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Final Fantasy - He poos clouds

Final Fantasy - He poos clouds

Tomlab / Indigo
VÖ: 19.05.2006

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

A little longing goes away

Es ist dann jetzt offiziell so weit. Nach all den Jahren. Owen Pallett hat uns dort hingebracht, wo wir schon längst wären, wenn wir mal auf unsere Musiklehrer gehört hätten. Klassische Musik. Oder zumindest so etwas Ähnliches. "Has a good home", Palletts Debüt als Ein-Mann-Orchester Final Fantasy, hatte da schon erste Andeutungen gemacht. Der Mann, die Geige und das wundersame Fußpedal. Aber erst jetzt und mit der zweiten Platte läßt sich Pallett wirklich in die Karten blicken. Fingerspitzenvorsichtige Arrangements für Streicherquartett, Bläser, Klavier und Percussion. Von daher Kudos an Herrn Jehmlich, Frau Weber, Herrn Arzdorf und wie sie alle hießen. Auch wenn keiner von ihnen gemocht hätte, daß die Platte unserer Erleuchtung "He poos clouds" heißt.

Was Pallett nun aber doch unterscheidet von, na, sagen wir mal Beethoven, Mozart und den anderen: Er hat mitgekriegt, wohin sich die Musik in den letzten paar hundert Jahren bewegt hat. Nicht, daß wir einem der oben genannten das Wissen um diese Entwicklungen zumuten wollten. Aber man sollte sich wohl schon soweit auskennen, daß man Rock und Pop nicht für Kutschenbauer hält, um auf die Idee zu kommen, die hinter "He poos clouds" steckt. Wer diese Platte gehört hat, soll nie wieder einen Gedanken an Selbstmord verschwenden, sagt Pallett. Und es ist ja auch so: Wenn einem zu Zeilen wie "Your rock'n'roll has gone away" die Schauer den Rücken runterjagen, dann hat man wirklich erstmal andere Sorgen.

Wo diese findig komponierten und ausgewogen arrangierten Stücke sonst so von klassischer klassischer Musik abweichen? In ihrer Bündigkeit natürlich, dem Verzicht auf jede Theatralik und einer schier furchteinflößenden Intimität, die kaum weiter weg sein könnte von der hochauflösenden Präzisionsmusik, die heutzutage meist entsteht, wenn vier Menschen mit Streichinstrumenten zusammengesetzt werden. "This lamb sells condos" etwa hüpft auf einem Bein über sein Klavier, der Knabenchor dazu hat in seiner Klarheit etwas unberuhigend Zombiehaftes an sich. Und wirklich - spätestens wenn das jenseitige Schweben von "If I were a carp" auch noch Palletts Stimme verwischt, ist das hier plötzlich richtige Horrorfilm-Musik. Man braucht schon Nerven für diese Platte.

Alles andere wird aber doch von Pallett selbst mitgebracht. Und deshalb ist es auch gar nicht so schwer, mit diesem Album zurechtzukommen, obwohl es noch nicht mal eine einzige Gitarre beinhaltet. Die mächtige Percussion des erstaunlich rustikalen "Song song song" hat ohnehin längst ihren eigenen Weg zu einer ziemlich ungestümen Art des Rockens gefunden; Palletts Geschrei aus dem Off, das wie ein Sack Tretminen über der Platte ausgeschüttet wurde, tut sein Eigenes zur Sache. Und wie egal das ja doch alles ist, das kann man nur von "The pooka sings" lernen, der unendlich unglücklichen Abschlußelegie von "He poos clouds". Pallett hebt ein Grab aus, das tief genug ist, um sein ganzes Album darin zu versenken. Und trotzdem wird da niemand freiwillig hineinspringen. Nicht nach dieser Platte. Versprochen ist versprochen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Arctic circle
  • This lamb sells condos
  • Song song song
  • The pooka sings

Tracklist

  1. Arctic circle
  2. He poos clouds
  3. This lamb sells condos
  4. If I were a carp
  5. ->
  6. I'm afraid of Japan
  7. Song song song
  8. Many lives -> 49mp
  9. Do you love?
  10. The pooka sings

Gesamtspielzeit: 37:25 min.

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