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Voltaire - Heute ist jeder Tag

Voltaire - Heute ist jeder Tag

Vertigo / Universal
VÖ: 17.03.2006

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Carpe diem

Wir haben Glück. Es gibt doch noch etwas anderes, als diesen nervigen "Wir sind alle so gut gelaunt"-Kram. Etwas, wo nicht das schnelle Glück im Vordergrund steht. Sondern das langsame Unglück. Eine Gitarre atmet ein, und fünf Minuten später ist die Welt ein schönerer Ort. Als sich der Nebel lichtet, stehen dort im matten Licht des Scheinwerfers fünf Männer aus Bonn. Mit gedankenverlorener Eleganz nesteln sie an ihren Instrumenten herum und erschaffen Momente. Momente des Trübsinns, Momente der Erhabenheit.

Als Voltaire vor ein paar Jahren den Kopf aus dem Proberaum steckten, wuchs diese Aura zunächst noch wie ein zartes Pflänzchen heran. Anfänglich kleine Triebe trauten sich in luftige Höhen vor und ließen ein paar seltsame Knospen sprießen. Der große Entwurf lag bereits in der Luft, und bald sammelte der große Musikgärtner Universal den sonderlichen Setzling ein. Um ihn wachsen zu sehen. Reifen zu lassen.

Es hat sich gelohnt. Erst kam mittels einer feinen EP die "Flut" und spülte ein paar glitzernde Songs mit dem Hang zur etwas größeren Geste ans Ufer. "Zerbrochene Fenster schreien mich an / Der Himmel verhangen von grauen Worten." Ein Erlebnis von faszinierender Zwiespältigkeit. Auf der einen Seite zerbrechliche Schüchternheit, auf der anderen entrückte Würde. Flirrende Gitarren, verspieltes Piano. Und das Versprechen nach mehr von diesem Wohlklang, das das jetzt erscheinende Album mehr als nur erfüllt.

Wenn Roland Meyer De Voltaire seine Impressionen ins Falsett kleidet und die Band in elegischem Zusammenspiel auseinanderdriftet und doch wieder zusammenfindet, schwirren erfreulichste Assoziationen herum. Radiohead, Jeff Buckley, Coldplay. Doch plumpes Namedropping ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Hier hat jeder Herzschlag eine eigene Persönlichkeit, jedes Crescendo verströmt Charisma.

Gleich das eröffnende "Zu schön" reitet auf Wogen des Eskapismus, "Asche" wehrt sich gegen die eigenen Gefühle, und ein "Kleines Mädchen" steht trotzig mitten in den Trümmern der Welt. Die kuschelige Videosingle "Augen zu" beobachtet eine andere junge Dame bei der Realitätsverweigerung. Auch die Texte glauben an das Unglaubliche. "Du bist schön wie ein Vampir / Glaubst Du, Du zerfällst im Licht?" Keine simplen Metaphern lauern in diesen Strophen und Refrains. Sind Worte denn für wahres Verständnis nicht ohnehin viel zu wenig? Es ist an der Musik, einen an der Hand zu nehmen. Und zu erklären: Aufruhr und Verlangen, Angriff und Verlust. Voltaire erwecken sie im Handstreich zum Leben.

In "Heute" steckt gleich die ganze Existenz der Band. Feingliedrige Melodiebögen, zerspringende Harmonien, aufbrandende Leidenschaft und ausgekostete Melancholie. "Heute ist jeder Tag", heißt es. Und schon ist jeder Tag etwas Besonderes. Wer Voltaire bislang begegnete, konnte die großen Erwartungen beinahe mit Händen greifen. Die Hoffnung, die Sehnsucht, die feierliche Illusion. "Wär das nicht doch / Viel zu schön / Um überhaupt in einer Dimension / Als leiser Traum zu existieren?" Es ist noch viel, viel schöner: Dieser Traum ist Wirklichkeit.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Zu schön
  • Asche
  • Flut
  • Kaputt
  • Heute

Tracklist

  1. Zu schön
  2. Asche
  3. Flut
  4. Tür
  5. Augen zu
  6. Stille
  7. Vampir
  8. Kaputt
  9. Wo
  10. Wie du willst
  11. Heute
  12. Kleines Mädchen
  13. Dummy

Gesamtspielzeit: 60:20 min.

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