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Son, Ambulance - Key

Son, Ambulance - Key

Saddle Creek / Indigo
VÖ: 15.11.2004

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

Vaterfreuden

Prioritäten zu setzen ist das Wichtigste im Leben. Joe Knapp aus Omaha muß da nicht lange überlegen: An erster Stelle kommt sein Sohn Neal. Und dann seine Band, die früher nur "Ambulance" hieß. Aus dieser Erkenntnis bastelte er einen neuen Namen für sein Musikprojekt, das seit dem Debüt "Euphemystic" mit wechselnder Besetzung wahre akustische Perlen züchtet. Die Sache mit der wechselnden Backingband kennt man ja schon von Knapps Label-Kollege, Freund und ehemaligem WG-Kumpanen Conor Oberst. Die beiden verbindet aber noch mehr: die gemeinsame Split-EP "Oh holy fools".

Daß Knapp auf klassische Singer/Songwriter wie Elvis Costello oder Jackson Browne verweist, wenn es um das goldene Geheimnis der Inspirationsquelle geht, ist nicht verwunderlich: Sein Vater konzentriert sich nämlich nicht auf akkurat geschnittenen Vorgartenrasen oder eine tiptop polierte Kühlerhaube, sondern frönt seit über zwanzig Jahren mit seiner Gitarre folkigen Freuden. Daß der gute Ton den Knapp-Kindern förmlich in den Brei gerührt wurde, ist schon fast Naturgesetz und hat auch vor Joes Bruder Daniel nicht Halt gemacht: Der bringt bei Son, Ambulance das Klavier in Ekstase.

Auch auf "Key" kommt - wie in Knapps Prioritätenliste - im Opener "Entropy" erst sein im Vorschulalter befindlicher Sproß zu Wort, bevor die Band loslegen darf: Vatertagsgrüße auf der Mailbox, während unter ohrenbetäubendem Lärm ein Flugzeug startet. Ein großer Auftakt. Zurecht: Denn das folgende "Paper snowflakes" ist ein Song, dem man einen roten Samtteppich zu Füßen legen möchte, aus Verehrung für so viel Perfektion. Ein mit Hall unterlegtes Piano schreitet zunächst die Umrisse dieser außergewöhnlich großartigen Komposition ab, eine kraftvolle Rhythmusgruppe gesellt sich dazu - dann tritt Knapp in Erscheinung und zeichnet alle Höhen, Tiefen, Ecken und Kanten mit seiner Stimme nach. Euphorisch, melancholisch, gefühlsecht, hinreißend: "Paper snowflakes don't melt in the sunshine / Plastic roses don't wilt, they'll be alright / Glass tears don't dry."

"Billy Budd" leistet in ruhiger 60s-Pop-Manier angenehme Gesellschaft, während "Chlorophyll" einen dichten Klangteppich webt und "Taxi cab driver" an Ryan Adams erinnert. Aufgeregte Klavierkreaturen ziehen den Vorhang für "Sex in C minor" auf. Und dafür nehmen sich Son, Ambulance viel Zeit. Relax, don't do it und so. Als die Bühnenbretter fast zu glühen beginnen und man befürchtet, daß Knapps Stimmbänder vor Erregung gleich reißen werden, kommt es zur unvermeidlichen musikalischen Explosion. Die schließlich mit einem lapidaren "that's it" beendet wird. Als wäre nichts gewesen.

Einen ähnlich ausschweifenden Spannungsbogen besitzt auch die herzzerreißend schöne Ballade "Case of you / Wrinkle, wrinkle", in der sich Knapp artig bei seiner Freundin bedankt und kleinlaut zugibt, was für ein komplizierter Kerl er doch manchmal ist. So ist das eben mit den Genies. "Key" ist eine Erlebnisreise. Spannend, unvorhersehbar, beinahe magisch. Das fordernde "Pleasure, now", dessen Klavierparts wie Keane auf Speed klingen, beschert ein eindrucksvolles Finale, und Knapp schließt die Vorstellung mit den Worten "I'll make you happy". Dabei sind wir das doch schon längst. Seit genau 54 Minuten und 44 Sekunden.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Paper snowflakes
  • Sex in C minor
  • Case of you / Wrinkle, wrinkle
  • Pleasure, now

Tracklist

  1. Entropy
  2. Paper snowflakes
  3. Billy Budd
  4. Chlorophyll
  5. Sex in C minor
  6. C minor interlude
  7. House guest
  8. Taxi cab driver
  9. Case of you / Wrinkle, wrinkle
  10. Glitter angel
  11. If I should fall asleep
  12. Pleasure, now

Gesamtspielzeit: 54:44 min.

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