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Sunset Rubdown - Random spirit lover

Sunset Rubdown - Random spirit lover

Jagjaguwar / Cargo
VÖ: 19.10.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Durch die Pusteblume

Lippenstiftnachrichten auf Badezimmerspiegeln sind romantisch, Zahnpastanachrichten auf verwackelten Fotos sind Sunset Rubdown. Es ist eigentlich gerade der unmglichste Zeitpunkt fr eine neue Platte von ihnen, weil der Vorgnger "Shut up, I am dreaming" erst vor ein paar Wochen in Deutschland verffentlicht wurde. Aber das Leben ist halt hart, daran lsst diese Band ohnehin keinen Zweifel aufkommen, und nun muss man da eben durch. "Da" heit in diesem Fall: Lieder, die sich weit weg trauen von der brigen Popsongherde, aber niemals ganz verloren gehen. Ein galoppierendes Klavier, das auf "Random spirit lover" eine kleine Auferstehung feiert als legitimes Rockmusikinstrument. Und Spencer Krug natrlich, der ja lngst den Taktstock des Indierocks in der Hand hlt. Schauen Sie nur, wie er sich jetzt schon wieder damit in der Nase bohrt.

Um Ordnung in den Laden zu bringen: Sunset Rubdown sind das aufregendste der vielen aufregenden Krug-Projekte, weil sie den gleichen Sockenschuss haben wie Swan Lake und Frog Eyes, aber auch dem verhltnismig ausgeprgten Putzfimmel von Wolf Parade nicht vollkommen ratlos gegenberstehen. Krug schreibt hier schwierige und fordernde bis nervttende Lieder, aber er vergisst niemals, alle zu belohnen, die trotzdem dran bleiben. Das geradezu grotesk gute "Up on your leopard, upon the end of your feral days" beginnt etwa als blo gestellte Marschmusik, steigert sich aber schnell in einen Kraftakt hinein, der beispielhaft ist fr die rohe, ungewaschene Emotionalitt von "Random spirit lover". Vieles hngt da ab von Krugs Stimme und ihrem Eigenleben zwischen Hadern, Flehen und Handstand-berschlag. Man kann jetzt nicht direkt behaupten, er htte sie immer im Griff.

Es gibt hier also einige Tapferkeitsmedaillen abzugreifen, aber Angst muss vor Sunset Rubdown niemand haben - streng genommen sind sie auch nicht viel verrckter als das "Some loud thunder"-Album von Clap Your Hands Say Yeah. Und obwohl "Random spirit lover" einen sehr groen Aufwand betreibt, um seine Lieder zu benebeln, kann man sich zumindest jedes Mal einbilden, eine vage Ahnung davon zu haben, worauf es hinaus will. Die Raserei, das hilflose Rudern der Instrumente und die mutwillige Sachbeschdigung schuldloser Rock- und Popsongs: Am Ende sind sie der zersprungene Spiegel, den Krug und Co. einer "normalen" Welt vorhalten, die natrlich zu keiner Sekunde rafft, dass hier nur nachgespielt und vertont wird, wie sie im Kopf eines Mannes klingt, der sein Zeug besser beisammen hat, als man zunchst glauben mchte.

Sptestens der Titel des letzten, ungewhnlich ruhigen und wendungsarmen Stcks "Child-heart losers" deutet auf eine naive Unschuld hin, die vielleicht auch Sunset Rubdown irgendwann verloren haben und nun mit "Random spirit lover" fr sich zurckerobern. Die Folgen wiederum sind natrlich mindestens jugendgefhrdend: Mehr als einmal lsst das Album den Kick ber die Vernunft triumphieren, nie kme es auf die Idee, seine wenigen selbst aufgestellten Regeln bermig ernst zu nehmen. Das entgleiste Geisterbahn-Finale des unheilvollen "Colt stands up, grows horns" ist deshalb nichts fr Kinder, und der Neurosen-Cocktail von "The mending of the gown" setzt seinen schizophrenen, paranoiden, blutrnstigen Text mit so viel Leichtigkeit um, dass Gitarre und Klavier ernsthaft darber nachdenken sollten, sich ein Zimmer zu nehmen. Es wre nicht die erste Sauerei, die mit Sunset Rubdown passiert.

Inmitten dieser Turbulenzen kommen die Lieder von "Random spirit lover" immer wieder vollstndig zum Erliegen und sortieren sich in neuen Formationen, deren Lebenserwartung natrlich niemals weiter als bis zum nchsten Refrain reicht. Besonders "For the pier (and dead shimmering)" schwingt sich zu einem Parforceritt ber die blitzenden Rasierklingen auf, die man sich auch mit durchschnittlicher Phantasie leicht unter dieser Platte vorstellen kann. Flieende bergnge davor und danach, grozgig variierte Leitmotive und selbstreferenzielle Texte ber die Plagen des Musikmachens rcken die Lieder noch enger zusammen. Aber selbst wenn man sich den Dingen gar nicht widmen will, die hier unter der Hand mitverhandelt werden, bleiben einem zwlf uneingeschrnkt geile Rocksongs, wie sie 2007 nicht mal Modest Mouse in einem solchen schweinassen Wahnsinn inszenieren konnten. "Way to go" - im wahrsten Sinne der Worte.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • The mending of the gown
  • Up on your leopard, upon the end of your feral days
  • For the pier (and dead shimmering)
  • The taming of the hands that came back to life

Tracklist

  1. The mending of the gown
  2. Magic vs. midas
  3. Up on your leopard, upon the end of your feral days
  4. The courtesan has sung
  5. Winged/wicked things
  6. Colt stands up, grows horns
  7. Stallion
  8. For the pier (and dead shimmering)
  9. The taming of the hands that came back to life
  10. Setting vs. rising
  11. Trumpet, trumpet, toot! Toot!
  12. Child-heart losers

Gesamtspielzeit: 58:31 min.

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