish in a womb
  10. A battle hymn for children

Gesamtspielzeit: 35:02 min.

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