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Gonzales - Soft power

Gonzales - Soft power

Mercury / Vertigo / Universal
VÖ: 04.04.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Deine Stimme zählt

Der eventuelle Konjunktiv

Es soll ja immer noch Leute geben, die versuchen, aus Gonzales schlau zu werden. Dabei kippte doch der mühsam aufgestellte Stapel mit Vermutungen und Indizien bislang noch jedes Mal im Luftzug um, wenn der Exil-Kanadiers die Studiotür aufmachte. Was war er nicht schon alles? Das hippe Großmaul, der schlechteste MC, der wüste Elektroniker, der sensible Jazzer, der ausgetüftelte Produzent, der hyperaktive Multiinstrumentalist, der dreiste Zitatverdreher, der haarige Gentleman. Jetzt, wo es ihn in die Stadt der Liebe verschlagen hat, hat er auf "Soft power" eben die meiste Freude daran, der schwelgende Crooner zu sein. Was aber nicht bedeutet, dass seine anderen Identitäten nicht immer mal wieder im Pariser Studio vorbeigeschaut hätten.

"Working together" arbeitet sich gleich am Anfang von Gonzales' sechstem Album mit beinahe gewohnten Stolperbeats, Jamie Lidells Zwinkern und flötender Lässigkeit in Pose. Doch schon "Slow down" macht nicht nur das, was sein Titel befiehlt, sondern schmiert sich ordentlich Schmalz in die Haare. Grinsend singt Gonzales hier von niedlichen Nichtigkeiten, und plötzlich schleicht sich die Ahnung ein, warum im Booklet all die Gewinner der Grammy-Awards von 1978 stehen. Gonzales klingt bisweilen exakt so, als hätten sich Barry Manilow, Billy Joel, Al Jarreau, die Bee Gees und Donna Summer damals zum Gangbang getroffen und aus dem DNA-Gemisch diesen kräftigen Sohn gezeugt. Das will man sich eigentlich gar nicht vorstellen, das kann man sich aber erstaunlich gut anhören.

Wenn sich in "Theme from in-between" ein molliges Säuseln über den Weichzeichner legt oder in "Unrequited love" Elton Johns Rockverständnis dazustößt, sucht man irritiert nach dem Rettungsring in dieser Popsoße. Das ist jetzt aber dermaßen Endsiebziger, dass einem Pailetten, Schlaghose und Koteletten wachsen. Wenn man schon mit dem Fahrstuhl abstürzt, dann bitte gut angezogen. In den Neunzigern hätte man sich natürlich nur mit größtmöglicher Ironie an solche Klänge gewagt, wenn man nicht gerade Take That war. Die ausgehenden Nuller brauchen solche Hintertürchen nicht mehr. Wenn "Map of the world" Melancholie verbreiten will, dann regnet es eben kräftig in den Song hinein. Und wenn Gonzales in "Apology" zum schwellenden Mondsafari-Synthesizer fleht, ist das sein voller Ernst. "And all the reasons that I gave / So that I would not be an asshole which I am."

Das Erstaunliche an "Soft power" aber ist, dass in all dem polierten Wohlklang dann doch wieder Spinnertheiten warten, die vielleicht doch die doppelbödige Verankerung darstellen könnten. Die im Video von "Slow motion" dokumentierten Gesangsstunden. Das beinahe weihnachtliche Zuviel an feierlichem Mmmh und C-Dur in, genau, "C major". Die Streicher. Das Saxophon. Die Congas. Das Yamaha Clavinova, das sich hier ausbreitet wie ein Noro-Virus. Die charmante Inhaltsleere von "Let's ride", bei der nicht allein Feists Säuseln wirkt wie entwaffnende Bambiaugen. Und dann singt Gonzales auch noch: "I am quite surprised / I never realized / That you were listening / I was just singing something." So wird "Soft power" dann doch noch kennzeichnungspflichtig: Könnte Spuren von Ironie enthalten.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Working together
  • Unrequited love
  • Apology
  • Let's ride

Tracklist

  1. Working together
  2. Slow down
  3. Theme from in-between
  4. Unrequited love
  5. Map of the world
  6. Modalisa
  7. Apology
  8. Let's ride
  9. C major
  10. Singing something

Gesamtspielzeit: 50:08 min.

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