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Ghost Of Tom Joad - No sleep until Ostkreuz

Ghost Of Tom Joad - No sleep until Ostkreuz

Richard Mohlmann / Indigo
VÖ: 08.02.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Freie Energien

Wie war das neulich noch im Telekolleg Physik? Richtig: In einem abgeschlossenen, konservativen System wird die Gesamtenergie vielleicht umgewandelt, bleibt dabei aber stets konstant. Was das soll? Gute Frage. Denn zunächst kommt man bei Rockmusik mit physikalischen Allwetterweisheiten nicht weit. Man erlebt immer wieder das Überborden der Systeme und Gleichungen. Die Momente, die aus der Ordnung ausbrechen und nicht nur emotional, sondern auch in Relation zum wissenschaftlichen Rahmen absolut unerklärbar scheinen. Womit dieser seine Dominanz bestenfalls ex negativo bestätigt finden dürfte. Gleich darauf hört man eine Band wie die Münsteraner Ghost Of Tom Joad. Protegiert von Muff Potters Dennis Schneider, befindet sich ihr Debüt "No sleep until Ostkreuz" genau auf der Grenze zwischen Übermaß und Abhängigkeit. Und es haut, zumindest physikalisch, irgendwie gar nichts mehr hin.

Denn "No sleep until Ostkreuz" zeigt sich ambitioniert und beschlagen. Aber auch etwas schwindsüchtig. Da beginnt das eine oder andere Lied zu viel im Disco-Punk-Beat mit windschnittig geschlagenen Gitarren der urbritischen Prägung. Wird in den Strophen ein- bis viermal zu häufig der abgestoppte Achtelnoten-Dauerbrenner ins Strohfeuer gegossen, um gerade mal klarzustellen, was Ghost Of Tom Joad letztlich sind: eine vor allem harmonisch recht typische Emo-Band. Dazu tönt die Stimme von Sänger Henrik Roger zwar stets sehr deutlich, versiert und ansehnlich, setzt sich aber nur selten einmal in intensive oder gar kampfbereite Beziehung zu Texten und Songs. Auch die Refrains gehen nicht immer gewünscht heilsam auf. Was diese Songs wollen und was sie versprechen, vergessen sie immer mal wieder oder können sie nicht wirklich halten. Das Bemühen aber ist stets spürbar und ehrenhaft.

Paradebeispiele sind Lieder wie "The ending" und "I'll be there", die ihren Weg kennen und konsequent zu Ende gehen. Auch "On the radar" ist eine wahre Tretmühle an Innerlichkeit, kann sich aber gegen die Klischees stattlich behaupten. Und auf "Porta Westfalica" und "Survivre n'est pas vivre" passt die Verklappung von englischer Fungi-Frisur ünd amerkanischer Jammerlottigkeit vortrefflich zusammen. Auch Rogers Stimme bricht sich hier lieber ihr Schambein, als zu wenig von ihrem Volumen auszustellen. Ansonsten aber wird auch öfter mal ein klappriger Kleinwagen quer über mehrere Großspuren gesteuert. Der Grünstreifen ist entsprechend weit entfernt. Der Horizont allerdings auch.

Für den Moment erscheint "No sleep until Ostkreuz" deshalb einen Tick zu bieder und sachkundig. Man ist in der Tat erstaunt, dass so etwas auf einem Debüt möglich ist. Dann aber beinahe enttäuscht, weil es auf Anhieb zu glatt funktioniert. "No sleep until Ostkreuz" kann so zwar eine Menge Spannung produzieren, sie aber nicht immer halten, kann aufrütteln und Platz fordern. Aber als Energie, die sich nicht speichern oder gewinnbringend umwandeln lässt, verpufft das Resultat. Das - allerdings - funktioniert auch als Kompliment: Entropie - c'est la vie.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • The ending
  • I'll be there

Tracklist

  1. Why not why not why not yeah!
  2. Renegades of love
  3. Köln - Brüssel - Paris
  4. Unterwegs
  5. Stop my head
  6. Is this what you call a Fronterlebnis?
  7. The ending
  8. Survivre n'est pas vivre
  9. Learning by dying
  10. I'll be there
  11. Porta Westfalica
  12. On the radar
  13. Hell is other people

Gesamtspielzeit: 45:11 min.

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