Archivsuche

Listen

Suche bei Amazon

Partnerangebote



skyscraper_free_trial


Mein BASE


www.titus.de

eXTReMe Tracker

Chris Garneau - Music for tourists

Chris Garneau - Music for tourists

Absolutely Kosher / BB*Island / Cargo
VÖ: 02.03.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Trick and treat

Eigentlich hat man gar keine Reise gebucht, hat weder Urlaubstage im Kalender rot umkringelt, noch Koffer gepackt. Hat keine Devisen getauscht, keine Zeitung abbestellt, keinen Blumengießer auserkoren. Eigentlich kann man gar nicht weg. Aber Chris Garneau fragt nicht, er entführt einfach. Mit beinahe geflüstertem, hauchzartem Knabentenor, mit filigranen Scherenschnittkunstwerken, die er aus den Klaviertasten zaubert, und mit Geschichten, bei denen man unmöglich weghören kann - "Me crying in my underwear / On the morning of Halloween / Like a story out of People Magazine."

Garneau ist unberechenbar. Für Promo-Fotos posiert er mit Spielzeug-Pumpgun im East River, lädt Cello und Kontrabass zur Seelenentrümpelung ein und bekommt Harmoniewendungen hin, die den Trick mit der beiläufigen Eleganz aus dem Effeff drauf haben. Und trotzdem: kein Netz, kein doppelter Boden, kein Make-Up. Meistens ist da nur ein Mann am Klavier. Ein Mann mit Kleinjungenträumen und Großgrundbesitzergefühlsdramen, die in kein Bierglas mehr passen.

Produzent Duncan Sheik hat dankenswerterweise höchstens einen halben Finger krumm gemacht - man hört auf "Music for tourists" das charmante Knarzen des Klavierhockers, ein hupendes Auto aus dem studionahen Brooklyner Holland Tunnel, den grollenden Donner einer Sommernacht - oder auch mal den Hauptakteur husten. Und trotzdem: kein ungeschliffener Ton, keine Mittelmaßkonfektion, keine Bequemlichkeiten. Im Land der unbegrenzten Fortpflanzungsmöglichkeiten wäre Chris Garneau ein Wunschkind von Sufjan Stevens, Antony und Regina Spektor.

"Castle-time" erzählt von der Herausforderung, seinen eigenen Schützengraben zu überwinden. Der Kontrabaß reibt sich dazu die Nostalgie aus den Augen, und das Klavier füllt ruhig und besonnen Mut in Wärmflaschen. "The passers-by are not kind / But the sky is sublime." Die Erleichterung folgt direkt auf dem Fuße, "Relief" könnte man einem Laien auch locker als Elliott-Smith-Cover verkaufen. A propos: Als Hidden Track gibt es eine würdige Version von "Between the bars".

Die hinreißende Piano-only-Nummer "Black & blue" plaudert zögerlich Garneaus musikalische Vergangenheit aus: Bevor seine Freunde von Xiu Xiu ihm zu einem Plattenvertrag bei Absolutely Kosher verhalfen, sang er in einem Broadway-Musical. Und trotzdem: kein prätentiöser Prunk, keine einstudierten Posen, keine eitel glänzende Politur. Höchstens ein gelegentlicher Hauch von bordeauxrotsamtigem Cabaret-Vaudeville-Flair.

"Baby's romance" kennt den kürzesten Weg von der Dunkelkammer-Miniatur zum stadionkompatiblen Popsong. Verrät ihn aber natürlich nicht. Und dann schickt Garneau in "Halloween" auch noch gleich einen ganzen Jugendchor an die Haustür. Der fordert allerdings keine Süßigkeiten, sondern neutralisiert in vier Minuten und einundfünfzig Sekunden sämtliche Gemütsübersäuerungen: "Wake up tomorrow / And feel new." Die ungeplanten Reisen sind doch immer wieder die schönsten.

(Ina Simone Mautz)

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Castle-time
  • Black & blue
  • Baby's romance
  • Halloween

Tracklist

  1. Castle-time
  2. Relief
  3. Black & blue
  4. Saturday
  5. So far
  6. First place!!!
  7. Hymn
  8. Baby's romance
  9. Not nice
  10. Blue suede shoes
  11. We don't try
  12. Sad news
  13. Halloween

Gesamtspielzeit: 56:56 min.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum