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Art Brut - Bang bang rock and roll

Art Brut - Bang bang rock and roll

Fierce Panda / Cargo
VÖ: 01.08.2005

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

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Busfahren an sich ist ja schon schlimm genug. Stinkende Menschen schmoren Schweißfleck an Schweißfleck im eigenen Saft. Kriegt man mal einen Sitzplatz ab, kriecht sofort eine krückstockschwingende Oma darunter hervor. Vorne wird übrigens aus Prinzip nicht ausgestiegen. Und wehe, es spricht uns einer den Busfahrer an. Das schlimmste an Linie 23 sind aber doch jene Zeitgenossen, die glauben, daß öffentliche Verkehrsmittel auch zwangsläufig öffentliche Konversation zu bedeuten haben. Es reicht ein versehentlicher Augenkontakt. Und schon erzählen sie einem, wie's heute so war. An der Supermarktkasse. Im Park. Auf dem Arbeitsamt. Neu ist allerdings, daß diese Menschen danach heimgehen und ein Lied darüber schreiben.

Eddie Argos ist auch so ein Kerl, der viel zu erzählen hat. Weil einem im Bus aber keiner mehr zuhört, mußte er eben Art Brut gründen. Klingt dann, als hätten sich die gloriosen Ikara Colt noch mal zusammengerissen - allerdings mit Liam Lynch als neuem Sänger. Oder hört sich an wie The Fall - falls die mal einen Gastauftritt bei "Eine schrecklich nette Familie" machen sollten. Egal. Bis zur ersten ernüchternden Erkenntnis braucht man hier jedenfalls keine Minute: "Yes, this is my singing voice / It's not irony", plaudert Argos in "Formed a band" aus, dieser unbesiegbaren DIY-Polterhymne, die angeblich wenige Minuten nach Bandgründung fertig war. Und heute freilich ein Hit ist. Aber da kommt noch mehr.

"We're gonna be the band that writes the song / That will make Israel and Palestine get along", setzt es obendrauf. Und das ist natürlich mal ein Wort, wenn man sich dazu denkt, was für einen unverschämt unoriginellen, ausgelatschten, an allen Ecken und Enden zusammengeklauten, aber selbstverständlich absolut einsturzsicheren Zwei-Akkorde-und-ein-Bier-Rock die hier veranstalten. Wie sie den Zeitgeist zum Tanz auffordern. Und ihm hintenrum trotzdem noch eins reinwürgen. Wie sie sich die giftigsten, gemeinsten, lustigsten Geschichten seit Tenacious D zusammenreimen. Und das natürlich alles vollkommen ernst meinen. Wie sie The Velvet Underground auf die Schippe nehmen. Und Sekunden später ihre eigene Viola abfackeln. Alles Banane?

Wir fühlen uns jedenfalls gut dabei. "Modern art / Makes me / Want to rock out!" Das bellt sich hübsch mit nach ausreichend Kaltgetränken und einem Absacker obendrauf. Vergessen wir aber nicht: Was hier von einer zynischen Rabauken-Bande in (vermutlich) kaum mehr als 32 Minuten und 26 Sekunden zusammengebollert wurde, hat sie nicht bloß nicht alle. Sondern auch unseren alten Freund, den kleinen Pop-Schalk, im Nacken sitzen. "Rusted guns" darf sich auch ohne nervöses Augenlid eine Hymne nennen. Und "Emily Kane" ist gar ein richtiggehend erschütterndes Liebeslied auf die erste große Liebe aus der ersten großen Pause. "I want school kids on buses singing your name", skandiert Eddie Arglos. Und wir wären wieder da, wo wir angefangen haben. Einmal dahinterklemmen. Und dann ab für den Hype, bitte!

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Formed a band
  • Emily Kane
  • Rusted guns
  • Once is enough

Tracklist

  1. Formed a band
  2. My little brother
  3. Emily Kane
  4. Rusted guns
  5. Modern art
  6. Good weekend
  7. Once is enough
  8. Fight
  9. Moving to LA
  10. Bad weekend
  11. Stand down
  12. 18.000 Lira

Gesamtspielzeit: 32:26 min.

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