Annett Louisan - Bohème
105 / Sony
VÖ: 25.10.2004
Unsere Bewertung: 6/10
Eure Ø-Bewertung: 7/10
Deine Stimme zählt
Fräulein Wunder
Nehmen wir mal an, die Radioquote für deutschsprachige Musik käme tatsächlich, und auch ausländische Künstler würden ihre Hits jetzt auf Deutsch trällern, um noch Airplay zu bekommen. Robert Wilhelms sänge plötzlich "Und durch dick und dünn gibt sie mir Schutz / Viel Liebe und Zuneigung / Egal, ob ich richtig oder falsch liege" ("Engel") und bei Brigitte Speere hieße es "Meine Einsamkeit tötet mich / Ich muß gestehen, daß ich immer noch glaube / Wenn du nicht bei mir bist verliere ich den Verstand" ("Triff mich noch mal, Schatz"). Gruselig? Ein native speaker des Englischen macht das jedesmal durch, wenn er das Radio einschaltet.
In letzter Zeit gab es ja auch schon zahlreiche deutschsprachige Lieder, die es in die Hitparaden und ins Luftspiel der Radiosender geschafft haben. Tut's noch weh? Eben. Die (ohnehin schmalen) Grenzen zwischen Pop und Schlager verwischen zuhörens, aber das muß nicht immer böse enden. Kommen wir - lange Rede, kurzer Sinn - also zu Annett Louisan, die sich schon des öfteren anhören mußte, die deutsche Norah Jones oder Carla Bruni zu sein. Natürlich ist die 24-jährige Hamburgerin in erster Linie sie selbst, aber die Vergleiche zeigen, in welche Richtungen "Bohème" geht: entspannter Jazzfolk mit persönlichen Texten.
Nun wird es für die Familienväter und Dinnerparty-Gastgeber, die sonst Norah Jones auflegen, etwas verwirrend, wenn plötzlich Zeilen wie "Daß du dich verliebst / Weil du's mit mir tust / Daß es dich so trifft / Hab ich nicht gewußt" aus der Stereoanlage perlen. Dabei ist "Das Spiel" nicht mehr oder weniger Schweinkram als diverse französische Chansons, an denen sich "Bohème" orientiert. Zwar hat Fräulein Louisan nur an einem Text mitgeschrieben, doch die mal frechen, mal einfühlsamen Zeilen passen gut zu ihrer anfangs etwas gewöhnungsbedürftigen, aber doch betörend sexy Stimme.
Jene Texte von Frank Ramond sind eine ausgiebige Betrachtung wert: "Die Gelegenheit" ist der Gegenentwurf zu den ganzen anderen männermordenden Liedern: "Los mach schnell, ich glaub, heut ist der Tag / An dem ich dich ein Leben lang ertrag." Und wenn Annett mitten im stilvoll dahinplätschernden "Das Liebeslied" plötzlich "Scheiße, bin ich verliebt" säuselt, dann ist das so hinreißend ordinär, daß man begeistert Applaus spendet. Stört es jetzt, daß die Texte auf Deutsch sind? Aber nein. Wenn hier etwas stört, dann der Umstand, daß der schmale Grat zwischen Entspanntheit und Langeweile ab und zu ein bißchen weit überschritten wird. Aber wem die Musik irgendwann auf den Geist geht, der hat vielleicht noch seinen Spaß an der Fotostrecke im Booklet.
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Highlights
- Das Spiel
- Das Gefühl
- Das Liebeslied
Tracklist
- Das Spiel
- Die Lüge
- Die Dinge
- Das Gefühl
- Daddy
- Die Katze
- Der Schöne
- Die Gelegenheit
- Der Blender
- Die Trägheit
- Die Formel
- Das Liebeslied
- Das Spiel (Radiomix)
Gesamtspielzeit: 44:00 min.
Referenzen
Carla Bruni; Vanessa Paradis; Katie Melua; Veronika Fischer; Meret Becker; Ina Müller; Regy Clasen; Françoiz Breut; Coralie Clément; Camille; Françoise Hardy; Charlotte Gainsbourg; Norah Jones; Eva Cassidy; Sophie Zelmani; Rickie Lee Jones; Dido; Wunder; Toni Kater; Klee; JaKönigJa; Rosenstolz; Yvonne Catterfeld; Juliane Werding; Reinhard Mey; Klaus Hoffmann; Tom Liwa; Alexandra; Hildegard Knef; Marlene Dietrich; Zarah Leander
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