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Justice - †

Justice - †

Ed Banger / Warner
VÖ: 20.07.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

... And Justice for all

Konzerte von Justice sind eine Ehrfurcht gebietende Angelegenheit. Am Anfang ist der Raum nachtschwarz und nur ab und an flackert ein Licht auf, in dessen Schein ein Kreuz auf der Bühne zu sehen ist. Dann ertönen die mächtigen Synthiefanfaren aus dem Track "Genesis" und geben einem das Gefühl, ein Todesstern sei im Anflug oder der schwarze Monolith aus Kubricks Space-Epos "2001 – Odyssee im Weltraum" wachse gleich aus dem Boden. Parallel dazu beginnt das Kreuz gleißend hell zu leuchten. Wenn dann der alles platt walzende Distorsionsbeat einsetzt, ist die Meute sofort voll da. Der Saal reißt geschlossen die Arme hoch und huldigt den beiden Franzosen Gaspard Augé und Xavier de Rosnay wie das alte Rom seinen Heerführern beim Triumphmarsch.

Im Breitwandformat kommt dann auch die Musik daher. Orgelnde Synthieflächen in bester Daft-Punk-Manier wechseln mit Zerstörerbeats, die immer wieder aufgeschreckt werden durch eingestreute Störgeräusche. Die Tracks erinnern darin an eine Gruppe Rocker, die breitbeinig durch die Straßen ziehen, plötzlich durch einen Schlag ins Gesicht niedergestreckt werden, sich aber wieder aufrappeln und im Delirium um die eigene Achse taumeln, um dann schnurstracks grölend in die nächste Bar einzufallen. Passend dazu gibt’s von ihrem Label Ed Banger die Aufnäher für die Kutte. Justice pusten ihren Fans aber nicht allein mit Härte ein Loch in den Schädel, sondern bringen ihnen auch mit ordentlich Funk, Disco und äußerst einprägsamen Popmelodien den Hüftschwung bei.

Dieses stete Pendeln zwischen Rage Against The Machine und Lionel Richie macht die Qualität ihres Debütalbums "†" aus. "Let there be light" und "Waters of Nazareth" lassen mit ihren extrem übersteuerten und verzerrten Soundwänden die Scheiben im Rahmen klirren. Zwischen diesen beiden Clubzerstörern aber feiern in "D.A.N.C.E." die Jackson 5 in Begleitung von Phoenix ihr unerwartetes Comeback, über das sich im Hintergrund ein bei The Go! Team geliehender Kinderchor freut. Auf "Tthhee ppaarrttyy" steuert Labelkollegin Uffie ihren Lolitasex bei und "DVNO" endet mit einem Slapbass-Solo, das auch Mark King von Level 42 gut zu Gesicht gestanden hätte. Schade für ihn, dass er im folgenden "Stress" ohne Vorwarnung von einem Schwarm durchgeknallter Killerbienen heimgesucht wird.

Dennoch werden wohl einige das Näschen rümpfen und sagen: "Das haben XY aber schon musikalischer, breiter instrumentiert, mit variableren Beats und was nicht allem hingekriegt." Das ist unwidersprochen richtig, aber auch wenn Subtilität nicht ihr Metier ist und obwohl sich der typische Verzerrersound samt scharfer Hi-Hat und einem stumpfen Bassdrumklopfen durch alle Tracks zieht, passieren doch eine ganze Menge gewitzter Dinge drumherum, die für die nötige Abwechslung sorgen. Und abgesehen davon haben Justice wohl nicht zuletzt dank Pedro Winter, dem Manager von Daft Punk und Gründer von Ed Banger, verstanden, was Rockstars ausmacht: eine gute Portion Größenwahn.

So haben sie die größten leuchtenden Kreuze, die schwärzesten Cover, die brachialsten Beats, den dreckigsten Funk und feiern die irrsinnigsten Partys. Niemals schwankten Synthesizer gewagter zwischen Zwitschern, Tirilieren, Kirchenorgel, Gitarre oder reiner Übersteuerung als hier. Daher kommt man in diesem Sommer an Justice nicht vorbei, wenn man sich auch nur ein bisschen für elektronische Clubmusik interessiert und statt epischem Minimal-Techno-Geklöppel à la Ricardo Villalobos auch mal Tracks hören will, zu denen man die Faust in die Luft recken kann, die einem genüßlich die Fresse polieren und trotz aller Stumpfheit dennoch Pop sind. Tracks in Großbuchstaben, die auf intellektuellen Ballast verzichten und mit einem Wort schlicht das hier sind: MAKROFUN.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • D.A.N.C.E.
  • Phantom
  • Tthhee ppaarrttyy
  • Waters of Nazareth

Tracklist

  1. Genesis
  2. Let there be light
  3. D.A.N.C.E.
  4. Newjack
  5. Phantom
  6. Phantom pt II
  7. Valentine
  8. Tthhee ppaarrttyy
  9. DVNO
  10. Stress
  11. Waters of Nazareth
  12. One minute to midnight

Gesamtspielzeit: 48:13 min.

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