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Simone White - I am the man

Simone White - I am the man

Honest Jon's / Indigo
VÖ: 29.02.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Is a woman

Was genau macht Frauen, die viel fluchen, eigentlich so attraktiv? Also, wenn man jetzt die sexistische FHM-Leser-Sichtweise mal außen vor lässt, nach der es "ordinär" oder "obszön" ist, wenn so ein zerbrechliches Geschöpf ohne Schwanz gelegentlich "Scheiße" sagt? Zumindest in der Musik hatte es immer schon eine Menge mit gutem Timing zu tun. Als Jolie Holland vor vier Jahren in der fünften Minute ihres Songs "Do you?" plötzlich "You motherfucker, I wanted you" sang, war das ein emotionaler Aufwärtshaken, den so niemand kommen sah. Und Martha Wainwrights "Bloody mother fucking asshole" traf einen vielleicht nicht ganz so ansatzlos, aber doch mit der gleichen Wucht. Simone White nun steht in der Tradition dieser Kesselflickerinnen - und tut das, ohne dafür auch nur einmal besonders laut fluchen zu müssen.

Es ist die Einstellung, die White auf "I am the man" mit Holland und Wainwright verbindet. Ein widerstandsfähiger, zu jedem Kampf bereiter Blick auf die Welt, der beide Songsorten formt und prägt, mit denen sich die 38-jährige Kalifornierin am liebsten beschäftigt. Ihre meistens enttäuschten Liebeslieder haben nie etwas Weinerliches, Süßes oder Kindliches an sich, selbst wenn sie den Steine erweichenden "Beep beep song" singt. Und ihre Schimpf- und Schandlieder gegen die amerikanische Regierung geben sich niemals für billige Hetze her, ziehen stattdessen Kraft aus ihrer nachfühlbaren Wut und beschreiben ein Land, das den Wechsel dringender braucht als ein Baby, das seit zwei Wochen nicht gewickelt wurde. "Did you ever think this was the greatest country in the world?", fragt White einmal, und man wüsste gerne, wie sich Dick Cheney da noch rausreden wollte.

Mit der Musik dazu fährt "I am the man" ein Kontrastprogramm, das schon für sich allein zu einer vielfältigen und vielfältig beeindruckenden Platte gereicht hätte, aber vor allem in ihrem Pass- und Gegenspiel mit Whites Texten zu einem der besten Alben des bisherigen Jahres wird. Das Carole-King-Cover "I didn't have any summer romance" weist vorsichtig darauf hin, dass ein kurzer Urlaubsflirt immer noch besser ist als gar keine Action, und die Bläser hinter dem Song klingen so weit weg, als steckten sie wirklich noch im letzten Sommer fest. "The American war" tadelt die Politik- und umarmt die Kriegsmüdigkeit in Whites Heimat zu einem geduldig ausgemessenen Jazz-Arrangement, und "Roses are not red" ist die Art von verbitterter Weisheitensammlung, mit der man Poesiealben wegätzen kann. White singt sie, als könnte sie es auch nicht ändern.

Das Gegenstück zu diesem Lied heißt "Sweetest lovesong", wird vier Tracks später nachgereicht und hätte auch auf Cat Powers Memphis-Album "The greatest" gepasst. Zwar hat White keine teure Veteranenband hinter sich, aber dafür Produzent Mark Nevers an ihrer Seite, der schon Lambchop- und Will-Oldham-Platten beim Ausschmücken unterstützte. Hier hilft er nun etwa dem bedrohlich brodelnden "Great imperialist state", das sich für die Verhältnisse dieses sehr feingliedrigen Albums zu einem geradezu bösartigen Finale hochschaukelt. Dass "I am the man" aber auch nackt funktioniert, zeigt am Ende das Titelstück: White verabschiedet sich von der Realität, lässt alles außer ihrer Akustikgitarre zurück und startet eine eigene Republik. "Open your throat and sing like a bird" - man will sofort ein Bewerbungsschreiben als Popbeauftragter aufsetzen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • I didn't have any summer romance
  • The American war
  • Great imperialist state
  • I am the man

Tracklist

  1. I didn't have any summer romance
  2. Worm was wood
  3. The beep beep song
  4. The American war
  5. Roses are not red
  6. Great imperialist state
  7. Mary Jane
  8. You may be in darkness
  9. Sweetest lovesong
  10. We used to stand so tall
  11. Why is your raincoat always crying
  12. Only the moon
  13. I am the man

Gesamtspielzeit: 42:55 min.

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