Uns - Alles was wir machen ist Kunst

Uns- Alles was wir machen ist Kunst

Sinnbus / Rough Trade
VÖ: 01.06.2018

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bitte eskalieren Sie

Google ist Dein Freund. Nicht. Ausgenommen die Fälle, in denen die Datenkrake neugierige Musikfreunde auf diese Seite führte, was wir selbstredend ausdrücklich begrüßen. Doch ungeachtet dessen setzen in letzter Zeit, wie bereits von Kollege Tyczkowski angeprangert, immer mehr Bands auf vorsätzliche Online-Unauffindbarkeit. Und was Boys oder International Music können, können Uns schon lange. Unangenehmer Nebeneffekt allerdings: Da die drei Berliner um den Petula-Mastermind und ehemaligen Kate-Mosh-Musiker Sebastian Cleemann ihr 2013er-Debüt ausgerechnet "Gegengift" nannten, spuckte die Suchmaschine bei entsprechend ergänzter Anfrage vornehmlich Treffer zum gleichnamigen Frei.Wild-Longplayer aus. "Internetgold" geht anders – das beweist der Opener des individueller betitelten Nachfolgers "Alles was wir machen ist Kunst".

Der ist nämlich ein hyperaktiver Zappler zwischen frühem Egotronic-Flexipop, schorfiger Gitarre und Gejohle im Hopster-Club, der beinahe dazu verleitet, die unguten Untertöne heiser skandierter Zeilen wie "Alle paar Minuten werd ich neu geboren / Und geh in irgendeinem Sumpf verloren" zu überhören. Jeder Fetzen Cat content und jede retweetete Heftig.co-Meldung nur ein kurzes Verschnaufen vor dem Weiterhetzen zur nächsten Wegmarke digitaler Identität. Ich poste, also bin ich. Der Auftakt zu einer guten Dreiviertelstunde panischen Begreifens per imperativem Sloganeering und Lifestyle-Instruktion, mit der ab 2004 Mediengruppe Telekommander und Von Spar "Die ganze Kraft einer Kultur" oder "Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative" propagierten. Jetzt neu mit Nackenschmerzen-Update.

Und natürlich mit rabiatem synthetischen Mahlwerk, schrill eingearbeitetem Dance-Punk und mutwillig käsigen Keyboard-Kaskaden aus der Achtziger-Blase. Vor allem aber mit Cleemanns exaltiertem Gebell, bei dem sich selbst Von Spars Thomas Mahmoud gefragt hätte, ob das noch populär sein kann. Es kann: "Essen um zu vernichten" beult Kuschelwuschel-Harmonien so lange an dampfenden Parolen-Beats aus, bis das kalte Buffet in die Luft fliegt – übrig bleibt ein massenhysterischer Hit mit der Kreischsäge, bei dem sich der Frontmann stimmlich zumindest halbwegs zurückhält. Anders als zum knallbunt pulsierenden Groove des Quasi-Titelstücks oder dem wildgewordenen Ungetüm "Von A nach A", einer Art ins Extrem vorangetriebenen Zuspitzung von Deichkinds "Denken Sie groß". Uns drehen frei, der Hörer dreht mit. Geht gar nicht anders.

Ob das alles nun wirklich Kunst ist – mindestens in 1000 Jahren oder früher –, weiß vermutlich nicht einmal das Trio selbst. Fest steht nur: Uns nerven kolossal. Und das so bohrend konsequent, dass ihre maximale Durchgeknalltheit diesen ungebremsten Zusammenprall von Indie-Anarchie und post-ironischem Agitprop zum eskalierenden Meisterwerk macht. Dazu gehören auch der chromblitzende Popsong "Die allerschnellsten Autos der Welt", der den Boliden aus Bilderbuchs "Maschin" zum Fluchtwagen aus kaputten Beziehungen umfunktioniert, oder die ölige Plastikballade "Nackt sehen", in der sich Cleemann mit ungelenkem Schmachten an die jungen Leute heranwanzt. Tendenz widerlich – aber merke: Das Leben ist eine Baustelle, und so are we. Und seine Freunde kann man sich nicht immer aussuchen. Dieses großartige Album zum Glück schon.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Internetgold
  • Essen um zu vernichten
  • Alles was ich mache ist Kunst
  • Die allerschnellsten Autos der Welt

Tracklist

  1. Internetgold
  2. Körper
  3. Essen um zu vernichten
  4. Alles was ich mache ist Kunst
  5. Von A nach A
  6. Das Haus
  7. Die allerschnellsten Autos der Welt
  8. Nackt sehen
  9. Der Riss
  10. München

Gesamtspielzeit: 48:12 min.

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User Beitrag

eric

Postings: 1819

Registriert seit 14.06.2013

2018-06-13 09:50:41 Uhr
Ja, geiles Album.

MopedTobias

Postings: 9405

Registriert seit 10.09.2013

2018-06-12 20:39:30 Uhr
Mega spaßiges Album. Nervt schon ein bisschen manchmal und fast jeder Song hätte auch ne Minute weniger vertragen, aber diese Art von Musik muss auch irgendwo ein bisschen anstrengend sein^^ Ein bisschen deutsche The Rapture mit nem ordentlichen Schuss Beklopptheit. Und die Dirk-von-Lowtzow-Parodie in "Essen um zu vernichten" ist göttlich.

Robert G. Blume

Postings: 284

Registriert seit 07.06.2015

2018-06-08 12:48:24 Uhr
Es ist ein BRETT! Hören!

Armin

Postings: 12184

Registriert seit 08.01.2012

2018-06-07 21:08:14 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Robert G. Blume

Postings: 284

Registriert seit 07.06.2015

2018-05-17 18:15:25 Uhr
In der Hoffnung, dass dieses Album nicht ignoriert wird, will ich schon mal auf den Hit "Internetgold" hinweisen. Und damit meine ich: Hit.

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