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Dntel - Dumb luck

Dntel - Dumb luck

Moshi Moshi / Cooperative / Rough Trade
VÖ: 08.06.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Accidntel deth

Die traurigste Geschichte, die einem zur ohnehin schon traurigen Dntel-Musik einfallen könnte, würde wahrscheinlich so gehen: One-Man-Maniac Jimmy Tamborello leidet gar nicht an chronisch anderweitiger Überbeschäftigung, er hat sich auch keinen Vaterschaftsurlaub genommen oder ist ganz allgemein ein schlimmer Faulenzer. Dass "Dumb luck" die erste Dntel-Platte seit sechs Jahren ist, hat vielmehr damit zu tun, dass es solange gedauert hat, das Geld für die Gästeliste zusammenzusparen, die sich der Nachfolger der elefantösen Electro-Pop-Hochzeit "Life is full of possibilities" an die stolz geschwellte Brust tackern kann. Markus Acher (The Notwist), Valerie Trebeljahr (Lali Puna), Ed Droste (Grizzly Bear) - solche Leute wollen natürlich in angemessenen Hartgeldrollen bezahlt werden. Conor Oberst, Jenny Lewis (Rilo Kiley) - diese Kaliber kann sich ohne Kreditaufnahme ja sowieso nur der FC Bayern leisten.

In echt: Wenn Tamborello anruft, lässt niemand erstmal die Mailbox rangehen. Wenn dieser Mann kooperieren will, braucht er nicht dafür zu bezahlen. Der wahre Grund für Dntels gemütlichen Veröffentlichungsrhythmus ist ein ganz banaler. Es braucht einfach seine Zeit, Musik wie die auf "Dumb luck" herzustellen. Schon das Titelstück klingt wie mit wackliger Linkshänderschere zugeschnitten. Ein Flirren und Bibbern, eisig, teilnahmslos und doch sehr ohrnah zersungen von Tamborello himself. Die Akustikgitarre, großzügig umfahren von einem elektrischen Gegenstück, der frei schwebende Ba-Ba-Ba-Chor, der züchtige Beat, der aus der Mitte dieser Andächtigkeiten geboren wird - das sind dann die Dinge, mit denen "Dumb luck" aufwändig wird. Alles hier trägt Unterhemd, Nierenwärmer und Extrasocken. Nichts an dieser Platte käme auf die Idee, einfach so ohne Fundament und Überbau da zu sein.

Man hört ihr das auch an, die Arbeit, die Ambitionen, den Willen zum Detail. "To a fault" erscheint trotzdem nicht überladen, versteckt Streicher und Glockenklingeln sehr weit unter dem Track und packt auch seine fragilen Vocals nicht eben zaghaft an. Auch Trebeljahr und Acher tragen nach dem hochkomplex konstruierten Auftakt keine Leichtigkeit ins Album. Ihr melancholisch neben sich stehender Gesang aus "I'd like to now" endet nach weiten Wegen im Geräuschnebel ausgestöpselter Gitarren. Für Jenny Lewis und "Roll on" pumpt der Beat dann doch sehr offensiv. Selbst dieses Stück aber befallen die Nicklichkeiten aus Tamborellos Laptop schnell wieder von allen Seiten.

Es ist dann folgerichtig nicht mal die größte Leistung von "Dumb luck", dass sich "Natural resources" erfolgreich in The Notwists "Shrink"-Phase selbstbedient. Was diese Platte am Leben hält, ist ihre unumstößliche Ahnung davon, wie und wo sie einen ins Herz pieksen muss. Kein Zischeln passiert hier grundlos, kein Mausklick führt ins Leere, nichts lässt sich einreden, dass es eigentlich gar nicht da sein sollte. Vielleicht wäre das eh klar und mit jeder Platte so, wenn sich alle Musiker fünf Jahre pro Album Zeit ließen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass weniger begabte Organisatoren als Tamborello ihr halbes Leben an einem Puzzle wie "Dumb luck" hocken könnten, und nicht mal die vier Eckstücke fänden.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Dumb luck
  • To a fault
  • Natural resources

Tracklist

  1. Dumb luck
  2. To a fault
  3. I'd like to now
  4. Roll on
  5. The distance
  6. Rock my boat
  7. Natural resources
  8. Breakfast in bed
  9. Dreams
  10. Everything's tricks

Gesamtspielzeit: 45:25 min.

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