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Mark Eitzel - Candy ass

Mark Eitzel - Candy ass

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 04.10.2005

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Unentschieden

Bruch oder nicht? Der Arzt betrachtet mit ratloser Miene die Röntgenbilder. Erst ist er völlig sicher, daß es sich sogar um mehrere Brüche handeln muß. Doch mit jedem neuen Blick darauf schwindet seine Überzeugung. Ähnlich geht es den Ohren beim Hören von Mark Eitzels "Candy ass". Irgendwo im Grenzstreifen zwischen Akustik und Elektronik läßt es immer wieder Unterschiedliches, gar Gegensätzliches aufeinander prallen. Dieses erneute Solowerk ist damit weit sphärischer und weit weniger gitarrenlastig als "Love songs for patriots" seines American Music Club.

Im Opener "My pet rat St. Michael" ist Eitzel noch ganz der bissige Lyriker und stupende Songwriter. Ein Mann, eine Stimme, eine akustische Gitarre, ein bestechender Song. Eitzel erzählt süffisant und augenzwinkernd von seiner melancholischen, leicht selbstmordgefährdeten Kuscheltier-Ratte, die zeitweise in die Klassenclown-Rolle gerutscht ist, erstaunliche philosophische Dinge sagt und der er Laborzigaretten zu rauchen gibt oder Mariah Carey vorspielt.

Doch alsbald bricht Eitzel mit den leisen Vermutungen, sein Album würde diese kammermusikalische Intimität beibehalten. Er nimmt seinen breitkrempigen Hut ab, tauscht ihn ein gegen einen Astronautenhelm und macht sich auf, elektronische Klanglandschaften zu erkunden. Die Fans seiner Texte müssen sich diesmal ein Stück weiter hinten anstellen. Viele der Songs haben oft nur kurze Phasen, in denen der Meister seine Stimme erhebt. Kurzzeitig deutet er in "I am Fassbinder" kryptisch an, sich vielleicht für das deutsche Kunstfilmgenie der Siebziger zu halten. Dann singt er über festgefrorene Hände und malt herrlich melancholische Bilder aus herabgefallenen Herbstblättern. Indes sind ganze fünf der zwölf Songs rein instrumental und entstammen einem Soundtrack für einen Film, dessen Namen bislang noch kaum jemandem verraten wurde. Hier wabern irrlichternde Streicherschwaden im Gefolge mumpfender Rhythmusschleifen durchs All. Kurzzeitig flackert androides Triangelgebimmel auf. Ein Eunuchen-Wal singt Falsett. Türsummer knarzen.

Die Melodie mäandert auf einem fliegenden Teppich aus ätherischen Akkordclustern, ohne ihr Ziel zu verraten; ein als verhalltes Fender Rhodes verkleidetes Raumschiff gibt ihr Geleit. Weißes Rauschen sirrt in Richtung Sirius. Ein Akkordeon hebt zu einem windschiefen Walzer an, besprenkelt von Klaviertropfen. Plötzlich bricht Lärm in das entspannte Plätschern, reißt die Struktur kurzzeitig in Stücke, um Sekunden später so zu tun, als sei nichts passiert. Stellenweise durchkurvt Eitzel sogar Randbereiche von New Jazz und House. So durchwirkt - neben den Instrumentals - auch die anderen Songs ein mehr oder minder ausgeprägter Hauch von Elektronik. Mal zart und streichelnd, wie im wunderschönen "Sleeping beauty", mal weltverloren und warm wie in "Green eyes", das auf einem Akkordeon-Sample von Calexiko beruht.

In der scheinbaren Ziellosigkeit gerade der instrumentalen Stücke, im minimalistischen, vermeintlich stagnierenden Kreisen um karge Klangfragmente, in denen Eitzel über weite Strecken schlichte Songstrukturen aus den Angeln hebt, liegt die Tücke von "Candy ass". Man muß sich Zeit nehmen, um die haarfeinen Nuancen und subtil eingewobenen Details zu erkennen. Dem flüchtigen Ohr rutschen sie durch.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • My pet rat St. Michael
  • Sleeping beauty
  • Green eyes

Tracklist

  1. My pet rat St. Michael
  2. Cotton candy tenth power
  3. Make sure they hear
  4. Sleeping beauty
  5. A loving tribute to my city
  6. Homeland pastoral
  7. Roll away my stone
  8. Green eyes
  9. Cobh
  10. I am Fassbinder
  11. Song of the mole
  12. Guitar lover

Gesamtspielzeit: 50:33 min.

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  • Mark Eitzel (4 Beiträge / Letzter am 15.04.2008 - 17:37 Uhr)