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Cadence Weapon - Afterparty babies

Cadence Weapon - Afterparty babies

Big Dada / Rough Trade
VÖ: 21.03.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Deine Stimme zählt

Kinderzimmer Productions

Jeder macht mal einen Fehler, und Rollie Pemberton ist einer davon. "My dad says I was an afterparty baby", bekennt er gleich am Anfang seiner zweiten Platte und fügt mit angeborenem Selbstvertrauen hinzu: "This goes out to all the accidents out there / Keep on making mistakes." Loses Mundwerk, großes Mitteilungsbedürfnis, dicke Eier - alles vorhanden beim 21-jährigen Kanadier unter dem Cadence-Weapon-Kostüm, und trotzdem hätten es seine Eltern bedeutend schlechter treffen können. Statt sich in üblen Gegenden rumzutreiben und seinen Job zu verlieren, treibt sich Pemberton schließlich in üblen Gegenden rum, verliert seinen Job und verarbeitet das dann zu einer HipHop-Variante, auf die noch niemand sonst gekommen ist.

Cadence Weapon ist der MC, der Bob Dylan, The Stooges, The Dandy Warhols und Baha Men zitiert, Fleetwood Mac und Marc Bolan namedroppt, aber Rapmusik macht, die ihre Alleinstellungsmerkmale aus ganz anderen Revieren bezieht. Timbalands Frankenstein-Versuche mit Justin Timberlake könnten klingen wie "Afterparty babies", wenn der Dicke noch einige Ecken weiter denken (und sein Püppchen durch ein schwarzes Nerd-Kid ersetzen) würde. Beim nächsten Projektalbum von MF Doom (Madvillain, Dangerdoom) müsste man von ähnlichen Ergebnissen ausgehen, täte er sich mit Aphex Twin zusammen. Und doch sind das hier die Kinderzimmer-Produktionen eines einzigen Typen, der als On-Demand-Beatbauer großes Geld machen könnte, aber lieber sein eigenes Hirn trainiert.

Pembertons selbstständiger Stil manifestiert sich ebenso im Verzicht auf Features und Skits wie in der Dichte seiner meist vollelektronischen Beats: Während "Limited edition OJ slammer" noch darüber nachdenkt, in welchem Super-Mario-Level es gerade die Musik klaut, kommt dem nächsten Track schon der Schaum aus dem Mund. Noch bevor man über den "Medúlla"-artigen A-Capella-Einstieg von "Do I miss my friends?" hinweg ist, neigt sich das Album mit Fanfaren- und Drill-Sergeant-Samples in "Unsuccessful club nights" seinem Ende entgegen. Dass dazwischen fast eine Stunde Synapsen-Sudoku liegt, ist genauso unwahrscheinlich wie die epileptischen Scratch-Anfälle, mit denen "Afterparty babies" immer wieder zu kämpfen hat - es wäre keine Cadence-Weapon-Platte, wenn man ohne erheblichen Gewichtsverlust aus der Sache rauskäme.

Der nächste Knick in dieser Geschichte: Statt sich mit den Texten an die schwierige, herausfordernde Musik seiner Platte anzupassen, begreift Cadence Weapon sie als Werkzeug zur Auflockerung und Vereinfachung. "Afterparty babies" hat viel weniger mit der Hoch- als der Popkultur am Hut; die Platte weiß von desaströsen DJ-Sets und dem Tourleben auf der Straße, sie blickt zurück in Pembertons High-School-Zeit und findet nicht nur dort Geschichten, mit denen man leicht Freundschaft schließt, weil man sie selbst erlebt hat. Er lese keine Bücher, sei aber die treibende Kraft hinter Katie Holmes und Tom Cruise gewesen, großmault Pemberton einmal. Das hat Sinn und trifft sich gut, weil sein Album so klingt, wie die Testseiten des RTL2-Videotexts aussehen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Do I miss my friends?
  • Limited edition OJ slammer
  • Juliann Wilding
  • Unsuccessful club nights

Tracklist

  1. Afterparty babies
  2. In search of the youth crew
  3. True story
  4. Limited edition OJ slammer
  5. Juliann Wilding
  6. Real estate
  7. Messages matter
  8. Your hair's not clothes!
  9. Tattoos (and what they really feel like)
  10. The new face of fashion
  11. Getting dumb
  12. House music
  13. Unsuccessful club nights
  14. We move away

Gesamtspielzeit: 57:40 min.

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