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Mr. Hudson & The Library - A tale of two cities

Mr. Hudson & The Library - A tale of two cities

Mercury / UMIS / Universal
VÖ: 14.09.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Zwischen den Regalen

Altehrwürdige Holzregale, tonnenschwer beladen mit hochtrabenden Gedanken, gebannt in edlen Folianten. Stirne kräuseln sich im Lampenschein über komplexen Sachverhalten. Niemand singt oder tanzt. Selbst leises Summen wird mit finsteren Blicken quittiert. Verhärmte Aufseherdamen mit strengem Dutt zischen beim leisesten Laut. Bibliotheken wie jene der Elite-Universität Oxford sind keine Diskotheken und wahrlich nicht bekannt als Orte beschwingten Feierns, lustig federnder Grooves und zuckender Tanzbeine. Doch taugen sie durchaus als veritabler Nährboden für ausgefuchste Popnummern.

Denn mit "A tale of two cities" hat Ben Hudson, Oxford-Alumnus in englischer Literatur, selbst Bibliothekar von Beruf und darüber hinaus Sänger sowie Haupthirn der Band Mr. Hudson & The Library, einen erstaunlich vielschichtigen, lebendigen und tanzbaren Reigen cleverer Songs ersonnen, dessen versponnene, quirlige Arrangements sich trefflich eignen, manchen Mief von tausend Jahren aus den Talaren und wolkenweise altehrwürdiger Staubpartikel aus Bücherregalen zu pusten. Ein Dutzend versponnener, erfrischender Songs hat Hudson mit seinen vier Mitstreitern aus dem Ärmel geschüttelt. Darin wildert er in verschiedensten Genres und verschmilzt die Versatzstücke wie selbstverständlich.

Klug, entspannt, unaufdringlich und nirgends effekthascherisch ist "A tale of two cities" eine Wundertüte beschwingter Nachdenklichkeit. Ein wenig, als schüttele ein Barkeeper trockenen Rotwein, Stout und Bacardi Breezer durcheinander. Nur mit weit geschmackvollerem, magenschonenderem Ergebnis. Ben Hudson durchgleitet mit sanftrauem Tenor seine Ohrwurm gewordenen Verse. Dazu schmiegt sich mal abgehangenes, leicht windschiefes Jazz-Piano an verträumte Bossa-Grooves, dann hüpfen pausbäckige Bläsersätze zu HipHop-Beats, bohèmer Dance-Pop kungelt mit kernigem Soul oder akustischem Trip-Hop. Geschmeidigen New Wave-Riffs wird ein Salsa-Kragen geschneidert, und auch karibische Steel-Drums durchplinkern vergnügt manchen Takt. Mit wundersanften Balladen wie "Picture of you" und wiggeligen Tanznummern wie "Too late, too late" oder "Take us somewhere new" ist "A tale of two cities" ein faszinierendes Mischwesen zwischen Herbstlaub und Sommersonne. Zwischen nebelverhangenen Arbeitersiedlungen in Mittelengland und Südseestrand. Zwischen Tanzfläche und Bücherregalen.

Denn ihren besonderen Reiz ziehen die Songs neben den vielschichtig verspulten Arrangements nicht zuletzt auch aus den originellen, schlauen Texten. Voll poetischem Witz nimmt Hudson Zwischenmenschliches und murphyeske Alltags-Erlebnisse auf's Korn. Selten war ein Liebeslied so entwaffnend ehrlich und auf so liebevolle Weise uncharmant wie "Cover girl", in dem Hudson singt: "You'll never be a cover girl / Just facing facts: your face isn't right / But I'll never want another girl / Now I've seen you in that light." Auch "A tale of two cities" wird Bibliotheken nicht in Tanztempel und diese umgekehrt nicht in Denkfabriken verwandeln. Schade eigentlich.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Take us somewhere new
  • Too late, too late
  • Cover girl
  • Picture of you

Tracklist

  1. On the street where we live
  2. Take us somewhere new
  3. Too late, too late
  4. Everything happens to me
  5. Cover girl
  6. 2 x 2
  7. Bread + roses
  8. Ask the DJ
  9. Picture of you
  10. One specific thing
  11. Ghosts
  12. Upon the heath

Gesamtspielzeit: 45:57 min.