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Fehlfarben - 26½

Fehlfarben - 26½

!K7 / V2 / Rough Trade
VÖ: 24.02.2006

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Geht voran

Atempausen? Haben sich die Fehlfarben etliche geleistet. Muß man nicht leugnen. Nach dem Knall-auf-Fall-Debüt mit "Monarchie und Alltag" im Jahr 1980 kam erst einmal der Ausstieg von Sänger Peter Hein. Bei allerlei Hin und Her ging es allen Hitparolen zum Trotz nicht wirklich voran. Danach der große Lenz und nur insgesamt sechs reguläre Studioalben in 26½ Jahren. Nicht gerade das, was man eine kreative Schaffensphase nennt. Aber Punk war ja auch immer irgendwie der Soundtrack zur Arbeitsverweigerung. Am Ende auch noch - nicht gerade unbeabsichtigt - den 25. Geburtstag verpennt. Aber Geschichte, die wurde dennoch gemacht. Die Fehlfarben spielten stets auf einem anderen Stern, der irgendwie nicht Deutschland hieß. Auch, wenn ihr "Es geht voran" sich bei ironiefreier Betrachtung doch so herrlich im Du-bist-Deutschland-Aufstiegsschwung machte. Wie sehr sie die popmusikalische Nachwelt der bundesrepublikanischen Gegenwart ganz praktisch beeinflussen, zeigt ihre aktuelle (und etwas andere) Best-Of-Sammlung.

"26½": Zum unrunden Geburtstag laden sich die Fehlfarben eine Wer-ist-Wer-Besetzung der deutschsprachigen Indie-Elite ins Haus. Kaum jemand fehlt. Und alle bescheren sie den Fehlfarben die Leihgabe Stimme. Die Musik dazu haben die Düsseldorfer eigenhändig eingepackt. Eine Fehl-Besetzung, so viel schon mal vorab, ist keiner der Beiträge. Auch wenn in manchen Momenten die Magie etwas auf der Strecke bleibt, indem der ursprüngliche Fehlfarben-Gestus seiner Zickigkeit beraubt wird.

Doch schon die ersten Songs des Albums warten mit Überraschungen auf. Das ist doch Herbert Grönemeyer, der da mit zackiger Stimme gewohnt "Grauschleier" interpretiert. Man kennt sich, veröffentlicht doch Fehlfarben-Keyboarder Kurt "Pyrolator" Dahlke auf Grönland. Dann singt Helge Schneider "Einsam", als sei er die deutsche Wiedergeburt von Johnny Cash. Auch das paßt irgendwie, denn beizeiten wirkt die Songlyrik der Fehlfarben manchmal ebenso schroff wie der Humor von Schneider. Tote-Hosen-Campino hat als Fehlfarbenverehrer der allerersten Stunde sowieso das Glückslos gezogen: Er darf "Paul ist tot" interpretieren, einen der stärksten Songs der Fehlfarben überhaupt. Düsseldorfer Punkrock von zwei Seiten.

Je später die Platte, desto schöner die Gäste. Wunderbar gerät Dirk von Lotzows Version von "Internationale" vom jüngsten Album "Knietief im Dispo". Das überhaupt recht gelungene Album ist auf "26½" mit dem tollen "Club der schönen Mütter" (mit Claudia Kaiser von den Moulinettes) und "Die kleine Geldwäscherei" (mit Bernd Begemann) gleich mehrfach vertreten. Sven Regener versucht sich als "Die falschen Farben" mit "Der Himmel weint" von der "Platte des himmlischen Friedens". Das klingt erstaunlich schön und so gar nicht mehr nach den Fehlfarben, wie man sie kennt. Die Verbindung: Element-Of-Crime-Trommler Uwe Bauer war früher eine Fehlfarbe.

So geht das weiter. Namedropping? Nils Koppruch von Fink ("Das sind Geschichten"), Frank Spilker von den Sternen ("Schlaflos nachts"), Francoise Cactus von Stereo Total ("(Geh) Du ran Du ran"), und Jochen Distelmeyer versucht sich am raren "Alkoholen". Es ist schon faszinierend, welch große Bandbreite von Künstlern den Fehlfarben hier die Ehre erweist. So gerät die Geburtstagsparty zumindest manchmal zu einem rauschenden Fest. Und einen neuen Song liefern die Fehlfarben mit "Chirurgie 2010" auch noch ab. Leider kein echtes Highlight. Ans Ende setzen die Fehlfarben dann die verschlüsselte Botschaft an all jene, die wirklich Neues erwarten. Da nämlich hören wir dem gemeinsam mit T.V. Smith eingespielten "Ein Jahr (es geht voran)", jenen Song, den die Fehlfarben eigentlich nie so richtig mochten. Weiter soll es - entgegen aller Arbeitsverweigerung - in jedem Fall gehen. Erst einmal auf eineinhalbmonatige Tour durch Deutschland. Später dann ein Album. Geht doch. Und zwar voran.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Der Himmel weint (mit Sven Regener)
  • Internationale (mit Dirk von Lotzow)
  • Alkoholen (mit Jochen Distelmeyer)

Tracklist

  1. Das sind Geschichten (mit Nils Koppruch)
  2. Grauschleier (mit Herbert Grönemeyer)
  3. Die Wilde 13 (mit Harry Rag und Peter Hein)
  4. (Geh) Du ran Du ran (mit Françoise Cactus)
  5. Einsam (mit Helge Schneider)
  6. Sonntag Morgen (mit Gudrun Gut)
  7. Paul ist tot (mit Campino)
  8. Die kleine Geldwäscherei (mit Bernd Begemann)
  9. Schlaflos nachts (mit Frank Spilker)
  10. Der Himmel weint (mit Sven Regener)
  11. Stell Dir vor (mit Stoya)
  12. Chirurgie 2010 (Fehlfarben)
  13. Club der schönen Mütter (mit Claudia Kaiser)
  14. Zarte Zeilen (mit Thomas Mahmoud)
  15. Internationale (mit Dirk von Lotzow)
  16. Alkoholen (mit Jochen Distelmeyer)
  17. Magnificent Obsession (mit Peter Lohmeyer)
  18. Ein Jahr (es geht voran) (mit TV Smith)

Gesamtspielzeit: 58:06 min.

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