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Eels - Shootenanny!

Eels - Shootenanny!

Dreamworks / Motor / Universal
VÖ: 02.06.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Deine Stimme zählt

My beloved monster

"When I was born, the doctor said / There's something wrong inside that babyhead". Mark Oliver Everett ist fürwahr einer der duchgeknalltesten von allen. Wer sonst rennt schon allen Ernstes über ein Jahr lang mit einem Rauschebart rum, für den sich selbst Reinhold Messner in Grund und Boden schämen würde? Wer versteckt eine Single schon mal als Hidden Track auf dem dazugehörigen Album? Wer sampelt "Oh, Du Fröhliche?". Natürlich, die Antwort lautet dreimal E. Der ist wieder da, hat Bock auf Muddy Waters-Schepperblues und stellt deshalb eine Nummer wie "All in day's work" an den Anfang seiner neuen Platte. Inklusive Mundharmonika. Ein großer Spaß!

Alles andere als lustig war freilich, wie dem guten E in den letzten Jahren mitgespielt wurde. Die Schwester war ihm weggestorben, seine Mutter erkrankte an Krebs, und folglich wurde auf "Souljacker" gnadenlos mit dem Schicksal abgerechnet. Die Geier kreisten über Everetts Seele und dessen Fuß permanent über dem Verzerrer. Schönklangverwöhnten Hörerohren wurden biestige Hard Rock-Riffs vor den Latz geknallt, man gab sich zynisch bis zum Anschlag. Ein Glück, daß die Geschichte letztlich doch ein gutes Ende nahm. "Souljacker can't get my soul" versicherte E und zog sich am eigenen Bart aus dem Sumpf. Auf "Shootenanny!" erinnern heuer nur noch die verbogenen Gitarren aus "Agony" an jene dunkle Zeit.

Kein freakiges Mädel mit Kulleraugen, keine fliegenden Kinder am Sternenhimmel, kein hundetragendes Ungetüm - das Artwork von "Shootenanny!" präsentiert sich in drei schlichten Farben. Passend dazu schmeißt Mr. E den Laden diesmal mit den simpelsten Popsongs seiner Karriere. Was natürlich nichts daran ändert, daß er vor allem als lakonischer Geschichtenerzähler wieder zu Höchstform aufläuft. "Saturday morning" berichtet flott arrangiert vom Dilemma kleiner Bälger, die sich am Wochenende zu Tode langweilen, weil ihre Eltern endlich mal wieder ausschlafen wollen. "Fashion awards" nimmt sinnlose Preisverleihungen in einem bitterbösen Kinderlied aufs Korn. "And if we don't win one, well, then / We'll blow off our heads in despair." Auch das fünfte Album der Eels ist wieder eine oscarreife Tragikomödie.

Und trotzdem: Man hat schon bitterer geweint, wenn E aus "Jeannie's diary" vorgelesen hat, und man hat herzhafter gelacht, als er von köstlichem Krankenhausfraß sang. "Shootenanny!" wirkt ab und an zu gradlinig, driftet schon mal in Belanglosigkeiten ab und hätte durchaus öfter die Kratzbürste schwingen dürfen. Schade ist das. Auch wenn man zum Abschluß für vieles entschädigt wird. "Somebody loves you" beschließt den Songreigen als klassisches Eels-Liebeslied. "This nagging malaise / Is more than a phase." Er wird sie wieder nicht bekommen, und doch hält E den Kopf hoch. "Somebody loves you / And you're gonna make it through." Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und sie hat noch ein paar gute Jahre vor sich.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • All in a day's work
  • Saturday morning
  • Rock hard times
  • Somebody loves you

Tracklist

  1. All in a day's work
  2. Saturday morning
  3. The good old days
  4. Love of the loveless
  5. Dirty girl
  6. Agony
  7. Rock hard times
  8. Restraining order blues
  9. Lone wolf
  10. Wrong about Bobby
  11. Numbered days
  12. Fashion awards
  13. Somebody loves you

Gesamtspielzeit: 41:25 min.

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