Archivsuche

Listen

Suche bei Amazon

Partnerangebote



skyscraper_free_trial


Mein BASE


www.titus.de

eXTReMe Tracker

Rufus Wainwright - Release the stars

Rufus Wainwright - Release the stars

Geffen / Universal
VÖ: 01.06.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Deine Stimme zählt

A knight at the opera

"I'm your knight in shining armor. I'm here to save you from Linkin Park!", hatte Rufus Wainwright heldenhaft verkündet, als 2004 sein Meisterwerk "Want one" erschien. Und nun sind es ausgerechnet Linkin Park, die ihm im Vereinigten Königreich seinen ersten Chart-Triumph ever vermasselt haben: "Release the stars" musste sich damit begnügen, nur auf Platz zwei - hinter "Minutes to midnight" - in die UK-Hitliste einzusteigen. Trotzdem ist dieses unerwartete Gipfeltreffen eher erstaunlich, als enttäuschend - denn massenkompatibel oder gar kommerziell war Wainwright schließlich noch nie. Vermutlich ist es dem Erfolg seiner zumindest annähernd unkonventionellen Labelkollegen Scissor Sisters und Mika zu verdanken, dass "Release the stars" endlich die Aufmerksamkeit geschenkt wird, die Wainwrights vier vorherige Alben auch schon mehr als verdient gehabt hätten.

Kostümwechsel. Statt in Ritterrüstung, posiert er nun in feschen Lederhosen - und das nicht ohne Grund: Wainwright hat ein Faible für deutsches Kulturgut, verehrt Beethoven, Wagner und Marlene Dietrich, singt auch gerne mal ein Liedchen aus dem Brecht-Weill-Fundus und ist großer Thomas-Mann-Fan. Es war also bloß eine Frage der Zeit, bis er auf die Idee kommen würde, seine fünfte Platte im alten DDR-Rundfunkgebäude in Berlin-Köpenick aufzunehmen. Toningenieur Tom wurde aus den USA importiert, im Producer-Ohrensessel nahm dieses Mal der Künstler höchstpersönlich Platz und Neil Tennant stand als Berater zur Seite - was niemand erahnen würde, denn hier klingt wirklich gar nichts nach den Pet Shop Boys.

"Do I disappoint you / In just being human?" - man war nicht darauf vorbereitet, gleich zu Beginn so eine ungewöhnlich kleinlaute Frage gestellt zu bekommen. Von einem, der gerade im Auftrag der Met seine erste Oper schreibt, an ausverkauften Judy-Garland-Tribute-Abenden in London, Paris und New York Hof hält und natürlich auch das Albumcover von "Release the stars" wieder selbst gestaltet hat. Musikalisch steht der Opener allerdings überaus selbstbewusst in der Tradition von "Oh what a world": episch, verschwenderisch orchestriert, wunderbar over the top; mit Streicherarmada, wahnsinnigen Nebelhornbläsern, Spielmannszug-Glockenspiel und einer göttlich dramatischen Martha Wainwright, die im Hintergrund "Chaos!" und "Destruction!" kräht.

Im beinahe spartanisch instrumentierten "Going to a town" gesteht Wainwright "I'm so tired of America" und macht trotzdem keine politische Angelegenheit daraus - sondern erzählt die Geschichte einer enttäuschten Liebe. Das federleicht perkussive Harfenfest "Tiergarten" ist ebenso eine Hommage an Berlin, wie das Rokoko-poppige "Sanssouci", auf das im Palast nicht nur Cha-Cha-Cha getanzt werden könnte, sondern bei dem man sich glatt einbilden könnte, dass Friedrich der Große selbst die tirilierende Flöte spielt. Schauspielerin Sîan Phillips hingegen hat tatsächlich mitgemischt und raunt die letzte Strophe der süffisanten Apokalypsenphantasie "Between my legs", die mit einer zappelnden Gitarre beginnt und mit einem monumentalen "Phantom der Oper"-Zitat endet.

"Nobody's off the hook", ein zauberhaft arrangiertes Stück Kammermusik, ist mit Abstand der klassischste Moment auf "Release the stars", gefolgt von "Leaving for Paris no. 2", das mit perlendem Klavier und patrouillierendem Kontrabaß dem Kunstlied im Sinne Franz Schuberts huldigt. "Not ready to love" nimmt unprätentiösen Folk unter die Zeitlupe und dann wäre da noch die wahre Geschichte von "Tulsa": Eine entzückende Piano-Streicher-Hysterie, die Brandon Flowers an eine denkwürdige Nacht erinnern soll. Fragen Sie nicht. Das Finale wartet mit Glitterregen, brillantem Big-Band-Bombast und der Erkenntnis auf, dass Rufus Wainwrights Mutter Kate McGarrigle allen Grund dazu hat, ihrem Sohn - wie dieser gerührt verrät - "You're great!" ins Ohr zu flüstern. Auch wenn er gegen Linkin Park machtlos ist.

(Ina Simone Mautz)

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Do I disappoint you?
  • Nobody's off the hook
  • Between my legs
  • Release the stars

Tracklist

  1. Do I disappoint you?
  2. Going to a town
  3. Tiergarten
  4. Nobody's off the hook
  5. Between my legs
  6. Rules and regulations
  7. Not ready to love
  8. Slideshow
  9. Tulsa
  10. Leaving for Paris no.2
  11. Sanssouci
  12. Release the stars

Gesamtspielzeit: 55:14 min.

Threads im Plattentests.de-Forum